Den Verein gibt es zwar seit 2025 nicht mehr, die Jugendarbeit setzt der ehemalige Vorsitzende aber weiterhin fort.
Jahrzehntelange ArbeitWie der Geschichtsverein UHU die Besiedlung in Rhein-Sieg erforschte

v. li.: Der UHU-Vorsitzende Peter Krause und sein Sohn besichtigen 2004 Reste eines mittelalterlichen Gefäßes vom Vereinskollegen Paul Stommel aus Ruppichteroth-Kuchem.
Copyright: Repro: Sylvia Schmidt
Unzählige regionale Funde der Vor- und Frühgeschichte belegen die Wurzeln des heutigen Lebens im Rhein-Sieg-Kreis und angrenzenden Gebieten. Die Geschichten, die sie erzählen, sind der Öffentlichkeit meist wenig bekannt.
Drei Jahrzehnte lang trugen die Bürgerwissenschaftler des Geschichtsvereins Unabhängige Historische Untersuchungen mit dem Schwerpunkt der Vor- und Frühgeschichte, kurz UHU, wesentlich mit ihren archäologischen Funden dazu bei, verschiedene Sachverhalte der bergischen Siedlungsgeschichte neu zu betrachten und zu schreiben.
Der Verein hat sich nach Sterbefällen und aus Altersgründen Ende 2025 zwar aufgelöst, einige Jüngere forschen aber weiter. Insbesondere das Angebot zu spannender Kinder- und Jugendarbeit möchte der langjährige Vorsitzende und Geschäftsführer Peter Heinz Krause weiterhin anbieten.
Mitglieder waren überzeugt von einer langfristigen Besiedlung seit der Jungsteinzeit
Hervorgegangen war der Verein aus dem 1986 gegründeten „Verein für Vor- und Frühgeschichte Rhein-Sieg/Oberberg“. Mit zum Teil sensationellen Ergebnissen hatten einige der Mitglieder bereits umfangreiches Fundmaterial aus der Steinzeit, Eisenzeit und dem Mittelalter zusammengetragen.

Eisenzeitliche Relikte im Museum „KeltenKeller“ in Biebertal/Hessen, wie sie auch hier von UHU’s auf der Windecker, aber auch auf der Anlage „Grünenborn“ in Lohmar-Honrath gefunden wurden.
Copyright: Sylvia Schmidt
Im neu gegründeten Verein wurde diese Forschungsarbeit erheblich intensiviert. Peter Krause führte den Verein bis zur Auflösung und berichtet: „Die ältere Forschung ging von einer dauerhaften Besiedlung des östlichen Bergischen Landes erst mit den Franken um 800 nach Christus aus. Aber schon die Mitglieder des Vorgängervereins waren überzeugt von einer langfristigen Besiedlung bereits ab der Jungsteinzeit, spätestens ab der frühen Eisenzeit um 750 v. Chr., dies belegten ihre Tausende Funde, die sie beim Amt für Bodendenkmalpflege vom Landschaftsverband Rheinland, Außenstelle Overath-Gut Eichthal, gemeldet hatten. Unsere Forschungstätigkeit im Gelände wurde vor allem durch Begehungen von frisch gepflügten und ‚abgeregneten‘ Feldern und die Beobachtung von Baustellen durchgeführt.“
Windecker Siedlungskammer aus später Eisenzeit entdeckt
Erforscht wurden auch mögliche Rastplätze der Steinzeit, eisenzeitliche Wallanlagen und Relikte frühen Bergbaus. Dabei wurden im Rechtsrheinischen vielerorts Spuren aus der Mittel- und vor allem der Jungsteinzeit entdeckt. Angesichts der damals doch relativ geringen Gesamtbevölkerungszahl ist der Fundumfang beachtlich.
Noch umfassender und in allen Kommunen vertreten sind die Siedlungsfunde aus der Eisenzeit ab 750 vor der Zeitenwende, tausende Keramikscherben, aber auch einzelne Glasarmreifteile und -perlen. Eine amtliche Grabung in Windeck-Dreisel und ergänzende Untersuchungen belegten schließlich eine Windecker Siedlungskammer in der späten Eisenzeit. Ganz wichtig war der ständige fachliche Austausch mit den verschiedenen Museen und ebenfalls langjährig Forschenden.
Wallanlagen wurden durch Projekt mit Sondengängern neu bewertet
Ein besonderer Glücksfall war die vom Verein initiierte Gruppe mit erfahrenen Sondengängern um den inzwischen verstorbenen Fred Emps, unterstützt von den UHU-Bürgerwissenschaftlern Peter Krause und Heinz Wolter, die die hiesigen Anlagen gut kannten. „Da kam uns das amtliche Forschungsprojekt „Wallanlagen im Bergischen Land“ gerade Recht“, blitzt es heute noch freudig aus Krauses Augen.

