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Biomonitoring Zu Besuch bei den Flughafenbienen von Köln/Bonn

flughafenhonig

Auf Schadstoffe geprüft: Der Honig vom Flughafen.

Köln – Im Vergleich zu den Fliegern, die gleich nebenan täglich starten und landen, sind sie winzig klein. Ihre Leistung ist allerdings durchaus vergleichbar. Immerhin legen die rund 200 000 Bienen, die seit 2004 am Flughafen Köln/Bonn leben, weite Strecken zurück, um Nektar und Pollen zu sammeln - und helfen dem Flughafen so dabei, die Qualität von Luft, Boden und Wasser regelmäßig zu kontrollieren. Über den Einsatz von Bienen zum Biomonitoring von Luftschadstoffen informierte sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gestern am Rand der Wahner Heide.

Martin Partsch, Leiter Nachhaltigkeit und Umlandkommunikation am Flughafen, begleitet das Projekt von Anfang an. "Vor etwa zehn Jahren habe ich es ganz von einem Kollegen übernommen", sagt er. Der war Imker und hat Partsch angelernt. Seither kümmert er sich vorrangig allein um die fünf Bienenvölker, die ob der Artenvielfalt auf dem 1000 Hektar großen Flughafen-Areal ohne Zufütterung über den Winter kommen. "Es gibt diverse Bäume, Himbeeren, Heide, den kleinen Thymian und verschiedene Gräser", zählt Partsch auf.

Die Artenvielfalt lobt auch der Landwirtschaftsminister, als es mit dem Bus vom Terminal über die Rollbahn hin zu den Bienen geht. "Das ist eine Biotopstruktur, die bei anderer Nutzung gefährdet wäre", sagt er. Dass sein Flughafen besonders viel Wert auf Ökologie legt, betont Flughafenchef Michael Garvens: "Als Flughafen tragen wir eine besondere Verantwortung für unsere Umwelt." Mit dem Einsatz der Bienen gewinne man wertvolle Erkenntnisse über die Luftqualität. Und die sind durchaus positiv: "Seit Einführung des Verfahrens haben sich noch nie Auffälligkeiten gegenüber Vergleichsproben von flughafenfernen Standorten ergeben", so Garvens.

Flughafenbienen

Flughafenchef Michael Garvens (von links) zeigt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Karsten Möring die Honigwaben.

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2004 gehörten die Köln/Bonner mit Hamburg und Nürnberg zu den ersten deutschen Flughäfen, die das Biomonitoring mit Bienen eingeführt haben. "Inzwischen sind es acht Flughäfen", berichtet Partsch. Ziel ist es, den Einfluss von Emissionen auf die Umwelt zu untersuchen. Als Sammlerin ist die Biene - in Köln sind es Carnica-Bienen - in der Nachbarschaft unterwegs und nimmt über Luft, Wasser und Pflanzen Schadstoffe auf. Ihr Honig, den Partsch in der Terminalküche schleudert, ist dann Indikator für die Qualität der Luft. Ein Labor, das auf Umweltanalytik spezialisiert ist, untersucht die Honigproben einmal im Jahr auf Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle. "Unser Honig ist top", so Garvens. Das bestätigt auch die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau. "Dieser Honig erfüllt die Anforderungen der deutschen Honigverordnung und des Deutschen Imkerbundes", ist auf den Gläsern zu lesen.

Kein Verkauf

Frei zu kaufen gibt es sie allerdings nicht, der Honig wird an Gäste verschenkt und kann von Mitarbeitern erworben werden. Partsch kann zwei Mal pro Jahr "ernten". 80 bis 100 Kilogramm Airport-Honig produziert er, das sind zwischen 200 und 300 Gläser. Schmidt nennt das Biomonitoring in Köln/Bonn ein gutes Beispiel dafür, wie der Verantwortung für eine möglichst hohe Umweltverträglichkeit des Flugbetriebs Rechnung getragen werden könne.