Kölner UnternehmenVom kleinen Startup zum Branchenführer

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Das Kölner Unternehmen Mediafix haben Christoph Kind (l.) und Hans-Günther Herrmann weit nach oben gebracht.

Das Kölner Unternehmen Mediafix haben Christoph Kind (l.) und Hans-Günther Herrmann weit nach oben gebracht.

Das ehemalige Kölner Startup Mediafix digitalisiert analoge Medien und ist weiter auf Expansionskurs.

Als die Rundschau vor gut zwei Jahren ein Portrait über das Kölner Startup Mediafix brachte, war aus dem ehemaligen Ein-Mann-Betrieb schon längst eine Branchengröße mit Führungsanspruch in Deutschland geworden. Doch die Zeiten drehen sich weiter: Aus Deutschland wurde das nahe Ausland, und mittlerweile heben Geschäftsführer Hans-Günther Herrmann und der Technische Leiter Christoph Kind unverhohlen in ganz Europa und dem nicht mehr dazugehörenden britischen Empire den Finger. 

Technisch ausgedrückt, digitalisiert das Unternehmen analoge Medien. Aber eigentlich geht es um etwas Anderes: „Wir retten Erinnerungen“, sagt Herrmann. Und das täglich, zu Tausenden Kartons, vollgepackt mit privaten Dias, Super-8-Filmen, Negativstreifen und vergilbten Fotos. Der Renner aber, und auch da wandeln sich die Zeiten, sind längst die Videokassetten geworden, hauptsächlich VHS. Das einst hochmoderne Medium hat nicht nur ausgedient, es finden sich auch kaum noch geeignete Abspielgeräte.

Was das Unternehmen mit seinen rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Zugzwang bringt: In der Produktion werden Dutzende bis Hunderte Spezialgeräte gebraucht, die längst nicht mehr hergestellt werden. Um der großen Nachfrage gerechnet zu werden, wird immer mehr auf eigene Technik gesetzt. „Wir können keine Mikrochips herstellen, aber selbst für die Video-Digitalisierung gehen wir inzwischen eigene Wege“, so der technische Leiter Christoph Kind.

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Tausende Kartons im Lager

Mit den Jahren musste sich die komplette Digitalisierungs-Technologie weiterentwickeln. Das macht das Team um Christoph Kind zum größten Teil selbst und lässt sich dabei auch nur ungern in die Karten schauen. Die Technik ist schließlich die Basis des Erfolgs, eines von vielen Rädern in der Firma, aber eben das ganz Wesentliche. Immerhin wurden seit der Gründung im Jahr 2012 über 200 Millionen Medien digitalisiert, allein die Anzahl der digitalisierten Dias beläuft sich auf rund eine Million pro Monat. Auch die Qualität der Aufbereitung wurde in den letzten Jahren noch einmal nachhaltig nach vorne getrieben. 

VHS-Kassetten sind der Renner

Auch die klassischen Fotoalben sind im Kommen. Zum einen, weil das Papier vergilbt und ausbleicht. Zum anderen aber auch, weil man sie nicht teilen kann. Klassisches Beispiel: die ältere Generation überlässt den Jüngeren kistenweise Fotoalben. Die Familie hat aber mehrere Kinder und man weiß gar nicht, wohin damit. Eine zeitgemäße Lösung ist das Digitalisieren.

Die Ursprungsidee war so klassisch wie simpel: Herrmans Großcousin Hans-Walter Knuth war auf der Suche nach einer Methode, seine Diasammlung zu digitalisieren. Aber die Preise waren zu hoch und die Qualität zu schlecht. Also ging der Hobby-Erfinder selbst ans Werk, entwickelte einen eigenen Scanner und frönte fortan seinem Hobby. Bei einer Familienfeier erzählte er Herrmann davon, Knuth überließ ihm seine Idee – die Firma Mediafix war geboren.

Idee stammte vom Großcousin

Heute steckt eine ausgeklügelte Logistik hinter dem Unternehmen. Bei Partnerunternehmen in ganz Europa können die Kunden ihre Kartons abgeben, diese werden dann mittels eigener Boten nach Köln gebracht und dort digitalisiert. Allein auf die Post oder andere Lieferdienste will man sich bei Mediafix nicht verlassen, schließlich sind alles Unikate und für die Kunden zum größten Teil unbezahlbare Erinnerungen.

Auch der einstige Standort an der Oskar-Jäger-Straße wurde mit seinen 1200 Quadratmetern schon bald zu eng. Da traf es sich ganz gut, dass der Mietvertrag ohnehin auslief, weil ein Investor Interesse an der Entwicklung des Industrie-Areals zeigte - denn tatsächlich gab es eine glückliche Alternative an der Vitalisstraße, ebenfalls in Ehrenfeld. Modern, gut erreichbar, 2000 Quadratmeter, Umzug im Sommer 2022. Besser hätte es kaum laufen können. 

Die Menschen haben das Projekt Digitalisierung durchgezogen.
Hans-Günther Herrmann

Zum Wachstum der letzten Jahre maßgeblich beigetragen hat aber auch ein Faktor, der anderen Branchen fast oder ganz zum Verhängnis geworden ist. Mediafix war ein Stay-home-Gewinner: Über die Corona-Lockdowns haben die Menschen vermehrt angefangen, zuhause zu kramen und stießen auf ihre alten, analogen Schätzchen. Im übertragenen Sinn die Bude eingerannt haben sie dem Team, das von jetzt auf gleich mit der Bearbeitung von Kundenwünschen kaum noch nachkam. 

Letztlich allerdings auf Kosten der Monate, die danach kamen: „Was wir während Corona noch nicht wussten, ist, dass das natürlich teilweise Vorholeffekte waren. Die Menschen haben das Projekt Digitalisierung einfach schneller durchgezogen.“ Diese Kunden fehlten dann in der Anschlusszeit und Mediafix hatte das größte Nachfrageloch seit zehn Jahren. „Genau in dem Sommer, in dem wir umgezogen sind. Da hatten natürlich erstmal ja ein bisschen Bauchschmerzen. Aber wir haben parallel auch schon angefangen, weiter zu internationalisieren und konnten das dann kompensieren.“

Geschäftsmodell trägt noch viele Jahre

Mittlerweile hat sich alles wieder austariert, der Laden brummt und der Expansionskurs nimmt weiter Fahrt auf. Die Frage nach dem „wie lange noch“ - irgendwann müssten doch alle alten Schätzchen vor dem Verderb gerettet sein - treibt Herrmann und Kind jedenfalls nicht um: „Sicher nicht in den nächsten 30,40 Jahren“, meint Herrmann. Und sollte es in Deutschland irgendwann doch soweit sein, in anderen Ländern hinkt man da noch weit hinterher.

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