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Schutz für SeniorenAngst vor Überfall

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Wer unsicher wirkt, kann gerade deshalb zum Opfer werden.

Die Gefahren scheinen immer weiter zuzunehmen: Im Jahr 2011 stieg in NRW die Zahl der gemeldeten Taschendiebstähle um ganze 12 000 Fälle auf mehr als 52 000 - eine Zunahme von 29 Prozent. Mit den verschiedenen Varianten des "Enkeltricks" sollen 2010 allein in Nordrhein-Westfalen 5,7 Millionen Euro erbeutet worden sein - und das sind nur die angezeigten Fälle, bei der Polizei rechnet man damit, dass sich viele Betroffene aus Scham nicht melden. Bei der Landespolizeidirektion Karlsruhe gibt es inzwischen die erste Ermittlungsgruppe, die den Strukturen der Enkeltrick-Banden bundesweit nachspürt, aber auch andere Landesbehörden haben Arbeitsgruppen, um dem Problem beizukommen. Die Polizei Köln hat eine Ermittlungsgruppe für Köln und Leverkusen.

Der Eindruck: Senioren sollten sich offenbar vorsehen - und das tun viele von ihnen auch. "Die Verunsicherung ist sehr groß. Viele gehen abends, in der Dunkelheit, gar nicht mehr vor die Tür. Gerade im Moment ist das eine echte Einschränkung", sagt Manfred Wegner, Sprecher der Seniorenvertretung der Stadt Köln.

Mit dem Veedelspolizist kann die Polizei nicht dienen

Am Seniorentelefon der Polizei Köln bekommen Anrufer Hinweise darauf, mit welchen Tricks Betrüger aktuell in Köln und Leverkusen arbeiten. Freitags von 8 bis 12 Uhr berät Uwe Bredthauer persönlich. 0221/229 22 99

Seniorennetzwerke in Köln: www.seniorennetzwerke-koeln.de

Seniorenvertretungen in NRW: www.lsv-nrw.de

Der Weiße Ring hilft Opfern von Kriminalität. Die bundesweite Rufnummer (kostenfrei) ist 116 006

Zuletzt im Mai hatten sich die Seniorenvertreter zum Gespräch mit dem Polizeipräsidenten getroffen. Die Wünsche der Älteren nach mehr Schutz seien wie immer auf "viel Wohlwollen" gestoßen, so Wegner. Der Bitte, die Straßen durch die Wiedereinführung von Fußstreifen oder gar des guten, alten Veedelspolizisten wieder sicherer zu machen - wenn auch womöglich nur subjektiv - wird die Polizei allerdings kaum entsprechen können: Dazu fehle das Personal, so die Begründung gegenüber den Seniorenvertretern.

Beamte, die sich um Prävention kümmern - also darum, zu verhindern, dass überhaupt Menschen zu Opfern werden - hat die Behörde jedoch durchaus. Kriminalhauptkommissar Uwe Bredthauer berät seit zehn Jahren speziell Senioren, wie sie sich schützen können. Die Ängste der Älteren kennt er gut: "Die Kriminalitätsfurcht ist sehr, sehr hoch", sagt Bredthauer, allerdings: "Sie ist viel höher, als sie sein müsste." Tatsächlich seien nur fünf Prozent der Gewaltopfer Senioren, Jüngere seien in den meisten Fällen nicht nur Täter, sondern auch weit häufiger Opfer von Gewalt.

Wie oft speziell Senioren zu Opfern von Kriminalität werden, sei letztlich schwer zu sagen: Die Polizei-Statistiken erfassen das Alter der Betroffenen nicht. Und der Winter als dunkle Jahreszeit ist schon ein Thema für die Polizei, allerdings eher, was Wohnungseinbrüche angeht.

Opfer von Tricksereien sollen sich unbedingt melden

Ein Delikt, das tatsächlich vor allem Senioren betrifft, sind Betrügereien an der Haustür und die Varianten des "Enkeltricks". Denn: Senioren sind zu Hause - und öffnen die Tür. "Das scheint eine Generationsfrage zu sein", sagt Uwe Bredthauer. "Meine Kinder machen die Tür nicht mehr auf. Meine Eltern hätten es aber als extrem unhöflich empfunden, das nicht zu tun." Er bittet Opfer von Tricksereien geradezu inständig, sich zu melden: "Egal, ob man nur angerufen wurde oder bereits Geld gezahlt hat: Immer die Polizei einschalten! Wir belächeln niemanden, kommen gerne und freuen uns über Hinweise!"

