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Kommentar

Öffentlicher Dienst
Selten war der Zeitpunkt für einen Streik so schlecht

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Köln: Eine mit Streik-Plakaten beklebte Straßenbahn der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) steht vor dem Bahndepot.

Köln: Eine mit Streik-Plakaten beklebte Straßenbahn der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) steht vor dem Bahndepot.

Dieser Streik im öffentlichen Dienst kommt zur Unzeit und dürfte die Beschäftigten und ihre Anliegen viel Rückhalt in der Bevölkerung kosten.

Während das Land wegen des harten Winters ohnehin in Teilen lahmgelegt ist, fahren jetzt nicht einmal mehr Busse und Co.

Öffentliche Daseinsvorsorge muss sich jetzt bewähren

Gerade jetzt, wo die öffentliche Daseinsvorsorge sich bewähren muss, lässt sie sozusagen die Menschen im Stich, die zur Arbeit müssen und die mit ihren Steuern die Gehälter von Winterdiensten und Co. bezahlen? Streiken ist ein Grundrecht und das sollte es bleiben, umso mehr gilt aber Sensibilität bei seinem Gebrauch. Selten war der Zeitpunkt dafür so schlecht gewählt wie jetzt. Außerdem fordern die Gewerkschaften das volle Programm an Verbesserungen, als wäre bisher nichts gewesen.

Keine Wirtschaftsflaute, keine ächzenden öffentlichen Haushalte, keine steigenden Arbeitslosenzahlen. Die Antwort von Verdi und Co.: 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, sieben Prozent mehr Lohn oder mindestens 300 Euro mehr im Monat, mehr Urlaub, mehr Urlaubsgeld …

Die Haushalte von Ländern und Kommunen steuern auf den finanziellen Kollaps zu, auch weil steigende Personalkosten und Betriebsrenten immer mehr Mittel binden. Der historisch hohe Tarifabschluss 2023 mit Mehrkosten von 17 Milliarden Euro wirkt noch nach.

Für den Arbeitskampf braucht es auch die passenden UmständeWer sich einen funktionierenden Staat wünscht, muss für attraktive Arbeitsbedingungen für sein Personal sorgen. Einverstanden.

Aber gerade fehlt es den Gewerkschaften am nötigen Fingerspitzengefühl für die Lage, in der sie zum Arbeitskampf aufrufen.