Sicherheitskontrollen sind ein Nadelöhr auf dem Flug in den Urlaub oder zum Geschäftstermin. Lange Warteschlangen sollen in Köln/Bonn aber der Vergangenheit angehören.
SicherheitskontrollenMehr Komfort für Fluggäste am Flughafen Köln/Bonn - weniger Jobs

Der Flughafen Köln/Bonn modernisiert bis zum Sommer die Personmenkontrollen.
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Für 25 Millionen Euro baut der Flughafen Köln/Bonn gerade die Kontrollstrecken um. Die Abläufe würden komfortabler, versprach Flughafen-Chef Thilo Schmid zu Beginn der Arbeiten. Neue Scanner ermöglichen, dass Passagiere Flüssigkeiten und elektronische Geräte wie Laptops nicht mehr aus dem Handgepäck holen müssen. An den neuen Spuren können mehrere Fluggäste gleichzeitig ihr Gepäck auflegen. Der Flughafen trägt seit Anfang 2025 die Verantwortung für Organisation und Qualität der Kontrollen und hat neue Geräte angeschafft.
Und statt bislang 18 Kontrollspuren wird es künftig nur noch 11 geben. An jeder arbeiten dann 8 Mitarbeitende statt bislang 6. An den neuen Spuren ließen sich die Kontrollen dank der modernen Technik viel schneller durchführen, sagt Jonas Timm, Pressesprecher des Sicherheitsunternehmens Securitas, sich in einer Ausschreibung durchgesetzt und den Auftrag für die Kontrollen erhalten hat.
Doppelt so hohe Kapazität an den neuen Kontrollspuren
Das Unternehmen hat Erfahrung an den neuen Spuren. Die gibt es bereits in Frankfurt und Berlin, wo Securitas schon im Auftrag der Flughafenbetreiber tätig ist. Laut Timm verdoppelt sich die Kapazität an den neuen Spuren, an denen bislang nur etwa 100 Passagieren pro Stunde pro Spur kontrolliert werden können.
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Das hat Folgen. Weil der Flughafen weniger Kontrollkapazitäten anfordere, reduziere Securitas das Personal, so Özay Tarim, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Bis zu 200 Mitarbeitende könnten ihren Job in Köln/Bonn verlieren. Derzeit arbeiten bei Securitas dort rund 600 Mitarbeitende. Dass Stellen wegfallen, bestätigt auch Timm. Er geht aber von viel geringeren Zahlen aus. „Einige Dutzend Mitarbeitende müssen den Standort verlassen“, sagt Timm. Er geht davon aus, dass die Zahl zweistellig bleibt. Allerdings würden auch die Verträge von rund 50 befristet Beschäftigten auslaufen.
Securitas bietet Abfindungen an
Securitas hat ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitenden in Köln/Bonn aufgelegt und mit dem Betriebsrat vereinbart. Mitarbeitende könnten an andere der insgesamt 90 deutschen Standorte des Unternehmens wechseln, darunter Flughäfen in acht deutschen Städten. Zudem unterstütze Securitas den Wechsel durch Prämien.
Auch erhalten Mitarbeitende Abfindungen bei einem freiwilligen Ausscheiden. Die richten sich nach dem Entgelt und der Betriebszugehörigkeit. Menschen mit Einschränkungen oder Versorgungsverpflichtungen bekommen einen Bonus, auch eine Sprinterprämie für Schnellentschlossene kann laut Timm gezahlt werden. „Es gibt eine hohe Bereitschaft, das Freiwilligenprogramm in Anspruch zu nehmen“, so Timm. Ziel sei ein Stellenabbau „so sozialverträglich wie möglich“. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden.
Stellenabbau soll im Sommer abgeschlssen sein
Bei dem Programm gibt es eine doppelte Freiwilligkeit. Kein Mitarbeitender wird zur Annahme verpflichtet, Securitas muss aber auch nicht jeden Wunsch, das Unternehmen gegen Abfindung zu verlassen, akzeptieren. Securitas setzt außerdem auf die natürliche Fluktuation, also das Ausscheiden von Mitarbeitenden, weil sie etwa eine Stelle bei einem anderen Unternehmen annehmen. Darüber hinaus schlägt Securitas eine Arbeitszeitreduzierung vor. Derzeit gebe es dazu konstruktive Gespräche mit dem Betriebsrat im Rahmen üblicher Verhandlungen über den Dienstplan, so Timm.
Eine konkrete Zahl, wie viele Mitarbeitende in Köln/Bonn den Standort verlassen müssten, könne man daher nicht angeben, so Timm. Aber zum geplanten Ende der Umbauarbeiten an den Kontrollspuren im Sommer soll auch der Stellenabbau abgeschlossen sein.
Gewerkschaftssekretär Tarim kritisiert die Stellenstreichungen
Gewerkschaftssekretär Tarim kritisiert eine zögernde Information der Mitarbeitenden durch Securitas. Die seien verunsichert, weil sie den Umfang der Streichungen nicht einschätzen könnten. Ihn stört auch, dass Kostendruck weitergegeben werde. Der Flugverkehr in Deutschland entwickelt sich schwächer als in anderen Ländern. Ein Grund dafür sind Abgaben und Gebühren. Die senke der Flughafen teils dadurch, dass er weniger Personal für die Kontrollen anfordere. Generell findet er, dass Sicherheitskontrolle in der Hand des Staates bleiben solle.
Timm verweist dagegen darauf, dass eine sinkende Belastung bei Gebühren und Abgaben den Flugverkehr ankurbeln könnte. Dann wären eventuell auch wieder mehr Mitarbeitende für die Kontrollen erforderlich und es könnten neue Stellen entstehen.


