Angesichts des nach wie vor schwachen Marktumfeldes legt der Klner Spezialchemie-Konzern Lanxess ein neues Sparpaket auf. Das kostet auch Jobs.
Kölner KonzernLanxess streicht 550 Stellen

Von Köln-Deutz aus steuert Lanxess die weltweiten Geschäfte.
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Lanxess-Chef Matthias Zachert kündigte bei der Bilanzvorlage am Donnerstag die Streichung von 550 Stellen an. Rund zwei Drittel davon sollen in Deutschland entfallen, vor allem in der Verwaltung. Die ist in Köln sowie in Leverkusen konzentriert. Ende des abgelaufenen Jahres hatte Lanxess noch 11.709 (2024: 12.338) Mitarbeitende. Erfolgen solle der Abbau möglichst sozialverträglich.
Damit sind betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Zachert verwies aber darauf, dass Lanxess in den 20 Jahren des Bestehens noch nie betriebsbedingt gekündigt habe. Lanxess will durch diese Maßnahme sowie durch Kostendisziplin auf allen Ebenen bis Ende 2028 weitere 100 Millionen pro Jahr dauerhaft einsparen. Auch hat Lanxess für Tarifmitarbeitende die 35-Stunden-Woche mit entsprechenden Lohnkürzungen eingeführt. Diese Maßnahme sei im Februar gestartet worden und solle auf Jahressicht Kosten von 20 Millionen Euro einsparen. Im Management und außertariflichen Bereich gibt es laut Zachert eine Nullrunde bei den Fixgehältern.
Chemie-Industrie in schwieriger Lage
Lanxess hatte bereits im August Einsparungen im Produktionsnetzwerk angekündigt, die pro Jahr die Kosten dauerhaft um 50 Millionen senken sollen. Damit ergeben sich bis Ende 2028 insgesamt Einsparungen von 150 Millionen. Die Programme ergänzen frühere Maßnahmen, durch die bereits seit Ende 2025 dauerhaft ebenfalls 150 Millionen pro Jahr gespart werden.
Zachert verwies auf die schwierige Lage der chemischen Industrie in Deutschland und Europa. Schwierige Wettbewerbsbedingungen, Nachfrageschwäche, eine Produktschwemme aus Asien - auch aufgrund der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump - sowie die geopolitischen Spannungen mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten hätten zusammen einen perfekten Sturm ergeben.
Auslastung liegt bei 65 Prozent
Die Auslastung der chemischen Industrie sei laut früheren Angaben des Branchenverbands VCI auf etwa 70 Prozent gesunken statt der üblichen 85 Prozent. Die Auslastung von Lanxess gab Zachert mit durchschnittlich 65 Prozent im abgelaufenen Jahr an. Zum Jahresende habe sie darunter gelegen. Da müsse die Industrie restrukturieren und auch Anlagen und Standorte schließen. Optimierungen gebe es ständig bei Lanxess, ergänzte Zachert. Standortschließungen habe Lanxess aber nicht zu kommunizieren.
Der Umsatz von Lanxess sank um 10,9 Prozent auf 5,67 Milliarden. Neben der schwachen Nachfrage mit geringerem Absatz hätten auch der Preisdruck zu einer Senkung der Verkaufspreise geführt. Beim Umsatz fehlt der Beitrag aus dem Urethane-Geschäft, das veräußert worden war. Auch drückten negative Währungseffekte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereffekten sank um 16,9 Prozent auf 510 Millionen. Das Konzernergebnis ging von - 177 Millionen im Vorjahr auf -577 Millionen zurück. Die Dividende will der Spezialchemiekonzern mit 10 Eurocent stabil halten.
Besserung frühestens in 2. Jahreshälfte
Bei den Segmenten ging der Umsatz im Bereich Schutzprodukte um 9,2 Prozent auf 1,89 Milliarden zurück. Das Ebitda lag mit 290 Millionen knapp über dem Vorjahreswert. Im Bereich Additive — etwa für Schmierstoffe — lag der Umsatz 6,9 Prozent unter dem Vorjahreswert bei 2,06 Milliarden. Das Ebitda sank um 11,5 Prozent auf 227 Millionen. Und im Bereich Zwischenprodukte, der vor allem in Deutschland angesiedelt ist, ging der Umsatz um 8,4 Prozent zurück auf 1,65 Milliarden, das Ebitda vor Sondereinflüssen sank um 39 Prozent auf 128 Millionen.
Der Blick nach vorne ist nicht sonderlich optimistisch. Die geopolitischen Spannungen hielten an, so Zachert. Die Wechselkurse seien weiter nachteilig für Lanxess. Und Impulse aus dem deutschen Sondervermögen erwartet der Lanxess-Chef „frühestens“ in der zweiten Jahreshälfte. Vor diesem Hintergrund erwartet er ein Ebitda vor Sondereffekten zwischen 450 und 550 Millionen.
Strategisch sei Lanxess vorangekommen. Mit dem Verkauf des Urethane-Geschäfts hat sich Lanxess vom letzten Kunststoffgeschäft getrennt. Der Verkaufserlös sei zur Reduzierung der Schulden um 15 Prozent auf 2,02 Milliarden genutzt worden. Eine weitere erhoffte Reduzierung lässt aber auf sich warten. Advent, mit dem Lanxess ein Kunststoff-Gemeinschaftsunternehmen betreibt, übernahm den Lanxess-Anteil noch nicht. Dies geschehe aber spätestens 2028, so Zachert.
