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KontrollenOrdnungsamt durchsucht minderjährige Jecke auf der Zülpicher Straße in Köln

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Das Team durchsucht einen minderjährigen Jungen, der hochprozentigen Alkohol dabei hat.

Das Team durchsucht einen minderjährigen Jungen, der hochprozentigen Alkohol dabei hat.

Einige Feiernde im Kwartier Latäng reagierten aggressiv auf die Durchsuchungen. 

Die Jugendliche schaut grimmig, während ein Team des Ordnungsamts ihre Taschen durchsucht. Einen Lippenstift hat sie dabei, ihr Handy und eine elektrische Zigarette – verboten für Minderjährige. Mit einem motzigen Gesichtsausdruck gibt sie die Vape ab. Einer ihrer Freunde macht währenddessen im Hintergrund Krawall.

Das Ordnungsamt der Stadt Köln dreht an Weiberfastnacht seine Runden im Kwartier Latäng und kontrolliert stichprobenartig Jugendliche und Menschen, die sich auffällig verhalten. Im Zülpicher Viertel wurden 410 Jugendliche mit Alkohol oder Tabak erwischt.

Deutlich höhere Sicherheitsmaßnahmen

Für Mike Kaleda ist es der 17. Karneval im Ordnungsamt. „In den vergangenen Jahren hat die Stadt Köln die Sicherheitsmaßnahmen deutlich hochgefahren“, sagt der 41-Jährige. Der Alkoholkonsum der jugendlichen Jecken habe sich von der Altstadt am Rheinufer ins Zülpicher Viertel verlagert. „Wir sind sehr aufmerksam und konsequent. Die Volljährigen können natürlich weiterfeiern, aber wir kontrollieren die Leute lieber einmal zu viel als zu wenig.“

Nachdem die Jugendliche ihre Vape abgegeben hat, ist ein Junge an der Reihe. Er trägt einen Gürtel mit Feiglingen umgeschnallt und wird nach weiteren Gegenständen durchsucht, die er nicht dabeihaben darf. „Da er minderjährig ist, hat er die Möglichkeit, die Sachen vor Ort zu entsorgen“, erklärt Kaleda. Die Alternative sei eine Sicherstellung durch das Ordnungsamt.

Mit steigendem Alkoholpegel wächst auch die Aggression unter den Jecken. Nach einer Durchsuchung beginnt ein junger Mann, ein Mitglied des Teams zu beleidigen. „Wir erleben häufiger solche Solidarisierungseffekte“, erklärt Kaleda. Gemeint seien Angehörige oder Freunde, die die Maßnahmen kommentieren oder stören. „Deshalb sind wir an Karneval mit entsprechend vielen Kollegen unterwegs, um unsere Einsätze abzusichern.“ Die Beamten übergeben den Jugendlichen der Polizei; er wird wegen Beleidigung angezeigt.

Aggressivität nicht höher als sonst

Durch das Regenwetter ist in dem sonst so feierwütigen Veedel deutlich weniger los als in den vergangenen Jahren. Trotzdem kommt es zwischenzeitlich zu chaotischen Szenen: Während die Polizei die Anzeige gegen den Jugendlichen aufnimmt, wird ein weiterer bewusstlos von Rettungskräften auf einer Trage weggebracht, viele schreien im Rausch herum. „Im Hauptgetümmel ist es immer so chaotisch“, erzählt Kaleda. „Die Aggressivität ist aber nicht höher als in den vergangenen Jahren.“

Allerdings lässt nicht jeder die Kontrollen über sich ergehen. Als das Team einen augenscheinlich minderjährigen Jungen durchsuchen möchte, nimmt er die Beine in die Hand und rennt davon. „Das passiert hin und wieder“, sagt Kaleda. Das Ordnungsamt ist mit mehreren Teams im Veedel unterwegs. Weit kommt der junge Mann also nicht: „Um die Ecke, in die er gelaufen ist, steht schon das nächste Team.“