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WinterfestBürgermeister Matthias Jedich im Visier der Jecken in Ruppichteroth

3 min

Winterfest des Karnevals in der Bröltalhalle in Ruppichteroth.

In der Bröltalhalle wurde handgemachter Karneval gefeiert.

Knapp vier Monate erst ist Ruppichteroths neuer Bürgermeister Matthias Jedich im Amt, und schon musste er sich einer der härtesten Prüfungen unterziehen, die ein Verwaltungsoberhaupt in der kleinen Berggemeinde überhaupt zu meistern hat: Das Karnevalistische Winterfest.

Zum 57. Mal fand das Spektakel des TV 1888  Ruppichteroth in diesem Jahr statt, und wie immer war die Bröltalhalle bis zum Bersten voll mit gut gelaunten und bunt kostümierten Jecken. Die wollten vor allem eins: Den handgemachten Karneval, bei dem Ruppichterother Menschen und Ereignisse aufs Korn genommen werden.

Auf der Bühne bekamen Ruppichteroths Politiker ihr Fett weg

Die drei Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl wurden noch einmal auf die Bühne geholt, die sich für die Nummer in ein Fernsehstudio verwandelte. „Klein gegen Groß“ war der Sendungstitel, und Jedich (auch optisch durchaus ähnlich: Elferrats-Mitgliede Bastian Rosner) trat mit SPD-Kandidatin Manuela Nahs (Ralf Löbach mit sensationell frisiertem Zweithaar) und Ralf Wüllenweber (herrlich ahnungslos: Christoph Schmidt) gegen Normalos an. Wobei: So ganz „normal“ waren die von Arno Schiefen, Albert Brummenbaum (der für den Sketch sichtlich gern seine Moderatorenrolle ruhen ließ) und Christian Willach dargestellten Kontrahenten auch nicht. Aber das ist in Ruppichteroth möglicherweise eben doch normal.

Die Bröltalpänz, 23 Tänzerinnen zwischen 14 und 17 Jahren,  flogen als Stewardessen „all around the world“ - und auch durch die Luft in der Bröltalhalle.

Die Bröltalpänz, 23 Tänzerinnen zwischen 14 und 17 Jahren,  flogen als Stewardessen „all around the world“ - und auch durch die Luft in der Bröltalhalle.

Bastian Rosner als Jedich jedenfalls konnte nicht punkten, als es nach „Dalli-Klick“-Manier darum ging, Verwaltungsmitarbeitende anhand von Fotoschnipseln zu identifizieren. „Auf jeden Fall einer vom Bauhof“, schlussfolgerte er richtig. „Der Bauhof liegt mir ganz besonders am Herzen.“ Den Mitarbeiter erkennen konnte er dennoch nicht: „Da bin ich noch nicht hingekommen in den vier Monaten im Amt.“ Ganz überrascht zeigte er sich auch, dass Klaus Müller Kämmerer in Ruppichteroth ist. „Echt? Sitzt der auch im Rathaus? Ist mir noch nicht aufgefallen!“

Das Bürgermeister-Original, das mit einem dreifachen Halleluhja begrüßt wurde, nahm's mit Humor. Der Döörper Prätscher Hans-Peter Hohn hatte schließlich gleich klargemacht, dass auf der Karnevalsbühne nur einer was zu lachen hat: Der jecke Saalknubbel. Denn nicht nur das neue Gemeindeoberhaupt aus „Honger Kuchem“, wie der Prätscher Jedichs Wohnort Winterscheid nennt, war im Visier: Auch die geschrumpfte SPD-Fraktion, das einzige FDP-Mitglied und die beiden Grünen im Rat („Die spüren das Artensterben nun am eigenenLeib“) bekamen einen ab.

Seit Oktober planten die Mitglieder des Elferrats ihr Programm

Im Oktober hatten Bastian Rosner, Ralf Löbach und Christoph Schmidt vom Elferrat mit dem Schreiben des Programms angefangen. „Sechs Abende, vier Proben - dann stand das“, erzählt Rosner zwischen zwei Auftritten. Komplettiert wird das kreative Trio vom Chef-Handwerker Ralph Müller, der für die Bühnen-Accessoires verantwortlich zeichnet. 

„Echte Keerls“: Markus Neiuber und Arno Schiefen sangen Krätzchen aufs Dorfleben.

„Echte Keerls“: Markus Neiuber und Arno Schiefen sangen Krätzchen aufs Dorfleben.

Sie waren nicht die einzigen, die spitzzüngig und wunderbar entlarvend getextet hatten: Die „echten Keerls“ Markus Neuber und Arno Schiefen porträtieren schließlich seit 27 Jahren das Dorfgeschehen in ihren herrlich grotesken Krätzchen. Diesmal startete Neuber zu einer „Tour de Rupp“, die nicht zur Nachahmung empfohlen werden kann - es sei denn, man ist mit enormer Trinkfestigkeit gesegnet und snackt zum Auffrischen der Kräfte einen Mettigel der Metzgerei Löbach. Oder einen Meisenknödel, wenn es vegan sein soll.

Der Bröltaler Musikverein und die vier Tanzgruppen  Lollipops, Minifunken, Bröltalpänz und die Blue Girls sorgten mit knackiger Musik und schmissigen Choreografien für mächtig Stimmung. Einmal mehr haben die Organisatoren des Winterfests gezeigt, wie man richtig guten Karneval macht.