Im Süden Portugals wächst ein Projekt, das es in Europa noch nicht gibt: Ein weitläufiges Reservat soll ehemaligen Zoo- und Zirkuselefanten ein Leben in Freiheit ermöglichen. Ohne Shows, ohne Publikum – dafür mit Raum, Ruhe und Würde.
Neues Leben für ZootiereHier entsteht Europas erster Zufluchtsort für Elefanten

Ein Elefantenbaby in einem deutschen Zoo (Archivbild)
Copyright: Boris Roessler/dpa
Ein Stück Afrika im Herzen Portugals. Zwischen den weiten Hügeln der Alentejo-Region, rund 200 Kilometer südöstlich von Lissabon, entsteht ein Projekt, das es in Europa bislang nicht gibt: ein großflächiges Schutzgebiet für Elefanten, die ihr Leben in Zoos oder Zirkussen verbracht haben. Zwischen den Gemeinden Vila Viçosa und Alandroal, inmitten einer Landschaft aus Eichenhainen, Wiesen und Wasserläufen, sollen bald die ersten Dickhäuter frei herumlaufen.

Sanfte Hügel, weite Wiesen auf 400 Hektar: das neue Pangea-Elefantenreservat in Portugal.
Copyright: Pangea
Die britisch-portugiesische Tierschutzbewegung Pangea hat das 400 Hektar (etwa 400 Fußballfelder) große Gelände im Jahr 2023 erworben und baut dort derzeit Ställe, Zäune und Freiflächen. Anfang des Jahres sollen die ersten Elefanten eintreffen. Es ist das erste großangelegte Elefantenschutzgebiet Europas; langfristig soll das Reservat auf bis zu 1000 Hektar erweitert werden.
Ein Leben in Würde für gefangene Tiere
Man wolle Elefanten, die in Gefangenschaft waren, ein neues Leben in Würde ermöglichen, sagt Pangea-Direktorin Kate Moore. Rund 600 Elefanten leben derzeit in Europa in Gefangenschaft, viele davon allein, auf Betonböden oder in kleinen Gehegen in Tierparks oder Zirkusunternehmen. Deutschland zählt zu den wenigen EU-Ländern, in denen Wildtiere im Zirkus nach wie vor erlaubt sind.
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Die erste Bewohnerin des portugiesischen Tierreservats wird Kariba sein, eine afrikanische Elefantenkuh aus einem Tierpark in Belgien.
Copyright: Pakawi Park
Die erste Bewohnerin des portugiesischen Tierreservats steht bereits fest: Kariba, eine afrikanische Elefantenkuh, geboren 1985 im afrikanischen Simbabwe. Nachdem ihre Herde von Jägern getötet worden war, fing man Kariba ein und brachte sie zunächst nach Deutschland. Die letzten Jahrzehnte lebte sie dann in unterschiedlichen europäischen Zoos. 2012 zog Kariba in den belgischen Pakawi Tierpark, wo sie mit Jenny, einer ehemaligen Zirkuselefantenkuh, zusammenlebte. Doch nach Jennys Tod im Jahr 2022 blieb Kariba allein zurück. „Wir haben uns lange um Kariba gekümmert, aber wir konnten sie nicht länger allein sehen“, berichtet Pakawi-Chef Tommy Pasteels. Deshalb soll Kariba, die inzwischen 40 Jahre alt ist und noch eine Lebenserwartung von rund zehn bis 20 Jahren hat, Anfang 2026 in das neue Pangea-Schutzgebiet in Portugal umziehen.
Elefantenschutz: Spenden machen es möglich
Finanziert wird das neue Elefantenparadies durch Spenden und Stiftungen. Unter den Förderern befinden sich auch die Tierschutzstiftung der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot, die britische Born Free Foundation, die für die Schließung von Zoos und Zirkussen eintritt, sowie die große internationale Bewegung World Animal Protection. Die Kommunen Vila Viçosa und Alandroal, auf denen sich das Gebiet befindet und Portugals Regierung unterstützen das Vorhaben ebenfalls über ihre Naturschutzbehörden.
„Dies ist ein Projekt, auf das wir stolz sein können – eine europaweit wegweisende Initiative, die nicht nur dem Wohlergehen der Elefanten dient, sondern auch unseren Gemeinden“, sagt Inácio Esperança, der Bürgermeister von Vila Viçosa. Der Standort im Süden des Landes wurde nach einer europaweiten Machbarkeitsstudie ausgewählt. Das Klima dort ist mild und erinnert in den Sommermonaten an afrikanische Savannen. Das Gelände ist weitläufig, das Wasserangebot ausreichend. Außerdem liegt das Gebiet abseits großer Städte, was Ruhe garantiert.
In den USA oder Brasilien existieren bereits große Elefantenschutzgebiete mit ähnlichem Konzept. In Europa gibt es bislang nur kleinere Initiativen, wie das französische Projekt „Elephant Haven“: Ein ehemaliger Bauernhof in der Region Nouvelle-Aquitaine, der als Altersruhesitz für Zoo- und Zirkuselefanten gegründet wurde.
Das Konzept des neuen Elefantenreservats in Portugal unterscheidet sich deutlich von einem Zoo: keine Besuchertribünen, keine Vorführungen. Stattdessen weite Flächen, Wasserstellen, Schattenbäume und Rückzugsorte. Die Tiere sollen sich frei bewegen, baden, fressen und soziale Kontakte untereinander pflegen können. Nur an wenigen Tagen im Jahr sollen Publikumsbesuche möglich sein. Einen Massenauftrieb soll es aber nicht geben.
Für die breite Öffentlichkeit wird eine digitale Plattform mit Live-Kameras und Lernangeboten entstehen. Für die Pangea-Tierschützer ist das Ziel klar: Nach Jahrzehnten in Gefangenschaft sollen Dickhäuter, die ihr Leben lang vorgeführt wurden, einen Zufluchtsort haben, an dem sie ein möglichst natürliches Leben führen können.

