Der Mundart-Autor, Theologe, Sänger und Philosoph Hubert Grunow liefert keine Erklärungen.
König auf der KreisstraßeWindecker Hubert Grunwo schreibt neues Buch über mystische Erlebnisse

Hubert Grunow ist ein Mann mit vielen Talenten. Nun hat er ein Buch über außersinnliche Erfahrungen geschrieben.
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Kopf, Krone und ein wallender Mantel zeichnen sich im Novembernebel ab. Der König schwebt über der Straße. Er müsse wohl hindurchfahren, denkt sich der Mann im Auto, dem die Ballade vom Erlkönig in den Sinn kommt. Dann verspürt er einen heftigen Schlag in den Nacken. Am Steuer: Dr. Hubert Grunow auf dem Weg zum theologischen Gesprächskreis.
Ich möchte über etwas schreiben, von dem andere lieber schweigen.
Der vor allem als Konzertsänger bekannte Windecker schildert die unheimliche Szene in seinem neuen Buch „Inkommensurabel“. Der Begriff steht in der Wissenschaft für etwas nicht Messbares, nicht Vergleichbares. „Ich möchte über etwas schreiben, von dem andere lieber schweigen“, kündigt der 70-Jährige im Vorwort an. Dass ihm „außersinnliche“ Erfahrungen zuteil würden, daraus habe er nie einen Hehl gemacht, heißt es in einem der hinteren Kapitel.
Zu seinen mystischen Erlebnissen gehört die Erscheinung des Königs im Nebel auf der Kreisstraße zwischen Windeck und Ruppichteroth. Für Grunow ging die Sache, unweit seines Wohnorts, glimpflich aus. „Jesus hilf!“ Als er diesen Notruf ausgestoßen habe, sei der Spuk sofort vorbei gewesen. „Nichts, aber auch gar nichts war geblieben. Ich saß immer noch im Auto und fuhr zu meinem Gesprächskreis.“ In den Tagen danach habe er erfahren, dass genau an jener Stelle beim allerersten Unfall auf der neu gebauten Kreisstraße drei junge Männer ums Leben gekommen seien.
Ohne zu wissen, wie, fuhr Hubert Grunow acht Kilometer weit
„Mit einem Mal ist alles blau um mich herum. Das wolkenlose Blau eines schönen Sommertags oder auch das strahlende Blau eines exzellent-frostigen Wintertags.“ So erlebte Grunow in jungen Jahren den Augenblick vor einem Auffahrunfall. Und da war noch, ebenfalls während einer Fahrt, die Einhüllung in ein weißes Licht: „Ich fuhr nicht mehr, im Auto sitzend, sondern stand im weißen Licht.“ Wie er in diesem Zustand eine acht Kilometer Strecke mit Steigungen und vielen Kurven habe zurücklegen können, sei ihm bis heute ein Rätsel geblieben. „Doch ich hatte das Gefühl, geschützt worden zu sein.“
Grunow beschreibt auch unerklärliche Phänomene, die anderen Menschen widerfuhren. Ein Kind berichtet von (Traum-)Begegnungen mit dem längst verstorbenen Opa, den es nie kennengelernt hat. Bei einer Witwe leuchtet plötzlich eine Lichterkette, die sie nicht eingeschaltet hat. Genau das Gleiche passiert zur selben Zeit bei der 30 Kilometer entfernt wohnenden Tochter. „Der verstorbene Ehemann und Vater steht im Verdacht, sich so bemerkbar gemacht zu haben.“
Er wolle keine Aufmerksamkeit erregen, sagt der Windecker
Der Autor liefert keine plausiblen Erklärungen. Und es ist ihm bewusst, wie die Geschichten auf Skeptiker wirken mögen, wie „eine plan- und ziellose Aneinanderreihung von unlogischem Zeug“, vermutet er. Die Motivation, das Buch zu schreiben, sei nicht gewesen, Aufsehen zu erregen, so Grunow. Vielmehr wolle er Leserinnen und Leser, die Ähnliches erlebt haben, einladen, mit ihren unerklärbaren Geschichten anzudocken. Dabei obliege die Deutungshoheit stets der betreffenden Person, betont der Autor. „Ob es Botschaften für sie sind, entscheidet allein sie.“
Wie Hubert Grunow seine persönlichen, wissenschaftlich nicht zu erklärenden Erlebnisse einordnet, verwundert nicht. Der Konzertsänger, Mundart-Autor, Coach, Anbieter von Seminaren, Trauerredner, Philosoph und Pädagoge ist auch katholischer Theologe. In einem Krankenhaus, da ist sich Grunow sicher, habe er nach einem Gebet, in dem er um Hilfe gebeten habe, eine Stimme gehört, die er keinem Geringeren als Gott selbst zuschreibt. „Ich, ich sorge für dich“, diesen Satz habe er vernommen.“
Sein Humor schwingt immer mit. Auch tiefgründig sind seine Texte. Im Alter von 70 Jahren hat der Windecker den Entschluss gefasst, diese rätselhaften und nie vergessenen Ereignisse mit anderen zu teilen.
Hubert Grunow: „Inkommensurabel – … heiter bis übersinnlich“, ISBN 978-3-6963-9632-9, BoD-Verlag, ist als Taschenbuch, 168 Seiten, erhältlich und kostet 12,90 Euro. Eine Lesung findet am Freitag, 14. August, 19.30 Uhr, in Grunows Philosophisch-Theologischer Praxis in Windeck-Rossel, Im Alten Weiher 1, statt. Der Eintritt kostet acht Euro.
