Höhner-Serie„Mer stonn zo dir“: Die Höhner und ihre Sport-Hymnen

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Die Kölner Band "Höhner", die musikalischen Fußball-Botschafter der Stadt Köln, mit Peter Werner, Jens Streifling, Ralf Rudnik, Hannes Schöner, