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MedienkompetenzProbleme in Klassenchats – Schülervertretung Rhein-Sieg für „Aufklärung statt Kontrolle“

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Über Klassenchats wird derzeit intensiv diskutiert. Die Bezirksschülervertretung Bonn/Rhein-Sieg fordert eine Stärkung der Medienkompetenz an den Schulen.

Über Klassenchats wird derzeit intensiv diskutiert. Die Bezirksschülervertretung Bonn/Rhein-Sieg fordert eine Stärkung der Medienkompetenz an den Schulen.

Die Bezirksschülervertretung Bonn/Rhein-Sieg warnt in der Diskussion über Klassenchat vor zu viel Kontrolle und fordert mehr Medienkompetenz.

In der Diskussion über problematische Inhalte in Klassenchats spricht sich die Bezirksschülerinnen- und -schülervertretung (BSV) Bonn/Rhein-Sieg für einen „lösungsorientierten Ansatz“ aus. „Anstelle reiner Kontrolle braucht es Aufklärung, klare Verhaltensregeln und eine Stärkung der Medienkompetenz“, heißt es in einer Stellungnahme der BSV, die die Interessen von rund 90.000 Schülerinnen und Schülern in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis vertritt. „Schülerinnen und Schüler müssen befähigt werden, Risiken zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und respektvoll miteinander umzugehen.“

Anlass der Stellungnahme ist eine Berichterstattung des WDR. Der Sender hatte Schülerinnen und Schüler zu den Inhalten in Klassenchats befragt. Dabei hatten 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zehn und 16 Jahren angegeben, in solchen Chats bereits belastende oder unangenehme Inhalte gesehen zu haben. Sie berichteten unter anderem von Beleidigungen und Bloßstellungen von Schülern und Lehrkräften, von Ausgrenzung und Hass, aber auch von Nacktaufnahmen.

Klassenchats sind per se weder gut noch schlecht
Benno Knobloch, Bezirksschülerinnen- und -schülervertretung (BSV) Bonn/Rhein-Sieg

„Klassenchats sind per se weder gut noch schlecht. Sie sind ein Spiegel der sozialen Realität im digitalen Raum“, sagt Bezirksschülerinnen- und -schülersprecher Benno Knobloch. „Entscheidend ist, wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen.“ Die BSV Bonn-Rhein-Sieg sehe es als gemeinsame Aufgabe, diese Räume so zu gestalten, dass sie Austausch ermöglichen, ohne die Sicherheit und Würde der Schülerinnen und Schüler zu gefährden.

BSV Bonn/Rhein-Sieg will Eltern stärker einbeziehen

Jugendliche bräuchten Räume, in denen sie sich eigenständig austauschen können. Eine vollständige Kontrolle der Klassenchats widerspreche diesem Bedürfnis und könne dazu führen, dass sich alternative, noch weniger einsehbare Gruppen bilden, befürchtet die BSV. Gerade in diesem Spannungsfeld zeigt sich die eigentliche Herausforderung. Wenn Klassenchats unbeaufsichtigt blieben, steige das Risiko für problematische Entwicklungen. Reguliere man sie hingegen zu stark, verlören sie ihre Funktion als freier Kommunikationsraum.

Schulen sollten nach dem Willen der BSV unterstützende Strukturen schaffen, etwa durch Ansprechpartner bei Konflikten oder durch gemeinsame Vereinbarungen für den digitalen Austausch. Darüber hinaus sei es notwendig, Eltern stärker einzubeziehen und für die Dynamik der digitalen Kommunikation zu sensibilisieren.