Dortmund – Wer das Ergebnis noch nicht kannte und nach dem Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln einen Blick auf die ballrelevanten Statistiken werfen durfte, konnte eigentlich nur zu einem Schluss kommen. 21:8-Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, 83 Prozent Passquote: Die Dominanz des FC vor knapp 67 000 Zuschauern im Signal Iduna Park war wirklich nicht von der Hand zu weisen. Das Ergebnis kehrte die Statistiken allerdings um, denn im Fußball entscheidet am Ende immer noch die Anzahl der erzielten Tore. So holte der BVB am Samstag mit dem 2:0 (1:0) den sechsten Sieg im sechsten Heimspiel der Saison 2021/22 und blieb zudem am zehnten Spieltag erstmals ohne Gegentor. Der FC hingegen hatte beim Tabellenzweiten einen weiteren bemerkenswerten Auftritt unter seinem neuen Trainer Steffen Baumgart hingelegt, aber eben auch einen brotlosen.
„Es war ein gutes Spiel mit einem schlechten Ergebnis“, fasste FC-Sportchef Jörg Jakobs die 90 Minuten treffend zusammen. Es spielte keine Rolle, wen man an diesem Nachmittag im Kölner Lager nach seinen Eindrücken der Partie fragte, die Aussagen ähnelten alle der von Jakobs und die Enttäuschung klang immer mit. „Wir hätten gewinnen können. Dortmund war nicht unschlagbar. Aber so ist das im Fußball: Du kannst die besten Statistiken haben, wenn du kein Tor schießt, gewinnst du nicht“, sagte etwa Spielmacher Ondrej Duda. Bei Kapitän Jonas Hector hörte es sich nicht viel anders an: „Dortmund hat zwei Tore gemacht und wir keins – das ist eine einfache Rechnung. Gefährlich waren wir, aber nicht konsequent. Es hat immer ein Pass gefehlt, um noch bessere Chancen herauszuspielen, oder uns hat im Abschluss die Konsequenz gefehlt, um das Tor zu machen.“
„Die Jungs haben ein gutes Spiel gemacht"
Dabei war Baumgarts Plan, den Dortmundern und seinem Trainer-Freund Marco Rose beizukommen, voll aufgegangen. „Die Jungs haben ein gutes Spiel gemacht. Es hat vieles geklappt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der 49-Jährige, sah dabei aber nicht wirklich zufrieden aus. Baumgart hasst es eben zu verlieren, daraus hat er noch nie ein Geheimnis gemacht.
Für den FC-Trainer gab es auch Grund unzufrieden zu sein, denn die Niederlage war nicht zufällig zustande gekommen. Auf der einen Seite fehlte den Kölnern in den gefährlichen Räumen die Zielstrebigkeit und Präzision. Mit Ausnahme des 50-Meter-Schusses, mit dem Duda beinahe den zu weit vor seinem Tor postierten BVB-Keeper Gregor Kobel überrascht hätte (20.), fehlte den vielen Kölner Abschlüssen die Qualität. Das beste Beispiel gab der glücklose Anthony Modeste ab, der es sechs Mal versuchte, ohne die ganz große Gefahr heraufbeschwören zu können. Auf der anderen Seite leisteten sich die Geißböcke im Gegensatz zu ihren Gastgebern zwei Defensivfehler, die die Borussia eiskalt ausnutzte. Vor dem 1:0 von Thorgan Hazard (40.) war der bis dahin überragende Timo Hübers bei einem langen Ball von Manuel Akanji gegen Julian Brandt nicht im Bilde, dann blieb der Innenverteidiger auch noch gegen Flankengeber Jude Bellingham zu passiv. Das zweite BVB-Tor hatte Benno Schmitz begünstigt, als ihm eine Rückgabe zu Torwart Timo Horn verunglückte. Die daraus resultierende Ecke von Julian Brandt konnte der erst fünf Minuten zuvor eingewechselte Stefan Tigges zu seinem ersten Bundesligatreffer einköpfen, weil Gegenspieler Jan Thielmann dem Dortmunder bei einem Größenunterschied von 15 Zentimetern nicht gewachsen war (63.).
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Ausgerechnet Tigges werden sich die Kölner gedacht haben. Angesichts der im Sommer nicht absehbaren Entwicklung des Sturmduos Modeste und Sebastian Andersson hatte sich der FC intensiv um eine Leihe des 23-Jährigen bemüht. „Sie können ja mal Baumi fragen. Er findet ihn auch ganz gut. Er hat mich im Sommer angerufen und wollte ihn haben“, plauderte Marco Rose aus dem Nähkästchen. „Du hast ihn mir ja nicht gegeben“, frotzelte Baumgart zurück. „Er ist hier am richtigen Ort. Das hat er heute nachgewiesen“, gab Rose zurück und freute sich über seine Entscheidung, den wuchtigen Tigges als Backup für den aktuell verletzten Erling Haaland behalten zu haben. Auch der BVB-Coach vertrat im Übrigen die Meinung, dass die Kölner einen bockstarken Auftritt hingelegt hatten: „Bei allem, was mit Ball passiert ist, war der FC die bessere Mannschaft. Wir waren gezwungen, auf Umschalten zu spielen“, lobte er das Team seines Kumpels. Rose war deshalb „happy über den Sieg“ und verwies auf die Statistiken wie Laufleistung und Zweikampfquote, in denen sein Team knapp die Nase vorn hatte. Und natürlich in der im Fußball wichtigsten – den Toren. „Schöner Fußball ist schön, aber du brauchst auch die Punkte“, sagte Ondrej Duda. Recht hat der Slowake, denn der Abstand des FC auf den von Augsburg besetzten Relegationsplatz beträgt vor dem Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) gegen Union Berlin nur noch vier Zähler.



