Abo

DGB-Kundgebung in Köln„Die Zeit ist reif für eine neue Entspannungspolitik“

2 min

Mehr als 8000 Menschen nahmen an der Demonstration zum Tag der Arbeit teil.

„Wir stehen vor einer Schicksalswahl für Europa“, erklärte Dr. Steffen Lehndorff von der Initiative „Europa neu begründen“ bei der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der diesjährige Tag der Arbeit stand im Zeichen der Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai. Unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ war ein Demonstrationszug vom Gewerkschaftshaus am Hans-Böckler-Platz zum Heumarkt gezogen.

Kölns DGB-Chef Witich Roßmann und die Polizei schätzten übereinstimmend, dass die Traditionsveranstaltung am 1. Mai 2019 über 8000 Teilnehmer, doppelt so viele wie im Vorjahr, mobilisiert hatte. Beim Abmarsch, so Roßmann, hätten drei Personen ein Banner mit einer antisemitischen Parole entrollt, sie wurden von Ordnungskräften aus dem Zug entfernt.

Besonders viele Ford-Mitarbeiter gingen diesmal auf die Straße. „Es ist jetzt an euch, gegenüber dem US-Konzern durchzusetzen, dass in Köln gute Produkte entwickelt werden“, ermutigte Roßmann die Kolleginnen. In Köln müsse wie bei Daimler in Kaiserslautern ein Batteriewerk für Elektroautos angesiedelt werden, so der DGB-Chef. Durch die politischen Forderungen zog sich das Thema Energiewende. Mit dem stärksten Beifall für die teilnehmenden Gruppen war die Schülerbewegung „Fridays for Future“ begrüßt worden.

Wie wichtig angesichts großer Herausforderungen und Konflikte der Zusammenhalt in Europa ist, drückte die IGBCE-Jugend durch Länderflaggen in Form von Puzzleteilen aus. „Immer mehr Menschen erleben, dass in der EU die Interessen der Märkte oft Vorrang haben vor sozialen Belangen“, meinte Roßmann. Darin sieht er einen Grund für die Unzufriedenheit, die zum Erstarken rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien führt.

Antworten auf die Frage „Welches Europa brauchen wir?“ stellte der promovierte Volkswirt Lehndorff auf vier Säulen: solidarische Wirtschafts- und Umweltpolitik, Unterstützung von Sozialstandards aus Solidaritätsfonds, gerechte Handelsverträge mit Ländern wie Afrika, um Fluchtursachen zu beseitigen, und statt neuer Rüstungsausgaben eine Stärkung der EU als Friedensprojekt.

Die Kundgebung schloss mit dem Aufruf, an der Europawahl teilzunehmen. Anschließend unterhielten die Kabarettisten Wilfrid Schmickler, Robert Griess und die Band Kozmic Blue.