Es gab Musik, Essen und Trinken und die neuen Räume für Kultur und Begegnung zu entdecken. Auch ganz klassisch wurde getauft.
Wieder Leben im Quartier„Die Station“ in Windeck-Au mit viel Programm offiziell eröffnet

Große Eröffnung in Au
Copyright: Sylvia Schmidt
Im Alter von über 165 Jahren, davon die letzten zwanzig Jahren geprägt von einem trostlosen Dasein auf dem „Abstellgleis“ ist für den Bahnhof in Windeck-Au ein neues Kapitel aufgeschlagen worden.
Das Leben zeigt sich wieder im Quartier um den Bahnhof, seit vor fünf Monaten der Cafébetrieb Fahrt in der einstigen Wartehalle aufgenommen hat. Jetzt folgt mit der Eröffnung der Räume für Kultur und Begegnung im Westflügel, die offizielle Taufe von „Die Station“ mit einem zweitägigen Programm.
Lokführer aus Bläserfamilie spielt auch schon mal Trompete auf dem Bahnsteig
Ein Glücksfall ist die Bläserfamilie Kowalski. Vater Martin ist Lokführer auf der Siegstrecke nach Köln und legt mit der Trompete auch schon mal ein Solo auf dem Bahnsteig ein. Mit Frau und Söhnen rollte musikalisch der Lokomotivführer Jim Knopf heran und dampfte weiter mit dem Chattanooga Choo Choo von Glenn Miller.

Bläserfamilie Kowalski ließ musikalisch die Dampflok vorfahren.
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Projektleiterin Anna Mauersberger legt bei der Begrüßung Wert darauf jeden Beteiligten am Mammutprojekt zu nennen. Die Liste der Freiwilligen, die dem eigens gegründeten Verein „Stationista“ seit 13 Monaten unentgeltlich Lebenszeit und Talent in tausenden Arbeitsstunden auf der Baustelle zur Verfügung stellen, scheint nicht enden zu wollen.
Die Tränen rollen nicht nur bei ihr als sie Cafébetreiberin Sarah Jung vom Kernteam anschaut: „Wir hatten vorher ein anderes Leben, wir müssen alle an der vielen Arbeit und am Stress wachsen“, bedankt sie sich bei den Helferinnen und Helfern, insbesondere beim Bau-Team, das sich seit Monaten abrackert.

Partner im Leben und im Beruf, Projektleiterin Anna Mauersberger und Quartiersmanager Anselm Maria Sellen.
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„Es ist ein kunstvoller Ort geworden, nur, weil alle zusammen es gemacht haben. Solche Projekte sind ohne uns als Zivilgesellschaft nicht denkbar. Wir können frei agieren“, spielt sie auf die unentgeltlichen Helferinnen und Helfer an. „Hätte die Gemeinde Windeck mit einem Konzern zusammengearbeitet, hätte die Umbauzeit, wenn überhaupt, dreimal so lange gedauert. Es hätte nicht 200.000 Euro sondern 1,5 Millionen Euro gekostet,“ sagt sie.
„Die Station“ in Au wird vom Landesministerium gefördert
Anerkennender Applaus der Besucher brandet auf, die sich auf dem Bahnhofsvorplatz am Vormittag eingefunden haben. Zur Gemeinschaft gehören auch die Partner Gemeinde Windeck und DB InfraGO. Kai Rossmann, Leiter des Bahnhofsmanagements, hatte Grußworte per Videobotschaft an die Macher der Station geschickt, ebenso Bürgermeisterin Alexandra Gauß, die vom Beigeordneten Thomas Becher vertreten wurde.
„Ich habe das Projekt von der Pike auf begleitet“, erzählt er, es habe sich in der Corona-Zeit angebahnt. Mauersberger nannte den benachbarten Graswurzelhof, wo die Idee entstanden sei, sich des Gebäudes anzunehmen. „Es musste erst einmal bei der DB Vertrauen in das Projekt geschaffen werden. Das sei entstanden, als die Gemeinde aktiv als Akteur eingestiegen sei“, so Becher. Die Bahn habe die Räumlichkeiten an die Gemeinde vermietet, diese dann zuerst an den Kulturhafen Au, nach Gründung schließlich an den Verein Stationista. „Es waren viel Kleinarbeit und viele Verträge, bis die Bahn endlich den Schlüssel für den Bahnhof vor einem Jahr übergeben hat.“
Quatiersmanager hielt „Schaltergespräche“ mit Zeitzeugen zur Bahnhofsgeschichte
„Die Station“ insgesamt wird durch das Programm NRW Dritte Orte des Landesministeriums für Kultur und Wissenschaft gefördert. Durch das Programm Soziale Dorfentwicklung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wird ein Projekt gefördert, dem sich Quartiersmanager Anselm Maria Sellen angenommen hat. In den vergangenen sechs Monaten hielt er regelmäßig im einstigen Ticketschalter „Schaltergespräche“ mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Aus deren Bahnhofsgeschichten und anhand von historischen Fotos und Dokumenten entwickelte er mit Medien-Designer Lukas Ullrich und Upcycling-Künstler Fabian Seiler die Ausstellung „Züge. Zeit. Zeugen“ und legte das neue „Auchiv“ an. So bleiben die Geschichten online über die Ausstellung hinaus les- und hörbar und sollen weiterwachsen.
Die Macher fanden eine Schiffstaufe angemessen. „Der Bahnhof ist wie ein Tanker, nicht so leicht zu heben“, legte Sellen die Taufe in die Hände von Sarah Jung. Die verwedelte reichlich Wasser mit dem Farbquast auf Bahnhofswände und Herumstehende.

Sarah Jung, Betreiberin des Stations-Cafés, verteilte großzügig bei der Taufe der STATION.
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Dem „Sheriff von Au“, Helmut Kießling, war das Durchschneiden des Bandes zum Westfügel und zur Ausstellungseröffnung vorbehalten. Er lebt schon immer in der Nachbarschaft des Bahnhofs und ist Helfer der ersten Stunde. Schnell füllten sich die herrlich gestalteten Räume, die für Kultur und Begegnung genutzt werden.
Auf dem Vorplatz erwarteten „Späti“ im Kiosk, die Solawi Wisserland mit eigenen Produkten vom Feld und knusprige Pizzen aus dem Ofen. Zum Programm am Folgetag gehört die Spendenübergabe des Rotary Club Westerwald an Stationista in Höhe von 10.000 Euro. Verwendet wird die für den „Sprachbahnhof“. Jeden Donnerstag lädt Pädagogin Ksenia Vassina Kinder und Teenager aus dem zweiten bis achten Schuljahr dazu ein, spielerisch mit der deutschen Sprache in Kontakt zu kommen.
Alle Infos zur Station unter: www.diestation.org / Auchiv unter: www.auchiv.diestation.org
