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Kommentar zum 1. FC Köln
Warum das Glas halb voll und nicht halb leer ist

Ein Kommentar von
3 min
ARCHIV - 01.01.2021, Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC - 1. FC Köln, 15. Spieltag, Olympiastadion, Kölns Trainer Steffen Baumgart hält sich zum Spielende die Hand vors Gesicht.

Kölns Trainer Steffen Baumgart 

Die Situation, in die der FC im November 2022 geraten ist, war inklusive der im Profisport handelsüblichen Verletzungsausfälle vorhersehbar – und dennoch kaum zu verhindern. Ein Kommentar

15 Spiele, 17 Punkte, Platz 13: Der 1. FC Köln ist in der Saison 2022/23 an einem Punkt angelangt, an dem sich die Frage nach dem halb leeren oder halb vollen Glas geradezu aufdrängt. Die Pessimisten sind ob der jüngsten Ergebniskrise und der Ankunft im Abstiegskampf von großen Sorgen umgeben, dass ihr Herzensclub über seinen Verhältnissen gespielt hat und nun der wahre Kern des Leistungsvermögens der jungen Mannschaft zum Vorschein kommt. Die Optimisten mit Vertrauen in die Arbeit der neuen Geschäftsführung und das Trainerteam sprechen dagegen von einem wichtigen Jahr des Umbruchs und halten Ausschau nach Gründen und Lösungen für die aktuellen Probleme.

Diese Gründe sind relativ schnell ausgeguckt. 24 Spiele in 100 Tagen sind schon für ein Team kompliziert, dass sich mit derartigen Belastungen auskennt. Den Kölnern fehlen dagegen die Erfahrungen im Umgang mit der Tretmühle des Fußball-Showgeschäfts, das mit der Winter-WM neue, unerträgliche Dimensionen erreicht hat.

Der FC musste deshalb nach dem bitteren Europapokal-Aus gegen Nizza in der letzten Pflichtspielwoche des Jahres erkennen, dass seine körperlichen und mentalen Ressourcen in einem Maße aufgebraucht waren, dass Konzentration und Glaube an die Sache ein entscheidendes Stück weit verloren gegangen waren. Die Kurve der individuellen Fehler ging stetig nach oben. Selbst Steffen Baumgart ließ kurz Zweifel an seiner Spielidee zu. Das will bei der ansonsten so klaren Arbeit des Trainers etwas heißen.

FC muss in der WM-Pause die Offensive verstärken

Die Situation, in die der FC im November 2022 geraten ist, war inklusive der im Profisport handelsüblichen Verletzungsausfälle vorhersehbar – und dennoch kaum zu verhindern. Denn den Kölnern waren und sind finanziell die Hände gebunden, um im Vorfeld angemessen auf die Belastungen reagieren zu können. Was die Offensive betrifft, muss der FC in der Winterpause trotzdem nachrüsten. Das Wesen des Spiels bleibt das Erzielen von Toren und in diesem Segment weisen die Kölner Defizite auf. Steffen Tigges und vor allem Sargis Adamyan sind bislang hinter der Erwartungen zurückgeblieben. Florian Dietz fällt verletzt noch lange aus.

Dennoch ist das FC-Glas halb voll. Die Geißböcke haben auch in dieser Saison hinlänglich bewiesen, wozu sie als Kollektiv unter halbwegs normalen Umständen im Stande sind. Nach der langen Pause werden die körperlichen und mentalen Akkus wieder so aufgeladen sein, dass neben wichtigen Spielern wie Mark Uth und Dejan Ljubicic auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten zurückkehrt. Es sind zwar nur noch drei Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16, Rang sieben und damit das Ergebnis der Vorsaison ist aber auch nur sechs Zähler entfernt.