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Arbeit in Schutzanzügen und MaskenRattengift verursacht Großeinsatz der Feuerwehr in Windeck

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In Schutzanzügen und unter Atemschutz schaufelten die Feuerwehrleute die Lichtschächte leer.

In Schutzanzügen und unter Atemschutz schaufelten die Feuerwehrleute die Lichtschächte leer.

Ein Dattenfelder hatte am Samstag Rattengift verstreut. Es war jedoch kein gewöhnliches Pestizid, denn es kam zu einer chemischen Reaktion.

In Windeck hat ein gefährliches Rattengift am Samstag (12. September) für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. Weil dieses offenbar Phosphor enthielt, kam es zu einer chemischen Reaktion. In der Folge mussten 13 Menschen ihre Häuser in Dattenfeld verlassen, die Feuerwehr trug über Stunden den betroffenen Bereich ab.

Dabei hatte der Einsatz am Mittag ganz harmlos begonnen. Um 12.23 Uhr war die Einheit Dattenfeld wegen eines Kleinbrands in die Straße Am Beuel alarmiert worden. „Der Bewohner sah weißen Rauch aus seinem Lichtschacht aufsteigen und hat die Feuerwehr gerufen. Die Kameraden gingen zunächst von einem Schwelbrand aus. Als sie Wasser drauf gegeben haben, stellten sie fest, dass etwas nicht stimmt“, sagte Pressesprecher Marco Brauner.

Phosphor brennt auch unter Wasser und ist als Pestizid seit Jahrzehnten verboten

Denn aus dem Lichtschacht stiegen Dämpfe auf und ein Knistern war zu hören. „Der Bewohner hat wohl am Morgen Rattengift in den Lichtschächten verteilt. Das hat dann mit der Feuchtigkeit darin reagiert.“ Brauner zufolge enthalte das Rattengift offenbar Phosphor – eine Substanz, die auch unter Wasser brennt und als Pestizid seit Jahrzehnten verboten ist. „Das Zeug ist definitiv sehr alt, es wurde beschlagnahmt“, fügte Brauner hinzu. Lange dauerte die Beratung der Feuerwehrleute: Erst kam Dattenfelds Einheitsführer Peter Mennicken zur Einsatzstelle hinzu, schließlich der Leiter der Feuerwehr, Daniel Walter.

Er forderte weitere Kräfte aus Dattenfeld sowie die Einheiten aus Herchen und Leuscheid an, darunter Fahrzeuge für ABC-Lagen und zur Dekontamination von Personen. Die umliegenden Wohnhäuser seien evakuiert worden, davon seien 13 Personen betroffen gewesen, sagte Brauner.

Wir haben über die Gemeinde aber auch das Hallenbad aufschließen lassen, damit sich die Leute dort aufhalten konnten
Daniel Walter, Leiter der Feuerwehr Windeck

„Die meisten haben die Zeit bei den Nachbarn verbracht, wir haben über die Gemeinde aber auch das Hallenbad aufschließen lassen, damit sich die Leute dort aufhalten konnten.“ Der Kreisverband Windeck des Deutschen Roten Kreuzes kümmerte sich um die Betreuung und die Verpflegung der Feuerwehrleute. Auch das Ordnungsamt und die Untere Wasserbehörde des Rhein-Sieg-Kreises wurden eingeschaltet.

Am Hallenbad sammelten sich die Einheiten und nahmen Evakuierte auf.

Am Hallenbad sammelten sich die Einheiten und nahmen Evakuierte auf.

In speziellen Schutzanzügen und unter Atemschutz näherten sich die Feuerwehrleute den beiden betroffenen Lichtschächten, darunter auch Pressesprecher Marco Brauner. „Die Lichtschächte bestanden aus Plastikverschalungen vor den Fenstern, drum herum waren diese mit Schotter verfüllt. Das mussten wir alles abtragen, das Plastik herausschlagen“, sagte er.

Insgesamt seien acht Zweiertrupps nötig gewesen, um die Lichtschächte leer zu schaufeln. Mitarbeiter des Kreisfeuerwehrhauses brachten zusätzliche Atemschutzflaschen. Die übrigen Kameradinnen und Kameraden richteten einen sogenannten Dekontaminationsplatz ein, damit die Feuerwehrleute ihre Uniformen ausziehen konnten, ohne den hochgiftigen Staub einzuatmen.

Die Feuerwehr errichtete einen sogenannten Dekontaminationsplatz, damit sich die Kameraden umziehen konnten.

Die Feuerwehr errichtete einen sogenannten Dekontaminationsplatz, damit sich die Kameraden umziehen konnten.

Mit einer tragbaren Feuerwehrspritze gaben die Feuerwehrleute Wasser auf die Schächte, um zu testen, ob es weiterhin zu einer Reaktion kam. Den Schotter füllten sie in Fässer und Wannen, die luftdicht verschlossen wurden. „Der Bauhof hat sie mitgenommen und wird sie der Entsorgung im Sondermüll zuführen“, sagte Brauner.

Gegen 18 Uhr waren die Arbeiten beendet und das Aufräumen des materialintensiven Einsatzes begann. Vor Ort waren mehr als 40 Feuerwehrleute, dazu Angehörige des DRK. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten in ihre Häuser zurückkehren. Ob dem Dattenfelder die Kosten für den Einsatz in Rechnung gestellt werden können, müsse die Gemeindeverwaltung prüfen, ergänzte Brauner.


Seit Ende April gelten für bestimmte Rattengifte neue Regeln. Klassische Rattengifte mit Blutgerinnungshemmern dürfen nicht mehr an Privatpersonen verkauft werden. Wer solche Mittel noch besitzt, darf sie bis zum 22. Oktober aufbrauchen. Seit dem 1. Juli ist zudem die vorsorgliche Dauerbeköderung verboten. Das bedeutet, dass Giftköder nicht mehr dauerhaft ausgelegt werden dürfen, wenn kein konkreter Rattenbefall festgestellt wurde. Das betrifft insbesondere Mittel mit Blutgerinnungshemmern. Bei einem nachgewiesenen Befall ist der gezielte Einsatz weiterhin möglich. Die strengeren Regeln sollen vor allem verhindern, dass Haus- und Wildtiere das Gift aufnehmen oder über die Nahrungskette vergiftet werden. (mfu)