Köln – So einfühlsam und offen erkennt man Steffen Baumgart, den sonst so ehrgeizigen und grantig wirkenden Trainer des 1. FC Köln, gar nicht wieder. Während Stephan Brings auf der Gitarre „Liebe gewinnt“ anstimmt, übernimmt Baumgart gemeinsam mit Schauspielerin Mirja Boes den Gesang. Der musikalische Liebesreigen hatte nichts mit Fußball zu tun, der Trainer und die Komikerin sind Gäste bei einer Jubiläumsveranstaltung der Caritas im Domforum.
Deutschlandweit wird dieses Jubiläum gefeiert, besonders aber hier in Köln, wo vor 125 Jahren eine Gruppe katholischer Sozialreformer den deutschen Caritas-Verband ins Leben gerufen hat. Seit vielen Jahren kümmert sich die Caritas um Menschen in Notlagen.
Es hat durchaus Charme, einen Vertreter des millionenschweren Fußballgeschäfts und eine Komikerin, die gerne verbal austeilt, über Nächstenliebe plaudern zu lassen. „Entscheidend ist, dass man da ist“, sagt Steffen Baumgart und ergänzt: „Wir werden nicht allen helfen können, aber wir können es versuchen“.
Mirja Boes will auf der Domplatte helfen
Mirja Boes will in der Weihnachtszeit zu ihrem persönlichen Hilfsversuch aufbrechen. Mit einem Bollerwagen möchte sie auf der Domplatte Brezeln und geschmierte Brötchen verteilen – und zwar an alle Menschen, die hungrig sind. „Wen ich sehe, dem helfe ich so gut ich kann“, kündigt sie an. Für Boes und Baumgart geht es ohnehin eher um die Gesten und Zeichen. Boes erzählt, sie stelle am Ende ihrer Auftritte zuweilen einen Topf auf die Bühne, um Geld für soziale Projekte zu sammeln. „Da dürfen auch Cent-Stücke drin landen“, sagt sie. Nicht die Höhe der Summe sei entscheidend. „Es geht nur darum, wirklich da zu sein“, ergänzt Baumgart zustimmend.
Dann wird es sehr persönlich: Er selbst habe auch schon Nächstenliebe erlebt, die ihm in schwierigen Lebensphasen geholfen habe, weiterzumachen und nach vorne zu schauen, berichtet der Fußballtrainer.
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Es geht viel um die Einstellung der Menschen, das identifiziert Boes als Kernpunkt. „Der Pessimist und der Optimist haben beide nicht immer recht. Aber der Optimist hat das schönere Leben“, bilanziert sie. Auch der Musiker Stephan Brings stimmt den beiden Protagonisten zu und zitiert seinen Vater Rolly Brings. „Solidarität muss man sich leisten können“, sagt er und empfiehlt einen Lebensgrundsatz: Nicht sparsam sein mit Gefühlen! Wo Nächstenliebe anfängt? „Ganz einfach: Wo der Stärkere dem Schwächeren aufhilft“, so Brings. Und auch auf die Frage, wo Nächstenliebe aufhört, findet Brings klare Worte: „Die darf nie aufhören“.


