Köln – Die Serie hat gehalten. Der 1. FC Köln ist auch im sechsten und damit letzten Testspiel der Vorbereitung auf die neue Fußball-Bundesliga-Saison ungeschlagen geblieben. Beim 1:1 (0:0) gegen den niederländischen Zweitligisten Roda JC Kerkrade erzielte Joker Tim Lemperle allerdings erst vier Minuten vor dem Ende den Ausgleich. Eine Analyse der Generalprobe.
Was hat im Kölner Spiel gut funktioniert?
Die 1400 zugelassenen Zuschauer im Franz-Kremer-Stadion hatten zumindest in der ersten Halbzeit einen Eindruck davon bekommen können, wie das Kölner Spiel unter Steffen Baumgart aussehen soll. Der FC ging früh und energisch drauf und ließ den Gegner gar nicht erst zur Entfaltung kommen. „Die Jungs sind immer wieder angelaufen“, lobte ihr Trainer. Daraus resultierten zahlreiche Balleroberungen und Chancen, von denen alleine vier auf das Konto des umtriebigen Anthony Modeste gingen.
Woran haperte es dagegen noch?
Trotz drückender Überlegenheit vor der Pause nutzte der FC keine seiner Möglichkeiten. „Wir haben den Gegner nicht für das bestraft, was er uns angeboten hat“, bemängelte Baumgart die fehlende Effektivität beim Abschluss. Zudem war der 49-Jährige mit der Qualität der Chancen nicht rundum zufrieden: „Der Weg ist gut, aber noch nicht zu Ende. Wir müssen aus den Situationen, in denen wir Bälle gewinnen und Richtung Strafraum kommen, noch mehr in die Tiefe gelangen. Das ist der nächste Schritt.“
Welche Gefahr war zu erkennen?
Acht Minuten vor der Pause wurde auf schonungslose Art deutlich, welches Risiko das neue, offensive 4:1:3:2-System des FC birgt. Nach einem Missverständnis zwischen Kingsley Ehizibue und Florian Kainz auf Höhe des gegnerischen Strafraums schalteten die Niederländer rasend schnell um. Die in der Vorwärtsbewegung befindlichen Kölner wurden komplett überspielt und fanden keinen Zugriff auf den Gegenstoß. Am Ende des Bilderbuchkonters konnte Timo Hübers die Hereingabe von der linken Seite nicht mehr verhindern, im Zentrum kam Rafael Czichos gegen Torschütze Denzel Jubitana zu spät. „Wenn der Gegner cleverer gewesen wäre, hätte er die eine oder andere Kontersituation noch besser ausspielen können. Dafür müssen wir Lösungen finden“, befand Baumgart.
Wer liegt im Kampf um die Stammplätze vorne?
Der FC-Coach ließ wohl diejenigen Spieler beginnen, die derzeit über einen Vorsprung verfügen. In der Innenverteidigung erhielten Timo Hübers und Czichos den Vorzug vor Jorge Meré. Links verteidigte Benno Schmitz anstelle von Noah Katterbach, der weiter in einem Formtief steckt. Im defensiven Mittelfeld startete Salih Özcan, Dejan Ljubicic kam erst spät rein. Ganz vorne deutet es auf die Doppelspitze Anthony Modeste/Jan Thielmann hin. Doch einiges ist noch offen. „Es gibt zwei, drei Positionen, die klar sind. Auf allen anderen Positionen finden sehr gut Zweikämpfe statt“, sagte Baumgart.
Wo steht die Mannschaft eine Woche vor dem Start?
Für Kölns Trainer fällt das Fazit der Vorbereitung „komplett positiv“ aus. „Die Jungs marschieren. Es ist zu erkennen, wo wir hin wollen, auch wenn noch nicht alles klappt.“ Dennoch ist eine Beurteilung des Leistungsstandes schwierig. Was auch damit zusammenhängt, dass der FC mit Ausnahme des Duells mit stark ersatzgeschwächten Münchner Bayern durchweg gegen klassentiefere Mannschaften testete. Dabei sprangen vier Siege und zwei Unentschieden heraus.
Wie geht es in dieser Woche weiter?
Nach einem trainingsfreien Montag beginnt am Dienstagnachmittag die nähere Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel der Saison. In der ersten Runde des DFB-Pokals gastieren die Kölner am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) beim Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena. Für die Thüringer hat die Meisterschaft bereits begonnen, allerdings sehr holprig. Nach drei Spieltagen in der Staffel Nordost hat der ehemalige Drittligist erst einen Zähler eingefahren. Doch Steffen Baumgart warnt: „Ich habe in Jena öfter gespielt – und ich glaube noch nie gewonnen. Wir werden dort nicht freundlich aufgenommen und uns wehren müssen. Dafür brauchen die Jungs Frische und Klarheit. Sonst kann so ein Spiel schwer werden.“
