Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

FC-Protest vor Heimspiel1. FC Köln setzt alles auf die Gleueler Wiese

5 min
Köln - Grüngürtel

Heiß umstritten: die Gleueler Wiese im Kölner Grüngürtel

Der 1. FC Köln ruft vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Freiburg zu einer Großdemonstration in der Innenstadt auf. Der Verein will den jahrelangen Streit um die Erweiterung des Trainingsgeländes neu beleben - und erklärt, warum der Zeitpunkt kein Zufall ist.

Nachdem Auftaktsieg in Mainz bei der Rückkehr in die 1. Bundesliga spielt der 1. FC Köln am Sonntag sein erstes Heimspiel der Saison im Fußball-Oberhaus. Das Spiel beginnt um 19.30 Uhr im Stadion in Müngersdorf, doch die FC-Fans sind schon Stunden vorher gefragt. Der Club hat zur Demonstration für den Ausbau des Geißbockheims und die umstrittenen Fußballplätze auf der Gleueler Wiese um 14 Uhr auf dem Heumarkt aufgerufen.

1. FC Köln erklärt Notwendigkeit des Ausbaus

Warum der Verein im Wahlkampf-Endspurt das Thema erneut in die Öffentlichkeit drängt, erklärt Geschäftsführer Philipp Türoff. „Wir haben uns dafür entschieden, uns den Mund nicht mehr aus taktischen Gründen zu verbiegen. Die Stadtgesellschaft muss verstehen, was wir hier machen und was wir dafür brauchen.“ Er hebt den Leistungsgedanken hervor und betont, dass Profi-Fußball harte Arbeit und großer Wettbewerb sei. „Die Gleueler Wiese ist mittlerweile ein belastetes Wort. Wir brauchen einfach Kunstrasenplätze, die von der Qualität her die hohen Trainingsansprüche erfüllen. Und diese Plätze müssen fußläufig erreichbar sein, damit die Mädchen und Jungen abends auch in der dunklen Jahreszeit sicher zur Umkleide und den Toiletten gehen können. Ansonsten ist die Idee des Fußball-Campus nachhaltig kompromittiert.“

Kritik an Alternativlösungen für Training

Der Kompromiss der sogenannten Satellitenplätze, die den Erhalt der Gleueler Wiese sichern sollten, widerspreche diesem Gedanken. Der Club und die Eltern der Kinder, müssten die Plätze selbst anfahren. Und an den Plätzen wie am Decksteiner Fort sei die Situation mit Parkplätzen, mit Toiletten und vor allem auch mit der Beleuchtung auf den Wegen unklar, konstatiert Türoff. Der Geschäftsführer betont, dass er von Leistungsmannschaften spricht, die drei- bis viermal die Woche trainieren. Vize-Präsident Carsten Wettich lässt durchblicken, dass die anvisierten Plätze keine Lösung mehr sind. „Bei einem der Plätze ist kein Flutlicht möglich, damit ist er raus.“ Beim anderen sehe der Club nur eine Möglichkeit von rund drei Stunden Trainingsbetrieb am Tag, zudem würde der FC in dieser Zeit auch noch mit dem Breitensport konkurrieren. Das sei keine Lösung.

Politische Neutralität des Vereins

Den Vorwurf der politischen Einflussnahme streitet der FC ab. Wettich, der im Vorstand für wirtschaftliche, strukturelle und rechtliche Fragen zuständig ist, stellt klar: „Als 1. FC Köln sind wir politisch neutral. Wir rufen auf, zur Wahl zu gehen, aber wir geben keine Wahlempfehlung ab.“ Wettich hat die Demonstration für 4000 Teilnehmer als Veranstalter angemeldet, die am Sonntag mit einer Kundgebung auf dem Heumarkt beginnt. „Es soll nicht gegen etwas gehen, sondern eine positive Demo für unsere Position werden.“

Zukunft der Gleueler Wiese unklar

Wie viele FC-Anhänger kommen werden, dürfte auch vom Wetter abhängen. Geschäftsführer Türoff hofft, dass möglichst viele dem Aufruf folgen, erklärt aber auch: „Die Verantwortung für die Demo nehmen wir sehr ernst. Wir sind im direkten Austausch mit den Beteiligten, um zu steuern, dass es friedlich verläuft.“ Wettich hofft auf „einen bunten Marsch vorbei am Rathaus, denn da wird am Ende entschieden.“

Der Club setzt auf eine Entscheidung zum Ende des Jahres, damit es nach mehr als zehn Jahren endlich eine Lösung gibt. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster, das erneut über den von Umweltschützern beklagten Bebauungsplan entscheiden muss, wird zu dieser Zeit erwartet. Bis dahin sollte der neue Stadtrat sich konstituiert haben, ebenso wie ein neues Mehrheitsbündnis. Das Oberbürgermeisteramt sollte ebenfalls neu besetzt sein. Wie dann die Optionen sind, hängt vom Urteil und den Protagonisten ab. Die Positionen der OB-Kandidaten sind weitestgehend klar, die Rundschau berichtete. Nur bei der CDU gibt es das Problem, dass sich OB-Kandidat und Partei im Grundsatz gegenüberstehen. Die CDU wirbt im Programm mit dem Erhalt der Gleueler Wiese, gleichzeitig hat Markus Greitemann den Bebauungsplan inklusive der Felder auf der Gleueler Wiese als Baudezernent mit auf den Weg gebracht.

Geplante Aktionen des 1. FC Köln

In seiner Instagram-Kampagne für die Fußballplätze auf der Gleueler Wiese kündigte der Verein weitere Aktionen an. Die Demonstration und der Zug durch die Innenstadt vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg am Sonntag soll jedoch bereits der Höhepunkt sein. Mehr Pfeiler seien nicht im Köcher.


„Die Partei“ schlägt Bürgerentscheid vor

Kommt ein Bürgerentscheid zum Geißbockheimausbau? Für die letzte Ratssitzung vor der Kommunalwahl am Donnerstag, 4. September, will die Fraktion „Die Partei“ einen Dringlichkeitsantrag stellen, um die Bürger über den Ausbau des Geißbockheims auf der Gleueler Wiese entscheiden zu lassen. Konkret sollen die Kölner Bürgerinnen und Bürger über die Frage abstimmen: „Soll der 1. FC Köln das Geißbockheim am bisherigen Standort erweitern und die Gleueler Wiese mit Sportplätzen bebauen dürfen?“

Die Ratsfraktion fordert, die Entscheidung „in einem transparenten, demokratisch legitimierten und nachhaltigen Verfahren“ zu treffen. Die konkrete Flächenfrage zur Gleueler Wiese binde zu viel Aufmerksamkeit und lenke von wichtigen Themen, wie der Obdachlosigkeit, den Stadtfinanzen und der Situation bei den KVB ab.

„Ein Ratsbürgerentscheid schafft Klarheit, entlastet die kommunalpolitische Agenda und gibt endlich der sehr viel rationaleren Stadtgesellschaft das Wort“, erklärt Michael Hock, Fraktionsgeschäftsführer der Sartirepartei. Aaron Baron von Kruedener, sportpolitischer Sprecher der Partei, sagt: „Da sowohl Gegner des Ausbaus wie auch Befürworter des Ausbaus der Meinung sind, sie verträten die Mehrheit der Kölnerinnen und Kölner, dürfte ein Bürgerentscheid alle Seiten zufrieden stellen.“ (rom)