Keramikfunde aus Königswinter
Copyright: Sylvia Schmidt
„Die systematische Prospektion führte zur wissenschaftlichen Neubewertung der hiesigen Wallanlagen. Mehr als 800 Neufunde alleine im und am Ringwall Alteburg in der Gemeinde Windeck untermauerten bisherige Annahmen. Durch die Untersuchungen weiterer Anlagen konnte anhand der Funde insgesamt ein großer Einfluss der so genannten keltischen ‚Oppida-Kultur‘, stellenweise fast bis zur Zeitenwende, belegt werden. Erkannt wurde auch die Zugehörigkeit zur so genannten „Lahn-Sieg-Gruppe.“
Ihre Funde schickten UHU-Mitglieder an das Amt für Bodendenkmalpflege
Es zeichnete sich ab, dass einige Anlagen in mehreren Epochen genutzt wurden. Wobei oft bereits eine steinzeitliche Anwesenheit feststellbar war, ohne das Vorhandensein einer Befestigung. Überraschend seien für die Fachleute die vielen eisenzeitlichen, sehr aussagekräftigen Münzen gewesen und die insgesamt mehr als tausend gut erhaltenen Eisenfunde. Diese belegten die schon länger vermuteten Verbindungen ins Hessische, aber auch in das heutige Rheinland-Pfalz und sogar nach Ostfrankreich.
Unzählige Funde schickten die Mitglieder zur Datierung ans Amt für Bodendenkmalpflege: Steinwerkzeuge, die bis in die Bronzezeit hinein benutzt worden waren, bronzezeitliche Teile wie Halbschalen und schwarze, poröse Scherben aus der Eisenzeit (800 bis 100 v. Chr.), die zum Gefäß geformt Lebensmittel kühl hielten. Tiefblaue Glasperlen stammen nachweislich aus keltischer Zeit und wurden auch an vielen anderen Orten in der Umgebung gefunden. Aus allen nachfolgenden Jahrhunderten lagerten Fragmente auf der Erde. Die Römer, die Franken, die Merowinger und die Menschen des Mittelalters hatten Spuren ihrer versunkenen Kulturen hinterlassen, die heute eine kontinuierliche Anwesenheit der Menschen seit der Altsteinzeit belegen.
Die zum Teil sehr umfangreichen Sammlungen der einzelnen Finder gingen über die Außenstelle Overath in das Eigentum des Landes über. Alle stellen einen sehr beachtlichen Anteil an der Erforschung der hiesigen Besiedlungsgeschichte ab der Steinzeit dar und stehen damit einer weiteren, eingehenden wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung.
Kinder- und Jugendarbeit zur Siedlungsgeschichte
Von Beginn an war es ein Anliegen von UHU, die jüngeren Menschen auf geeignete Weise für die vielschichtige Siedlungsgeschichte und die Archäologie zu interessieren. Mit Hilfe von Steinzeitrepliken gelang es, die Kinder und Jugendlichen durch eigenes Ausprobieren zu begeistern. Auch nach Auflösung des Vereins können Kindergärten, Schulen, Einrichtungen der offenen Jugendarbeit Interesse anmelden an Projekten/Themen mit örtlichem Bezug: beispielsweise Steinzeit, Eisenzeit (die Kelten), das Leben im Mittelalter und Burgen sowie dem Dreißigjährigen Krieg.
Angeboten werden Spezialführungen auf Ringwall- und Abschnittswallanlagen und Burgen sowie Fachvorträge mit teilweise noch nicht veröffentlichten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Aufgezeigt wird auch, wie binnen relativ kurzer Zeit durch den Austausch mit langjährigen Forscherinnen und Forschern, Privatstudien, Teilnahme an Vorträgen, Besuch von Ausstellungen und Museen ein umfangreiches Wissen zur Archäologie erworben werden kann. Kostenlos abgegeben werden Inhalte der bisher auszuleihenden UHU-Geschichtstaschen zu den genannten Themen.
Kontakt: Peter Heinz Krause, 02247/1599.
