„Vereinsbuddies“Finanzprofis aus Wiehl und Lindlar wollen Ehrenamtler entlasten

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Vier Männer stehen vor einem Flipchart.

Ein Plan für jeden Verein (v.r.): Die Unternehmensgründer Daniel Scholz, Stephan Löhr und Volker Stache mit Praktikant Justus Halang.

Sie wollen nicht weniger als das Vereinssterben stoppen: Mit drei Mitstreitern hat Volker Stache die „Vereinsbuddies“ gegründet. 

Man kennt das von Mitgliederversammlungen aller Art: Wenn es um die Verteilung der Vorstandsposten geht, blicken alle betreten zu Boden. Große Erleichterung tritt ein, wenn sich die alten Amtsinhaber noch einmal breitschlagen lassen. Das Ehrenamt hat es schwer, erst recht, wenn die Aufgabe mit Papierkram verbunden ist.

Volker Stache war bis vor kurzem Vorsitzender des Vereins, der alljährlich das Erntefest in Wiehl-Drabenderhöhe organisiert. Er sei daran gescheitert, die Arbeitslast im Vorstand auf mehrere Schultern zu verteilen, sagt Stache selbst. Schließlich habe er seine Drohung wahr gemacht und das Amt nach zehn Jahren frustriert niedergelegt. Erst danach fand sich ein neuer Vorstand. Doch Stache blickt nicht zurück im Zorn, er will den Ernteverein weiterhin unterstützen, wenn man ihn braucht. Zudem hat er nun Zeit, eine alte Idee zu realisieren, die genau in diesem Bereich Abhilfe schaffen soll.

Vier Profis aus Wiehl und Lindlar

Mit drei Mitstreitern hat Stache die „Vereinsbuddies“ gegründet. Die Geschäftsidee ist, dass Vereinsvorstände von lästigen Verwaltungspflichten entlastet werden. Es geht um Aufgaben, die kein Vereinsmitglied übernehmen möchte oder die dennoch professionell gelöst werden sollten. Also vor allem um die Mitgliederverwaltung und die Kassenführung, aber auch die Versammlungsorganisation, den Social-Media-Auftritt und das Datenschutzkonzept. Der Vorstand soll sich   auf den jeweiligen sportlichen, kulturellen oder sozialen Vereinszweck konzentrieren. Da wollen die Vereinsbuddies gar nicht mitreden.

Es gibt viele ältere Menschen in den Vorständen, denen wir bei der bevorstehenden Amtsübergabe helfen können.
Stephan Löhr, Mit-Gründer der „Vereinsbuddies“

Alle vier Gesellschafter sind Anfang 50 und doppelt qualifiziert für die neue Herausforderung – als langjährige Ehrenamtler in Vereinsvorständen und als hauptberufliche Zahlenmenschen. Volker Stache ist Vermögensberater, Stephan Löhr arbeitet als Versicherungsmakler, Jörg Müller als Geschäftsführer eines Pflegedienstes und Daniel Scholz als leitender Angestellter in der Industrie. Stache lebt in Drabenderhöhe, die anderen drei sind Lindlarer, und ihren ersten Kunden haben sie vor Ort gefunden. Es ist der Kindergartenförderverein, den Stache gegründet hat. Doch die Vereinsbuddies haben über ihre neue Homepage auch schon eine Anfrage aus der Pfalz bekommen und sehen in der Fernbetreuung auch kein Problem.

Rettung für Vereine in Oberberg

Stephan Löhr hat den Vorsitz des Fördervereins für Kinder und Jugendliche in Lindlar ebenfalls aufgegeben, weil er nicht mehr „Alleinunterhalter“ sein wollte. Er hat gesehen, dass es viel leichter wäre, auch undankbare Posten wie die Kassenführung zu besetzen, wenn diese professionelle Unterstützung bekommt. „Es gibt viele ältere Menschen in den Vorständen, denen wir bei der bevorstehenden Amtsübergabe helfen können.“ Manchmal müsse man erst einmal aufräumen, sagt Löhr: „Ich kenne einen Verein, der nicht weiß, welches Mitglied in welcher Abteilung ist und ob alle ihre Beiträge zahlen.“

Die Arbeit für die Vereine soll nach Aufwand, Mitgliederzahl und Umsatz entlohnt werden. Auf ihrer Internetseite kann man einen Fragebogen herunterladen, mit dem die Vorstände den Umfang der erforderlichen Unterstützung abschätzen können. Die Unternehmensgründer wollen bald eine erste Honorarkraft einstellen. Das Start-up hat kein Vorbild. In Hannover gibt es einen Dienstleister, der für große Verbände die Mitgliederverwaltung regelt, haben sie herausgefunden. Einen Anbieter von Hilfe auch bei der Buchhaltung speziell von kleinen Vereinen kennen sie nicht.

Der oben erwähnte Verein aus der Pfalz hat sich am Ende gegen die Vereinsbuddies entschieden. Nachdem die Mitgliederversammlung den Vorschlag des Vorstands abgelehnt hatte, fanden sich aber neue Mitglieder, die bei der Vorstandsarbeit anpacken wollten. Die oberbergischen Unternehmensgründer machen in diesem Fall kein Geschäft. Dass sie einen Anstoß für mehr Engagement gegeben haben, werten sie aber als Erfolg.

Die vier Vereinsbuddies versichern glaubhaft, dass sie in ihren eigentlichen Berufen genug zu tun haben und ausreichend Geld verdienen. Es gehe ihnen um die Sache. Stephan Löhr sagt: „Wir wollen dazu beitragen, dass viele Hände hochgehen, wenn bei der nächsten Vorstandswahl die Aufgaben verteilt."

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