Gummersbach/Köln – An seinen größten Wettkampf erinnert sich Matthias Spahn noch genau. An jede Disziplin der beiden Tage im August 2003, als der damals 24-Jährige im niederrheinischen Wesel um den Titel des Deutschen Meisters im Zehnkampf kämpfte. Ein Moment jedoch löst besondere Emotionen bei ihm aus. Der Moment des Triumphes, den er zunächst gar nicht richtig realisierte.
Der Hülsenbuscher führte nach neun Disziplinen, nur noch den abschließenden 1500-Meter-Lauf vor Augen. 15 Sekunden Rückstand auf seinen Verfolger Florian Schönbeck könne er sich leisten, um nach Punkten in der Gesamtwertung vorne zu bleiben, hatte ihm sein Trainer Falk Schade mit auf den Weg gegeben.
Der erste große Sieg
„Ich war ein schlechter 1500-Meter-Läufer und mein Konkurrent deutlich besser. Als ich auf die Zielgerade einbog, dachte ich, das wird nicht reichen“, erzählt Spahn, als sei es gestern gewesen. „Nachdem ich über die Ziellinie gelaufen war und ich auf den Boden sank, stürmten schon die anderen Athleten auf mich zu und beglückwünschten mich zum Titel.
Ich habe nur gefragt, wie viel Rückstand ich habe“, erinnert er sich. „18 Sekunden“ riefen ihm die Kollegen zu. „Ich dachte, das reicht ja nicht, bis ich verstand, dass mein Trainer mir die falsche Zahl gesagt hat“, berichtet Spahn. 21 Sekunden Rückstand hätte er sich in Wahrheit erlauben können, und sein Coach hatte ihn mit voller Absicht belogen. Er sei vor dem Lauf einfach zu nervös gewesen, es zu merken.

Der Hülsenbuscher Zehnkämpfer Matthias Spahn feierte im August 2003 seinen größten sportlichen Triumph.
Copyright: Gieser
Mit 7814 Punkten hatte Matthias Spahn den besten Wettkampf seiner Karriere geliefert und nach dem Titel des deutschen Juniorenmeisters im Jahr 2000 seinen größten Erfolg gefeiert. Den Mannschaftstitel mit dem LT DSHS Köln gab es obendrein. Was Spahn zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Es sollte der letzte Zehnkampf in seinem Leben gewesen sein.
Jahre von Verletzungen und Operationen
Es folgten Jahre, die geprägt waren von Verletzungen und Operationen. Schon in jungen Jahren, als Hochspringer bei der LG Wipperfürth bei Trainer Bernhard Wald in die Leichtathletik gestartet, plagten ihn Schmerzen in den Füßen, die ihn bis zum Ende der Laufbahn begleiten sollten.
2004 verpasste er die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen. Das Pfeiffersche Drüsenfieber beutelte ihn zu Beginn des Jahres, eine erneute Fußverletzung stoppte endgültig alle Träume. „Der Zehnkampf in Deutschland lag zu diesem Zeitpunkt am Boden. Es war nie so leicht, sich für so einen großen Wettkampf zu qualifizieren“, erklärt er seine Enttäuschung.
Das könnte Sie auch interessieren:
Ein schwerer Rückschlag folgte 2006. Obwohl fit und vorbereitet, wurde ihm die Teilnahme an den deutschen Mehrkampfmeisterschaften verwehrt, weil ihm, ohne einen absolvierten Wettkampf, eine Qualifikationsleistung fehlte. Ein Sonderantrag wurde abgelehnt. „Ich hatte mich zurückgekämpft und wollte unbedingt noch mal dahin. Danach war es vorbei. Mit dem Ende bin ich insgesamt nicht glücklich. Das fühlt sich unvollendet an“, meint Spahn, der auch gerne noch die 8000-Punkte-Marke geknackt hätte.
Seit seinem Karriereende hat der heute 41-Jährige auch als Zuschauer keinen Zehnkampf mehr besucht. In seinem Haus in Köln-Rodenkirchen erinnert nur noch eine kleine blaue Plastik vom DM-Titel an die Zeit im Leistungssport.
Heute ist der Zehnkämpfer Betriebswirt und Familienvater
Der Fokus ist längst auf den Beruf und die Familie gerichtet. Spahn hat ein Studium der Betriebswirtschaft absolviert und arbeitet heute für den Energieversorger Rhenag in Siegburg als Leiter der Kundenbetreuung. Seit einem Jahr sorgt Sohn Ferdinand und zudem Pudel „Twix“ für ordentlich Beschäftigung bei ihm und seiner Frau Christine, die selbst einst Hochspringerin war.
Sportlich sei er wegen der vielen Wehwehchen eingeschränkt, halte sich aber mit Tennis fit. Für den ortsansässigen Verein startet Spahn demnächst mit einer Mannschaft in der Kreisklasse, mit „lustigem Ehrgeiz“. Für die Zukunft kann sich Spahn vorstellen, gemeinsam mit seiner Frau, eine Leichtathletik-Trainingsgruppe zu übernehmen.
Auch wenn längst vorbei, die eigene Sportkarriere ist aber weiterhin präsent. Auch wenn ein wenig Wehmut im Spiel ist: „Wenn ich Leichtathletik im Fernsehen schaue, denke ich immer darüber nach, was mit gesunden Füßen wohl möglich gewesen wäre.“



