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ErmittlungenRyanair-Manager sollen zum Lohnbetrug angestiftet haben

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Ryanair

Symbolbild

Koblenz – Von Köln nach London für unter 100 Euro? Solche billigen Angebote der irischen Fluggesellschaft Ryanair werfen Fragen auf. Seit Jahren steht die Gesellschaft wegen ihrer Personalpolitik in der Kritik. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Anstiftung zum Lohnbetrug und der Lohnsteuerhinterziehung zum ersten Mal gegen Mitarbeiter der Airline. Ein Personaldienstleister hatte die Verträge, die ihm vorgelegt wurden, der Staatsanwaltschaft übergeben. In mehreren europäischen Ländern ermitteln Behörden wegen Schwarzarbeit, Sozialbetrug und Ähnlichem gegen Verantwortliche der Airline. Stets geht es dabei um Verträge mit Personaldienstleistern. Ryanair weist die Vorwürfe zurück.

In Frankreich schon verurteilt

Dem Personaldienstleister, der sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hat, habe Ryanair drei bestimmte Buchhaltungsunternehmen "vorgeschlagen". Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass sie gegen vier Mitarbeiter der Fluggesellschaft ermittelt. In Frankreich hatte ein Gericht Ryanair schon 2014 wegen Schwarzarbeit zu 8,1 Millionen Euro Schadenersatz und einer Geldstrafe von 200 000 Euro verurteilt. Ein weiteres Verfahren in Aix-en-Provence läuft. Der Vorwurf ist jedes Mal ähnlich: Es dreht sich um die vermutete Scheinselbstständigkeit eines großen Teils der rund 3500 Piloten. Diese sind oft nicht bei Ryanair direkt angestellt, sondern schließen Verträge mit Personaldienstleistern. Ryanair betont in einer Stellungnahme, das Unternehmen sei selbst nicht Gegenstand der Ermittlungen. Dort heißt es: "Ryanair unterstützt die Staatsanwaltschaft Koblenz uneingeschränkt bei ihren Nachforschungen zu einer geringen Anzahl an Vertragspiloten ("Contractor Pilots"), die ihre Sozialversicherungs- / Steuerabgaben möglicherweise nicht richtig berechnet haben."

Die deutsche Pilotengewerkschaft Cockpit kritisiert die Verträge der Gesellschaft seit Langem. Im Herbst sagte sie zum Umgang mit den Mitarbeitern: "Neue Ryanairverträge sind modernes Sklaventum".

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Ryanair: Praktiken seien vollkommen legal

Als Gründe führt sie an, dass die Verträge nach irischem Recht geschlossen würden. Doch auch auf der grünen Insel gibt es Kündigungsschutz, den die Verträge offenbar nicht berücksichtigen. Weiterhin sagt die Pilotengewerkschaft: "Im Krankheitsfalle muss die entfallene Arbeitszeit nachgearbeitet werden, um nicht auf Gehalt zu verzichten." Außerdem nehme sich das Unternehmen das Recht, jederzeit Zwangsurlaub ohne Bezahlung anzuordnen.

Ryanair betont, die Praktiken seien nicht "falsch" und vollständig legal. Piloten könnten bis zu "170 000 Euro pro Jahr verdienen, bei Flugzeiten von unter 18 Stunden pro Woche und mit Dienstplänen, die nach fünf Arbeitstagen vier freie Tage vorsehen. Sie genießen außerdem jährliche Lohnerhöhungen und unübertroffene Arbeitsplatzsicherheit."

Lufthansa-Piloten erhalten nach zehn Berufsjahren gut 188 000 Euro jährlich. Gegenüber einem Rechercheverbund von WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" teilte Ryanair mit, man wisse nichts von Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Unternehmens. Außerdem halte man sich an deutsche und irische Steuervorschriften. Das gleiche gelte für Sozialabgaben. Ryanair ist, gemessen an den Passagierzahlen, die größte Airline Europas. Das niederländische Portal Flughafendetails.de zählte für 2016 116,8 Millionen Passagiere bei den Iren.

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