Mehr Platz für PatientenKlinik für Suchtkranke in Erftstadt zieht in neues Gebäude um

Lesezeit 3 Minuten
Daniel Tameh und Wiebke Herrmann stehen vor einem Gebäude auf einer Baustelle.

Daniel Tameh und Wiebke Herrmann freuen sich auf den Umzug in das neue Gebäude an der Radmacherstraße.

Dass es künftig mehr Platz gebe, werde auch für neue Therapieangebote genutzt.

Der Zeitplan klingt ambitioniert. Am 8. März soll die Fachklinik, die derzeit noch im Liblarer Fronhof untergebracht ist, in ihr neues Gebäude ziehen. Dort ist allerdings noch eine Menge zu tun. „Baukrise, Corona-Krise, Inflation, Krieg“, Wiebke Herrmann zählt die Hürden auf, die sich dem Projekt in den Weg gestellt haben. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der Systeam Gruppe, die die Klinik für suchterkrankte Menschen betreibt.

Spätestens im Frühjahr 2022 sollte das neue Gebäude auf dem gut 5000 Quadratmeter großen Grundstück an der Radmacherstraße fertig sein, hatte es bei Baubeginn im Oktober 2020 geheißen. Damals war von neun Millionen Euro Investition die Rede. Auf die Frage, wie hoch die Kosten tatsächlich geworden sind, verzieht Herrmann das Gesicht „Doppelt so teuer.“

Höherer Komfort für alle

Der Fronhof, das markante alte Gebäude neben der Kirche St. Alban, ist zu klein geworden. 40 Patientinnen und Patienten leben dort, manche wenige Wochen, andere ein halbes Jahr lang. Doppelzimmer wie im Fronhof seien nicht mehr zulässig, erklärt Daniel Tameh, Therapeut und Pressesprecher. Das neue Gebäude ist mit 3566 Quadratmetern Nutzfläche viel größer, dort können 60 Menschen einziehen. Die einzigen Doppelzimmer, die es gibt, sind für Paare gedacht, die gemeinsam gegen die Sucht kämpfen.

Aber nicht nur für die Patienten soll es komfortabler werden, sondern auch für die rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn Büros waren bislang Mangelware. Zudem wollten immer mehr in Teilzeit arbeiten. Derzeit sind die Fachleute dabei, die Patientenzimmer ein zurichten – modern und hell, zum Teil barrierefrei. Das wirke nicht so gemütlich wie die Atmosphäre in dem historischen Gemäuer, gibt Tameh zu: „Aber die Patienten und die Mitarbeiter freuen sich auf das neue Haus.“ Dass es mehr Platz gebe, werde auch für neue Therapieangebote genutzt. So werde es eine Lehrküche geben, in der eine Hauswirtschafterin mit den Suchtkranken koche und den Einkauf organisiere.

Im Erdgeschoss gibt es Zimmer mit Küchenzeilen für die Patienten, die auf das Leben außerhalb der Klinik vorbereitet werden. Sie haben meist Praktikumsplätze in der Umgebung und versorgen sich selbst. Die Klinik bekommt nicht nur Gymnastikräume, sondern eine Sporthalle – mit Fitnessgeräten auch für die Mitarbeiter – und eine Sauna. Die Patientinnen und Patienten in der Einrichtung sind abhängig von illegalen Substanzen. Unterbringung und Therapie zahlen Rentenversicherung oder Krankenkassen. Am Haus steht auch ein neuer Name: Telos Fachklinik Liblar. Telos, erklärt Tameh, sei das altgriechische Wort für Ziel. In diesem Fall ein Leben ohne Drogen.


Keine Kinderpsychiatrie im Fronhof

Die Zukunft des Fronhofs ist ungewiss. Dort wollte die Klinik Schloss Gracht eine Kinder- und Jugendpsychiatrie einrichten. Doch das hat sich zerschlagen. Die Wohninvest Holding hatte der Systeam GmbH, die dort die Fachklinik für Suchtkranke betreibt, den Hof abgekauft. Wohninvest ist der Investor hinter der Bühler Health Care AG. Die managt die drei Kliniken der Libermenta-Gruppe. Betreiber der Liblarer Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik ist die Schloss Gracht GmbH.

Für die geplante Kinder- und Jugendpsychiatrie waren bereits Mitarbeiter angeworben worden. „Allerdings traten administrative und bauliche Anforderungen auf, die das Projekt wirtschaftlich nicht tragbar gemacht haben“, schreibt Karin Mainusch, Pressereferentin von Bühler Health Care. So sei man von deutlich mehr Synergien in der Personalplanung der beiden Abteilungen ausgegangen. Soweit möglich, seien die akquirierten Mitarbeiter in die Erwachsenenpsychiatrie übernommen worden. Konkrete Pläne, wie die Klinik Schloss Gracht den Fronhof anderweitig nutzen kann, gibt es nicht. Ab 8. März stehen die Gebäude an der Carl-Schurz-Straße, im Herzen von Liblar, erst einmal leer. (uj)

Rundschau abonnieren