Die Erfahrungen des 1. FC Köln mit dem Karneval waren nicht immer gut. Deshalb zieht der Club in diesem Jahr Konsequenzen und reist bereits an Weiberfastnacht zu seinem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart.
„Ablenkungsgefahr extrem groß“Lukas Kwasniok erklärt frühzeitige Abreise des 1. FC Köln nach Stuttgart

Schunkelte auf der FC-Sitzung mit: Trainer Lukas Kwasniok, der sich als Mönch verkleidet hatte.
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Als Lukas Kwasniok am Donnerstagmorgen den Presseraum des Geißbockheims betrat, lüftete er erst einmal kräftig durch. In der Luft lag der unverkennbare Geruch von Zwiebelmettbrötchen, die der 1. FC Köln aus gegebenem Anlass serviert hatte. Nähere Berührungspunkte mit dem Karneval gab es für Kwasniok und seine Leute an Weiberfastnacht nicht. Um dem Ausnahmezustand in der Stadt aus dem Weg zu gehen, machte sich der Aufsteiger schon zwei Tage vor dem Bundesligaspiel beim VfB Stuttgart (Samstag, 18.30 Uhr/Sky) auf in Richtung Schwabenland. Damit reagierte der Club auf die nicht durchweg positiven Erfahrungen, die er im Umgang mit der fünften Jahreszeit gesammelt hat. Nicht nur, dass der letzte Sieg an Karneval sechs Jahre zurückliegt. Vor einem Jahr hatten sich nicht alle Spieler an die Vereinbarungen gehalten. Im Nachgang zum Sessions-Höhepunkt war es zudem vermehrt zu Krankheitsfällen im Profikader gekommen.
Mit Blick auf den angepassten Reiseplan war es Lukas Kwasniok wichtig, eines zu betonen: „Es ist keine Flucht, sondern Professionalität, aber man kann es flapsig mit einer Flucht umschreiben“, erklärte der 44-Jährige, der zu bedenken gab: „Wir sind in einer Showbranche, aber bei aller Show geht es um Ergebnisse, und die Ergebnisse rund um Karneval sind in der Vergangenheit nicht immer ganz so berauschend gewesen.“ Womöglich, weil die Verlockungen zu groß waren. „Wenn du hier vor Ort bist, ist der Fokus nicht komplett auf dem, wofür du bezahlt wirst. Die Ablenkungsgefahr ist einfach extrem groß“, meinte Kwasniok. Er selbst hatte auf der FC-Sitzung am Dienstagabend im Mönchskostüm mit einer gewissen Selbstironie erklärt, „eher zurückhaltend“ zu leben.
Ich finde die Idee gut. Ich freue mich auf das Training, die Fahrt und ein hoffentlich gutes Spiel am Wochenende.
Die Kölner untergliedern den Hinweg nach Baden-Württemberg in zwei Teile. Nach dem Training am Donnerstagvormittag in Köln reiste der Tross mit dem Bus zunächst nach Frankfurt, wo der FC am Freitag eine Einheit auf dem Campus des DFB abhält. Im Anschluss geht es weiter nach Stuttgart. „Der Gedankengang dahinter ist auch, dass wir keine so lange Fahrt nach Stuttgart haben und nicht zwei Tage an einem Ort verweilen, zumal wir erst abends spielen. Sonst zieht es sich ein bisschen“, erläuterte Lukas Kwasniok, der die von Sportdirektor Thomas Kessler initiierte Maßnahme zumindest nach außen hin begrüßte: „Ich finde die Idee gut. Ich freue mich auf das Training, die Fahrt und ein hoffentlich gutes Spiel am Wochenende.“
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Trotz der frühzeitigen Abreise verzichtete Kwasniok darauf, die komplette Mannschaft mitzunehmen: „Es macht einfach keinen Sinn, aufgebläht dahinzufahren. Wenn jemand erkranken sollte, kann ein anderer nachreisen. Der Fokus liegt auf dem Spiel. Deswegen ist es aus meiner Sicht richtig, mit 18 Spielern plus drei Torhütern zu fahren“, sagte der Trainer. Der von einem Magen-Darm-Infekt geschwächte Isak Johannesson blieb zu Hause, Florian Kainz rückte nach. Für Dominique Heintz kommt das Spiel noch zu früh. Bei den Talenten tauschte Debütant David Fürst den Platz mit Youssoupha Niang. Möglich, dass Innenverteidiger Rav van den Berg nach zwei Spielen Pause in die Startelf zurückkehrt. Kwasniok bescheinigte dem Niederländer eine „Topperformance“ bei der Einheit am Mittwoch. „Das ist die Basis, um bei mir zu spielen.“ Neuzugang Felipe Chávez wird wie schon gegen Leipzig (1:2) zunächst auf der Bank Platz nehmen. „Wir brauchen erstmal andere Kaliber“, sieht Kwasniok den 18-jährigen Deutsch-Peruaner noch nicht so weit, um gegen eine Topmannschaft von Beginn an anzulaufen.
Die Karnevalsbilanz – schlecht. Die Bilanz gegen die Großen – schlecht. Samstagabend – noch schlechter. Insofern habe ich schon Glückwünsche an den VfB Stuttgart gesendet.
Die Karnevalssitzung im Maritim-Hotel haben die FC-Profis offenbar unbeschadet hinter sich gebracht. Was das Thema Energie angeht, habe er „selten so ein gutes erstes Training in der Woche gehabt“ wie am Mittwoch, stellte Kwasniok zufrieden fest. Die Feierlichkeiten am Abend zuvor hatte der Trainer deutlich vor dem für 23 Uhr angesetzten Zapfenstreich verlassen, aber trotzdem seinen Spaß gehabt. Es sei „sehr speziell“ gewesen, sagte der gebürtige Pole über seine erste Sitzung beim FC. Gleichzeitig habe er eine „vertraute Atmosphäre“ gespürt. „Egal ob Präsident, U21-Spieler oder Trainer der 1. Mannschaft – alles ist verwässert, jeder ist gut gelaunt. Ich habe das genossen. Als es ans Eingemachte ging, habe ich aber die Flucht ergriffen.“ Nach der Rückkehr aus Stuttgart steht für Kwasniok eine weitere Premiere an, und zwar die im Rosenmontagszug. Der Trainer fährt mit Said El Mala und Ragnar Ache auf dem FC-Wagen mit. Kwasniok hat noch keine genaue Vorstellung, was ihn erwartet. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, gestand er am Donnerstag.
Seine Konzentration gilt der Aufgabe in Stuttgart, wo der FC im sechsten Anlauf endlich etwas Zählbares in einem sogenannten Topspiel einfahren will. „Eigentlich brauchen wir gar nicht antreten“, witzelte Kölns Trainer und zählte auf: „Die Karnevalsbilanz – schlecht. Die Bilanz gegen die Großen – schlecht. Samstagabend – noch schlechter. Insofern habe ich schon Glückwünsche an den VfB Stuttgart gesendet.“ Tatsächlich hofft Kwasniok beim Tabellenfünften auf Bonuspunkte im Kampf um den Klassenerhalt: „Ich finde, dass wir gegen die Großen auf Augenhöhe agieren können. Die Mannschaft hat auch richtig Bock, das unter Beweis zu stellen.“
