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Wunde Finger und ein gutes GefühlFC-Coach erstaunt über 50.000 Fans bei Saisonstart

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Trainer Steffen Baumgart (r.) zeigt sich nach einer gelungenen Saisonvorbereitung gut gelaunt auf der Bühne, auf der die Mannschaft gemeinsam die Hymne singt.

Köln – Eine Saisoneröffnung kann harte Arbeit sein. Steffen Baumgart hatte da spätestens so eine Vorahnung, als er die Bühne auf den Vorwiesen wieder verlassen hatte. Das Podest hatte dem Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln einen wunderbaren Ausblick auf die Menschenmenge geliefert, die am Samstag vor dem Rhein-Energie-Stadion zusammengekommen war.

Als die umjubelte Präsentation der Mannschaft vorüber war, begann für Spieler und Trainer mit der mehrstündigen Autogrammstunde allerdings erst die eigentliche Arbeit. „Jetzt kommt der schwierige Teil: sitzen und schreiben“, sagte Baumgart, der sich am Ende des Tages die Finger wund geschrieben haben dürfte. Schließlich waren an diesem sonnenüberfluteten Tag 50 000 Anhänger nach Müngersdorf gepilgert, um sich auf die neue Spielzeit einzustimmen. Eine gewaltige Zahl, die den FC-Coach staunen ließ: „Ich habe so etwas in dieser Größe noch nie erleben dürfen. Es ist schön zu sehen, was möglich ist, wenn alle gemeinsam auf dem richtigen Weg gehen.“

Dieser Weg hatte den FC gleich im ersten Jahr unter der Regie von Antreiber Baumgart ins internationale Geschäft geführt. Als „sensationell“ bejubelte Präsident Werner Wolf den siebten Tabellenplatz, der den Fast-Absteiger von 2020 und 2021 in die Playoffs zur Conference League katapultierte.

FC-Fans haben Vorfreude auf Europa

Die Euphorie über die Rückkehr nach Europa war auf der Saisoneröffnung allgegenwärtig zu spüren. Steffen Baumgart war darum bemüht, die Vorfreude der Fans nicht überborden zu lassen. „Wir nehmen heute alles locker und freuen uns drüber. Wir wissen aber, dass nächste Woche der erste Wettbewerb ansteht und da haben wir nicht die leichteste Aufgabe. Dann gucken wir von Wettbewerb zu Wettbewerb und dabei wird es auch bleiben“, betonte der FC-Coach, dessen Team am kommenden Samstag (15.30 Uhr) bei Zweitligist Jahn Regensburg um den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals kämpft. Die finale Vorbereitung auf den Auftakt startet am Dienstag.

Baumgart sieht den FC gewappnet für die mögliche Dreifachbelastung. „Wir sind gut aufgestellt“, lobte er den von Sportchef Christian Keller mit sieben externen Zugängen frühzeitig zusammengestellten Kader. Der Konkurrenzkampf ist hoch, es wird so manchen Härtefall geben. Auch der Verlauf der Vorbereitung stimmt Baumgart zuversichtlich: „Die Jungs sind gut dabei. Wir haben ein gutes Gefühl, um in die Wettbewerbe zu gehen.“

Im letzten Test hatte sein Team am Freitag den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen mit 5:0 demontiert. Das gute Gefühl basiert zum einen auf der erfolgreichen Arbeit der zurückliegenden Wochen, die frei von schwereren Verletzungen geblieben waren. Spielmacher Mark Uth zeigte sich „sehr glücklich, dass die Vorbereitung vorbei ist, weil sie doch sehr hart und anstrengend war – auch für den Kopf“. Nun fühle er sich „bereit, die Jungs auch. Ich glaube, besser kann man sich nicht auf die Saison vorbereiten.“

Baumgarts System zeigt beim FC Wirkung

Was auch damit zusammenhängt, dass die Kölner auf ein Fundus bereits einstudierter Automatismen zurückgreifen können. „Man hat bereits am Anfang gemerkt, dass wir weiter sind als im letzten Jahr. Wir haben die Abläufe drin gehabt. Wenn du den Trainer schon ein Jahr lang kennst, verinnerlichst du das. Deswegen hatten wir in der Vorbereitung nicht so viele Probleme im Umsetzen der Taktik“, erklärte Uth, der selbst eine Saison gebraucht hatte, um in Baumgarts laufintensivem System anzukommen.

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Der gebürtige Porzer sieht den Kader noch besser aufgereiht: „Wir haben einige Spieler dazubekommen, die natürlich noch Zeit brauchen. Wir mussten uns breiter aufstellen, weil wir es hoffentlich in die Conference League schaffen.“ Ein Traum, den auch Benno Schmitz lebt: „Das sind Spiele zum Genießen“, schwärmte der Rechtsverteidiger.

Parallel dazu will der 1. FC Köln den Schuldenabbau vorantreiben. „Uns fehlt ein bisschen Geld in der Kasse“, beschrieb Werner Wolf die angespannte Lage nach 85 Millionen Euro Umsatzverlust durch Corona. „Die wirtschaftliche Stabilisierung ist nun unser Hauptthema, damit wir uns in zwei Jahren wieder frei bewegen können“, erklärte der FC-Präsident.

Erster Fanclub für die FC-Frauen

Die Frauenfußball-Abteilung des 1. FC Köln darf sich über ihren ersten eigenen Fanclub freuen. Der am 12. Juli ins Leben gerufene „1. Frauenfanclub RutWiess“ warb auf der Saisoneröffnung des FC um weitere Mitglieder. „Es ist sehr erfreulich, dass es nun einen FC-Frauenfanclub gibt. Ein gefühlt längst überfälliger Schritt, wenn man die tolle Entwicklung im Frauenfußball sieht“, erklärte Rainer Mendel, Leiter Fan- und Fan-clubbetreuung beim FC, der in der Saison 2022/23 im Frauenbereich in der Ersten (Foto) und Zweiten Liga vertreten ist. (tca)

Der neue Finanzchef Philipp Türoff beschrieb den FC als „angeschlagenen Verein. Wir haben einige Lasten der Vergangenheit, die wir in den nächsten Jahren zusammen bewältigen müssen.“ Türoff versprühte aber auch Optimismus: „Der Verein ist supervital. Wir haben einen klaren Kurs. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber wir schaffen das.“ Dabei war sein Blick auf die proppenvolle Stadionvorwiese gerichtet. „Wenn ich das hier sehe“, sagte Türoff, „hat mich der 1. FC Köln mit voller Wucht gepackt. Die Fans sind ein fundamentaler Bestandteil, um die Aufgaben zu packen.“

Christian Keller ergeht es ähnlich nach seinen ersten vier Monaten am Geißbockheim. Der gebürtige Schwarzwälder zeigte sich „zutiefst beeindruckt“ von dem riesigen Andrang, der auf der ersten Saisoneröffnung nach zweijähriger Pause herrschte. Und dann sagte der Sportchef noch diesen bemerkenswerten Satz: „Ich habe aber auch mit nichts anderem gerechnet.“