Köln – Sie sind Teil des Luftreinhalteplans, sollen im Berufsverkehr eine Alternative zu den überfüllten Bahnen der Linie 1 bieten und mehr Pendler zum Verzicht aufs Auto bewegen. Doch um die Pläne für die neuen Expressbus-Linien, die ab Dezember aus dem Kölner Westen über die Aachener Straße zum Hauptbahnhof fahren sollen, gibt es Krach – wegen der „Pförtnerampel“, die den Auto-Zufluss aus Frechen bremsen soll, wegen Fahrbahnsperrungen oder der Sorge der Einzelhändler, die ihre Existenz bedroht sehen.
Die SPD-Fraktion im Stadtrat hat nun einen völlig neuen Vorschlag präsentiert. „Um Park- und Stau-Chaos im Kölner Westen zu verhindern“, sollen kurzfristig mehr Stadtbahnen auf der Linie 1 fahren. Dies sei problemlos möglich, indem man Bahnen von der Linie 9 abziehe und auf der Linie 1 einsetze, wo sie am nötigsten gebraucht würden.
„Das ist besser als Bremsbusse, die im Stau stehen und nur zu mehr Frust führen werden“, sagt SPD-Verkehrsexperte Andreas Pöttgen. Auf der Linie 9 seien Verstärkerbahnen unterwegs, „die dort gar nicht benötigt werden. Diese Züge kann man morgens und nachmittags auf der Linie 1 einsetzen.“ Die KVB könne das „schon zum Fahrplanwechsel im Dezember umsetzen und der ganze Spuk um die Busse, die mehr Verlierer als Gewinner produzieren, bleibt uns erspart“.
Für diese pragmatische Lösung müsse man nichts bauen, betonte Pöttgen. Dagegen würden Expressbusse Rückstaus und Ausweichverkehre durch Wohnquartiere verursachen und selbst im Stau stehen.
Die KVB wollte auf Anhieb nicht bewerten, ob der Vorschlag der SPD sinnvoll ist. Die Linien 1 und 9 seien unterschiedlich lang und hätten unterschiedliche Umläufe. „Eine Verlegung von Bahnen von der Linie 9 auf die Linie 1 ist daher nicht 1:1 möglich, sondern muss – ebenso wie die Bedarfsfrage – differenziert betrachtet und geprüft werden“, so die KVB auf Anfrage. Sofern der Rat den Antrag beschließe, werde man „die entsprechenden Prüfungen durchführen“.
Pöttgen verwies auf die jüngste Studie des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS), wonach billigere Tickets (365 Euro pro Jahr) zu 30 Prozent mehr Fahrgästen führen und der dafür erforderliche Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs die Einführung regionaler Schnellbuslinien erfordert. Der Kölner Stadtrat habe die Verwaltung bereits am 10. Mai 2016 beauftragt, dafür ein Konzept zu arbeiten, doch das liege bis heute nicht vor.


