Mehrere Jahre wird die Sanierung der L249 in der Stadt Heimbach dauern. Durch neue Verfahren wird das Millionenprojekt deutlich günstiger.
HydrozementationDie marode Straße bei Mariawald wird mit neuem Verfahren saniert

Seit dem vergangenen Sommer ein gewohntes Bild: Aus Sicherheitsgründen ist die L249 mit einer doppelten Zaunanlage gesperrt.
Copyright: Stephan Everling
So malerisch die Stadt Heimbach im Rurtal auch gelegen ist, die topographische Situation hat auch ihre Nachteile. Beispielsweise bei der L249. Seit drei Jahren ist bekannt, dass der Hang, auf dem die an der Abtei Mariawald vorbeiführende Straße gebaut ist, nicht mehr tragfähig ist. Daher ist eine Sanierung unumgänglich, nachdem sich der BUND mit seiner Forderung, die Straße nicht zu sanieren, sondern sie zurückzubauen, da sie den Nationalpark zerschneide und nicht wirklich benötigt werde, nicht durchsetzen konnte.
Doch anstatt der aufwendigen Sanierung, die zuerst im Raum stand, wird der Landesbetrieb Straßen NRW nun zum ersten Mal ein neuartiges Verfahren anwenden, mit dem die Sanierung zügig und relativ kostengünstig durchgeführt werden kann. Hydrozementationsverfahren heißt das Zauberwort, wie Torsten Gaber, Sprecher der Niederlassung Euskirchen, verriet.
Das Hydrozementationsverfahren wird erstmals in der Region angewendet
Auch wenn die Methode in unserer Region noch nicht angewendet wurde, sei sie vielfach erprobt und eingesetzt: „Wir haben durch dieses Hydrozementationsverfahren eine Möglichkeit, die Stabilisierung des Untergrunds herzustellen, ohne große bauliche Eingriffe in die Natur vornehmen zu müssen.“
Damit seien die Pläne aus dem Jahr 2023, als die Schäden an der Verbindungsstraße zwischen Mariawald und Heimbach offensichtlich wurden, ersetzt worden. Denn das wäre ungleich teurer geworden. Um den rutschenden Hang zu befestigen, sollten ursprünglich Betonpfähle in den Untergrund eingebracht werden. Dazu hätte die Straße mit Hilfe eines Überhangs verbreitert werden müssen. Mehr als 20 Millionen Euro seien damals für Sanierung und Ausbau veranschlagt worden, sagte Gaber. Nun könnte es um einiges kostengünstiger werden. „Wir gehen derzeit für den ersten Bauabschnitt von anderthalb Millionen Euro aus“, so Gaber. Denn auch das neuartige Verfahren ist nicht unaufwendig.

Der Kern des Problems: Die Mauern, auf denen die Fahrbahn der L249 gebaut worden ist, sind nicht mehr tragfähig.
Copyright: Stephan Everling

Risse in der Decke der Fahrbahn machen deutlich, dass der Untergrund, auf dem die L249 gebaut worden ist, nicht mehr stabil ist.
Copyright: Stephan Everling

