Das Schwimmbad in Brüchermühle wird nun doch gerettet, sparen muss die Gemeinde Reichshof trotzdem.
Bilanz 2025Unpopuläre Ideen sind in Reichshof nicht mehr tabu

Kehrt die Bundeswehr in ihre alte Kaserne bei Wildbergerhütte zurück? Falls ja, wären die Pläne des Landes NRW zum Bau einer Forensik dort wohl vom Tisch.
Copyright: Michael Kupper
Was war? Was kommt? Wir blicken zurück auf das Jahr 2025 und voraus auf 2026. Welche Projekte sind gelungen, welche gescheitert, wo stockt es noch? Heute richtet sich der Blick auf Reichshof.
Nicht erst, seit Reichshofs Kämmerer Gerd Dresbach im Frühjahr 2024 auf die aufziehenden schwarzen Wolken in Form von massiven Gewerbesteuer-Ausfällen hingewiesen hatte, dreht sich in der Südkreis-Gemeinde nicht alles, aber doch eine ganze Menge ums Sparen. Und so standen vor allem die letzten Monate, in denen Rüdiger Gennies (der insgesamt ein halbes Jahrhundert in Diensten der Gemeinde Reichshof stand) das Bürgermeisteramt bekleidete, oft unter dem Diktat des Rotstifts.
Debatte um Schwimmhalle schlug hohe Wellen
Die höchsten Wellen schlug dabei der gemeinsame Vorstoß von CDU, Grünen und FDP, das Schwimmbad in Wildbergerhütte mit Blick auf die Gemeindefinanzen nicht zu sanieren. Der Wellenschlag hielt bis 2025 an und wer weiß, in welchem Maße er den Ausgang der Bürgermeisterwahl im Herbst beeinflusst hat. Dann nahm die Thematik im Laufe des Jahres 2025 doch noch eine neue Wendung, die Schwimmhalle wird nun doch auf Vordermann gebracht. Denn nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren der Initiative „Gemeinsam für unser Schwimmbad Wildbergerhütte“, die die Dorfgemeinschaft Wildbergerhütte und die DLRG-Ortsgruppe Reichshof gemeinsam gegründet hatten, wurde ein Kompromiss gefunden, der eine breite politische Mehrheit fand.
Alles zum Thema Bundeswehr
- Deutsche Wirtschaft Bundesbank: Nur verhaltenes Wachstum im ersten Quartal
- Flugbereitschaft in Köln stationiert „Kaum zu vermitteln“ – Kritik an 700 Leerflügen des Regierungsfliegers
- Politischer Aschermittwoch Pistorius wirbt bei seiner SPD für Stärke gegen Putin
- Bilanz 2025 Unpopuläre Ideen sind in Reichshof nicht mehr tabu
- Triathlet verletzt Autofahrer soll radelnden Soldaten in Ruppichteroth mit Wasser bespritzt haben
- Rüstungsindustrie Rheinmetall darf Blohm+Voss und NVL übernehmen
- Bündnisverteidigung Die „Speerspitze“ rückt an: Verlegung über den Ostseestrand
Der ganze Vorgang zeigt, dass die kommunale Demokratie in Reichshof funktioniert hat, dass Einigungen möglich sind – und dass Kritik an politischen Entscheidungen aus dem vorpolitischen Raum zum Ziel führen kann, wenn sie klar formuliert, aber wie hier in angemessenem Tonfall vorgetragen wird.
Keine Teilnahme an der Altschuldenentlastung
Der Vorgang zeigt aber auch, dass der Druck, sparen zu müssen, so groß ist, dass auch maximal unpopuläre Maßnahmen diskutiert werden. Auch der neu gewählte Gemeinderat unter Vorsitz des neu gewählten parteilosen Bürgermeisters Jan Gutowski hat das Missvergnügen, dass vorerst jeder Gestaltungswille vor dem Spardiktat bestehen muss. Insofern ist es verständlich, dass sowohl Bürgermeister Gennies als auch Bürgermeister Gutowski und Kämmerer Dresbach Kritik an der Art übten, wie das Land NRW im Rahmen des Altschuldenentlastungsgesetzes verschiedenen Kommunen die Schuldenlast von der Schulter nimmt – Reichshof geht dabei nämlich leer aus, weil es am Stichtag Ende 2023 finanziell zu gut aufgestellt war.
Trotz dieser eher pessimistisch wirkenden Kulisse herrscht aber natürlich nicht auf allen Ebenen Stillstand. So gibt es zum Beispiel seit Sommer grünes Licht für einen privaten Reichshofer Investor, der in Eckenhagen einen Freizeitpark mit Sommerrodelbahn bauen möchte.
In der Gemeinde gibt es verschiedene Bestrebungen, Sonne und Wind als Lieferanten erneuerbarer Energien anzuzapfen – in Form von Freiflächen-Photovoltaikanlagen entlang der Autobahn und in Form von zwei Windenergieanlagen mit einer Höhe von etwa 250 Metern bei einer Nabenhöhe von rund 150 Metern. Diese plant der Projektentwickler Abo Energy westlich der B256 zu errichten, in der Nähe des Biebersteiner Stausees, grob gesagt im Dreieck zwischen den Orten Heienbach – Sotterbach – Brüchermühle-Fürken.
Zu Diskussionen führte ein Vorfall in einer kommunalen Unterkunft in Brüchermühle: Ein 26-Jähriger soll in dem von der Gemeinde angemieteten Haus einen 41-Jährigen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Menschen nicht nur aus Brüchermühle äußerten ihre Sorge um die Sicherheit, eine Online-Petition forderte die Schließung des Hauses, in dem überwiegend Obdachlose, aber vereinzelt auch Geflüchtete untergebracht wurden. Das Haus ist inzwischen nicht mehr bewohnt, heißt es aus dem Rathaus, ein neues Nutzungskonzept ist in Arbeit. Vor Gericht wurde das Verfahren gegen den beschuldigten 26-Jährigen kürzlich eingestellt, weil Aussage gegen Aussage stand.
Rückkehr der Bundeswehr?
Ein Gesprächsthema in Reichshof war letztes Jahr nicht zuletzt die plötzlich im Raum stehende mögliche Reaktivierung des ehemaligen Munitionsdepots in Wildbergerhütte durch die Bundeswehr. Seit diese Nachricht die Runde gemacht hat, hält sich die Bundeswehr mit weiteren Infos zum Stand der Dinge allerdings zurück. Dabei ist das Interesse an der Zukunft dieser Liegenschaft, die sich im Besitz des Bundes befindet, nicht nur in Wildbergerhütte groß. Denn dort, wo sich die Bundeswehr nach eigener Darstellung gut vorstellen kann, wieder einzuziehen, wollte das Land NRW etwas ganz anderes bauen – nämlich eine Forensische Klinik für den Maßregelvollzug für bis zu 150 psychisch kranke und suchtkranke Straftäter. Gegen dieses Vorhaben hatte sich in Reichshof von Anfang an schnell massiver Widerstand organisiert.
Ein Bote des Optimismus war vielleicht das erste Wochenende des Jahres mit seiner satten Schneepracht: Endlich konnte der Lift am Blockhaus mal wieder in Betrieb genommen werden, die Loipen waren gespurt und Wintersportfreunde aus Nah und Fern verbrachten vergnügliche Stunden in Reichshofs weißer Pracht.

