Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Tauschen in KölnBücherschrank auf dem Lenauplatz eingeweiht

3 min
Fünf Menschen stehen links und rechts von einem nagelneuen Bücherschrank.

Volker Spelthann, Silvia Legat, Dieter Brühl, Vorsitzender Bürgervereinigung Ehrenfeld, Ludwig Arentz und Detlef Schmitz (v. l.) hatten schon mal Bücher für den neuen Schrank mitgebracht.

Der Lenauplatz hat nun auch einen Bücherschrank. Silvia Legat vom Geschäft Tee de Cologne wird als unmittelbare Nachbarin seine Patin.  

Ein offener Bücherschrank auf dem Lenauplatz: Das passt. Nachbar Rolly Brings trug zur Einweihung das Gedicht „Die drei Zigeuner“ des Romantikers Nikolaus Lenau vor, der darin offensichtlich eingefleischte Nonkonformisten beschreibt: „An den Kleidern trugen die drei Löcher und bunte Flicken, aber sie boten trotzig frei Spott den Erdengeschicken.“ Manfred Theisen war als zweiter Autor aus dem Veedel vor Ort, auch wenn ihm Lenau eigentlich zu melancholisch sei und so gar nicht dem lebendigen, nach ihm benannten Platz entspreche. Den repräsentierten Max und Moritz, die vom Brunnen her zusahen, schon eher.

Initiativen aus Ehrenfeld spendeten für den Bücherschrank

Lenau könne dennoch ein Vorbild sein, meinte Theisen: „Vielleicht schreibt ihr selbst eine Geschichte, ein Gedicht, ein Lied und legt sie in ein Buch“, forderte er die Zuschauer auf. Knapp 40 waren zur kleinen Einweihungsfeier erschienen, sie fand unter muskalischer Begleitung von Leierkastenmann Dieter Hamacher im Rahmen der zweiten „Max und Moritz-Weintage“ des Vereins „Wir in Neuehrenfeld“ statt. Der Verein hatte auch eine wichtige Rolle bei der Aufstellung des Bücherschranks gespeilt.

„Die Idee ist hier schon seit Jahren im Gespräch, vor etwa drei Jahren haben wir die Finanzierung in die Wege geleitet“, erklärte Detlef Schmitz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft von Gewerbetreibenden rund um die Landmannstraße. Als Kooperationspartner konnte man die Bürgerstiftung Köln und die Bürgervereinigung Ehrenfeld ins Boot holen, die ebenso wie „Wir in Ehrenfeld“ jeweils einen Sockelbetrag von 1000 Euro beisteuerten, die Ehrenfelder Bezirksvertretung beteiligte sich mit 2000 Euro. Die noch fehlenden gut 3000 Euro holten die Vereine über Spendenaktionen herein. „Viele Besucher des Weihnachtsmarkts haben zum Beispiel auf das Becherpfand verzichtet“, so Schmitz, „und in vielen Geschäften der Umgebung standen Spendenbüchsen.“

So war die Anschaffung des offenen Bücherschranks eine echte Gemeinschaftsleistung, und mit Silvia Legat vom Geschäft „Tee de Cologne“ schräg gegenüber wurde eine Patin gefunden, die den Bücherschrank stets im Blick hat. Für das „Kulturgut Buch“ müsse auch in Neuehrenfeld geworben werden, sagte Ludwig Arentz, Stiftungsrat und Mitgründer der Bürgerstiftung Köln, die inzwischen stadtweit mehr als 70 Bücherschränke unterstützt hat. Endlich hat Arentz nun auch einen Bücherschrank in seinem Heimatveedel. Einen neuen Treffpunkt und Ort für Gespräche über Bücher erhoffte sich Bezirksbürgermeister Volker Spelthann vom offenen Bücherschrank.

Spelthann hatte schon mal einen Band über den Helios-Leuchtturm mitgebracht und in den Schrank geräumt, auch einige Zuhörer stellten Bücher zur Verfügung, die nun kostenfrei entnommen werden können. So soll nach und nach eine bunte Mischung entstehen, „Kant neben Känguru-Chroniken, Harry Potter neben Hannah Arendt“, wie Manfred Theisen hoffte. Kant fehlt noch, aber Krimis stehen schon recht zahlreich im Schrank.