Geschichten von Menschen, die auf Enkeltricks hereingefallen sind, kennt auch Manfred Wegner zur Genüge: "Das wird seit Jahren gepredigt, aber es passiert trotzdem immer wieder. Da kann es nicht genug Aufklärung geben." Eigentlich sei es schlimm, den Leuten sagen zu müssen, sie dürften nicht so hilfsbereit sein - "aber das nutzen die Betrüger eben häufig aus." Auch Wegner empfiehlt, lieber die Polizei einzuschalten, wenn man unsicher sei.

Auch von Handtaschenraub - also dem gewaltsamen Diebstahl einer Tasche - sind Senioren recht häufig betroffen: Laut einer älteren Statistik der Polizei NRW waren etwas mehr als die Hälfte der Opfer 60 Jahre und älter.

"Lassen Sie sich Ihre Angst nicht anmerken"

Uwe Bredthauer möchte vor allem eines nicht: Dass Senioren noch ängstlicher werden. Wer sehr unsicher wirke, sich etwa auf der Straße dauernd nervös umschaue, könne gerade deshalb zum Opfer einer Straftat werden. "Lassen Sie sich Ihre Angst möglichst nicht anmerken", rät Bredthauer. Und: Alles Wertvolle, was nicht zwingend gebraucht wird, sollte zu Hause bleiben - liebgewonnene Fotos genau wie die edle Handtasche, zudem reiche eine Kopie des Personalausweises. Der Hausschlüssel gehöre auf gar keinen Fall in die Tasche. Die nämlich, warnt Bredthauer, sollten Betroffene im Ernstfall nicht verteidigen, sondern loslassen - sonst könne es zu schweren Stürzen oder gar Übergriffen des Täters kommen.

Überhaupt hält Bredthauer nichts von Selbstverteidigung für Senioren: "Statt handgreiflich sollten Sie lieber laut werden." Das funktioniert im Zweifel mit einem Schrillalarm, der an einer Handtasche befestigt werden kann. Wer belästigt werde, solle nicht einfach um Hilfe rufen, sondern Passanten gezielt ansprechen, etwa: "Sie da, mit der roten Jacke, helfen Sie mir!" "Dann passiert etwas, hundertprozentig!", sagt Bredthauer.

Manche Senioren sind zu leichtsinnig

Auch Manfred Wegner glaubt nicht an Gegengewalt: "Selbstverteidigung ist eine Frage der körperlichen Konstitution. Selbst wenn sie gesund sind, sind Kraft und Reaktionsfähigkeit bei Älteren aber eingeschränkt." Entsprechende Kursangebote haben die Seniorenvertreter bislang immer abgelehnt, "besser wäre, man würde lernen, wie man sich brenzligen Situationen entzieht", sagt Wegner.

Manchmal, da ist Manfred Wegner kritisch mit seinen Altersgenossen, seien diese aber schlicht leichtsinnig: "Da gibt es Angewohnheiten wie die, am Monatsanfang die ganze Rente vom Konto abzuheben und danach auf dem Markt einkaufen zu gehen. Wenn man dabei beobachtet wird, ist das Portemonnaie schnell weg." Wer höhere Summen abhebe, müsse extrem aufpassen.

Dazu rät auch Uwe Bredthauer: Auf gar keinen Fall, sagt er, sollte das abgehobene Geld etwa vor der Bank nachgezählt werden. Und beim Einkauf im Supermarkt bekomme er regelmäßig "graue Haare", so der Präventionsexperte: "Da wird die Handtasche oben auf den Einkaufswagen gelegt und da auch liegengelassen, während man mal eben zum anderen Regal rübergeht - da ist das Portemonnaie schnell verschwunden." Eine Gewohnheit, die zugegebenermaßen auch viele Jüngere pflegten. Wer sich solche Dinge abgewöhne, könne sich schon viel sicherer fühlen, so Bredthauer.

Gemeinsam sind Senioren sicherer

Gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen, gerade abends, sei jedenfalls keine Lösung, findet auch Manfred Wegner: "Da sollte man, wenn das Geld reicht, nicht am falschen Ende sparen und sich mal ein Taxi gönnen. Oder eine Gruppe von Gleichgesinnten finden, mit der man ins Restaurant, die Oper, das Theater fahren kann."

Gemeinsam sind Senioren sicherer - und geteilt durch viele wird auch das Taxi günstiger. In Köln gibt es schon in vielen Stadtteilen Seniorennetzwerke mit genau dieser Zielsetzung: Gleichgesinnte zusammenbringen - damit auch die dunkle Jahreszeit ihren Schrecken verliert.