Torsten Gaber ist der Sprecher vom Landesbetrieb Straßen NRW.
Copyright: Stephan Everling
Notwendig geworden ist die Sanierung, da die viele Jahrzehnte alten Stützbauwerke nicht mehr tragfähig sind. Wer auf der Straße unterwegs ist, sieht zwar nur schmale Risse im Asphalt, die sich auf der Hangseite entlang ziehen. Doch im Untergrund sieht es anders aus. „Das sind Mauern, teilweise im Trockenbau, die marode und nicht mehr tragfähig sind. Da kann man tatsächlich die Steine mit der Hand rausnehmen“, beschreibt Gaber den Zustand. Aufgrund dieser Diagnose sei die Straße, die ab 2023 zunächst als Einbahnstraße in Richtung Mariawald befahren werden konnte, komplett gesperrt worden.
Im September starten die Arbeiten auf der Straße bei Heimbach
In diesem September sollen die Bauarbeiten im ersten Bauabschnitt beginnen, teilte Gaber mit. Der sei 700 Meter lang und erstrecke sich über den Bereich von der oberen Serpentinenkurve bis kurz vor die untere Kurve. Dort wird zunächst die bisherige Straße zurückgebaut. Dann werden aus einem Gemisch aus Erde und Zement vor Ort zwei bis drei Meter lange Betonblöcke gefertigt, die sich über die ganze Straßenbreite erstrecken. Diese reichen bis zu acht Meter auf den Felsen herunter, um einen tragfähigen Untergrund herzustellen. Zwischen den Blöcken sei jeweils ein Abstand von sieben Metern, der mit Kies gefüllt und befestigt wird. Diese sogenannten Rigolen dienen dazu, das vom Hang herabfließende Wasser abzuleiten.
Geplant sind für diese Arbeiten laut Gaber drei Monate. Danach wird auf dem neuen Untergrund die Straße gebaut, was ebenfalls drei Monate dauern soll. Damit die Bauarbeiten zügig vorangehen, werde mit zwei Baukolonnen gleichzeitig gearbeitet. „Wir haben auch eingeplant, dass es Winter werden könnte“, sagt Gaber schmunzelnd. Begonnen wird mit den Arbeiten in Absprache mit der Nationalparkverwaltung und der Unteren Naturschutzbehörde im September, wenn die Brutzeit beendet ist und der Eingriff in die Natur möglichst gering ausfällt. Bis März sollten die Arbeiten abgeschlossen werden.
Der letzte Bauabschnitt wird wieder kompliziert
Wenn es möglich ist, werden ab September 2027 die Bauabschnitte zwei und drei gleichzeitig in Angriff genommen. Bauabschnitt zwei erstreckt sich von der oberen Serpentinenkurve bis zum Kloster Mariawald über eine Länge von rund zwei Kilometern. Hier seien, so Gaber, die Verhältnisse wesentlich unkomplizierter, so dass mit herkömmlichen Verfahren gearbeitet werden könne. Dabei werden Geotextilien in den Untergrund eingebracht, um diesen zu sichern.
Wie genau der Bauabschnitt drei saniert werde, der den verbleibenden Bereich bis zum Ortseingang von Heimbach umfasst, steht noch nicht fest. Der sei deutlich komplizierter, da es mehrere marode Stützbauwerke gebe. „Wir werden dafür die Erfahrungen auswerten, die wir im ersten Bauabschnitt machen“, so Gaber. Denkbar ist, dass in diesem Bereich ebenfalls das Hydrozementationsverfahren zum Einsatz kommt. Sollte es nicht möglich sein, beides gleichzeitig in Angriff zu nehmen, so wird der dritte Bauabschnitt um ein Jahr verschoben, so dass dort die Arbeiten im September 2028 starten.
Auch für den zweiten Bauabschnitt wird eine Vollsperrung nötig. Wenn die Arbeiten zwischen März und September 2027 ruhen, solle die Straße jedoch eingeschränkt freigegeben werden. Im dann sanierten ersten Bauabschnitt könne der Verkehr zweispurig fließen, in den anderen Bereichen werde eine einspurige Lösung eingerichtet, so Gaber. Der Verkehr wird dann mit Baustellenampeln an den Engstellen, die noch nicht bearbeitet sind, vorbeigeführt. Endgültig abgeschlossen sollten die Bauarbeiten im März 2028 sein.
Baustelle am Gemünder Berg
Auch für die Baustelle auf der B265 am Gemünder Berg kündigt sich eine Lösung an. Hier werde ab Mai 2026 gearbeitet, aller Voraussicht nach in Vollsperrung, teilte Torsten Gaber vom Landesbetrieb Straßen mit. Dabei werde der abgesackte Hang in konventioneller Bauweise saniert. Es sei geplant, diese Baustelle bis August 2026 abzuschließen, um dann auf der L249 weiterarbeiten zu können.
