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TierrettungMit der Drohne auf Rettungsmission für Rehkitze in Swisttal und Bornheim

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Ein scheues, hilfloses Kitz im Gras. Landwirte verlassen sich heutzutage auch auf die ehrenamtlichen Kitzretter, die Drohnen einsetzen.

Ein scheues, hilfloses Kitz im Gras. Landwirte verlassen sich heutzutage auch auf die ehrenamtlichen Kitzretter, die Drohnen einsetzen.

In Swisttal steht der neu gegründete Verein Kitzrettung in den Startlöchern – Ab Mai beginnt die Suche.

„Ich möchte nicht noch einmal erleben müssen, wie die Rehkitze durch eine Mähmaschine verletzt oder sogar getötet werden“, sagt Madeleine Deutsch aus Metternich. Die Entscheidung, sich den Kitzrettern aus Heimerzheim anzuschließen, ist ihr deswegen ziemlich leichtgefallen. „Als Rentnerin habe ich ja jetzt auch die erforderliche Zeit“, sagt sie.

Noch ist ihr Vereinskollege Alexander Roelvink zwar nicht im Rentenalter. Doch auch er ist überzeugt von der Richtig- und der Wichtigkeit des Ehrenamts in der Kitzrettung. Und wie Bolle freut er sich schon auf die Tage und Wochen, in denen er im Mai und im Juni morgens losdarf, um im Team die Kitze im hochstehenden Gras auf den Wiesen zu suchen und vor dem Mähdrescher oder anderen Maschinen zu retten.

Drohnenflüge als Berufsalltag

Vereinsvorsitzender René Seniuk (36) hofft, dass er mehrere Teams in der Saison einsetzen kann. Im vergangenen Spätsommer hatte er den Verein der Kitzrettung Swisttal gegründet. Als Drohnendienstleister hatte er sich bereits vor Jahren auf eigene Beine gestellt. Drohnenflüge gehören deswegen für ihn zum Berufsalltag. „Mach doch mal was Vernünftiges daraus“, habe ihm dann im vergangenen Jahr seine Frau geraten.

Länger hatte Seniuk bereits darüber nachgedacht, die Drohnen nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich – bei der Kitzrettung – einzusetzen. Und fast schien es, als hätten überall in der Umgebung die Leute nur auf die Gründung eines solchen Vereins gewartet. „Das Feedback damals war riesig“, berichtet er. Inzwischen zählt der Verein etwa 20 Mitglieder.

Und die meisten warten genauso wie der Vereinsvorsitzende ganz erwartungsvoll auf ihren ersten Auftrag. „Unser Einsatz ist für die Landwirte kostenlos“, erklärt der Vereinschef. Spenden seien aber immer willkommen. Der Verein finanziere sich ja ausschließlich aus den Mitgliederbeiträgen und aus Spenden. Doch noch haben weder er noch andere Vereinsmitglieder ein Kitz retten können. „Die Hauptsaison beginnt je nach Witterung Ende April bis Anfang Mai und endet spätestens im Juli“, weiß Seniuk.

Sie sind bereit (v.l.) Alexander Roelvink, Madeleine Deutsch und Vereinsvorsitzender René Seniuk- so wie weitere etwa 17 Vereinsmitglieder.

Sie sind bereit (v.l.) Alexander Roelvink, Madeleine Deutsch und Vereinsvorsitzender René Seniuk- so wie weitere etwa 17 Vereinsmitglieder.

All sein Wissen zur Rehkitzrettung und zum Verhalten der Wildtiere hat sich der 36-Jährige in Lehrgängen und Kursen privat angeeignet. Was jedoch den Umgang mit der Drohne betrifft, so besitzt er nicht nur die modernsten Flugkörper, er versteht es auch, sie bei allen Wetterlagen sicher zu fliegen. „Im Idealfall rufen uns die Landwirte an, am besten immer einige Tage bevor sie ihre Wiese mähen wollen“, erklärt er.

Die beste Zeit, um die Kitze im hohen Gras zu finden ist morgens im Sonnenaufgang.
René Seniuk, Vereinsvorsitzender der Kitzrettung in Swisttal

Viele Landwirte, aber auch die Jagdpächter, wollen auf jeden Fall dabei sein, wenn die Ehrenamtler der Kitzrettung anrücken. Dazu müssen die Helfer und Landwirte allerdings ziemlich früh aufstehen. „Die beste Zeit, um die Kitze im hohen Gras zu finden ist morgens im Sonnenaufgang“, sagt Seniuk. Die Kitze ducken sich bei Gefahr zwar ganz tief ins Gras. „Sie haben ja noch keinen Fluchttrieb“, erklärt er. Auch Hasenjunge liefen nicht weg. Die Wildtiere erstarren vielmehr genau an der Stelle, an der die Ricke ihr Kitz beziehungsweise die Häsin ihr Junges abgelegt haben.

Anders als noch vor ein paar Jahren, als die Landwirte oft mit der ganzen Familie und Freunden die mitunter hüfthoch gewachsenen Wiesen vor dem Mähen abgehen mussten, braucht es heute nur noch eine gute Drohne mit einer Wärmebildkamera und einen erfahrenen Drohnenpiloten, um die Kitze und andere Wildtiere im Gras aufzuspüren. „Solange sich die Temperatur der im Gras sitzenden Wildtiere deutlich von der Umgebungstemperatur unterscheiden, kann ich problemlos auch einen winzigen Punkt im Gras aus 80 Metern Höhe erkennen“, erklärt der Drohnenpilot.

Und auf den Zentimeter genau könne er dann die Koordinaten nennen. Die Helfer stünden dann mit einer Kiste und dicken Handschuhen am Rand der Wiese bereit, um das Kitz oder den Junghasen zu retten. Die   Jungtiere würden   in ganz viel Gras gepackt und umsorgt, bis der Mähvorgang abgeschlossen sei und sie wieder an die etwa gleiche Stelle zurückgelegt werden können, wo ihre Mütter sie dann auch finden können. Seniuks   Plan ist es, mehrere Teams mit mindestens drei Leuten – zwei Retter und ein Drohnenpilot – aufzustellen. Anfang Mai ist   eine Helferschulung geplant. Spendenwillige und Interessenten sind herzlich willkommen.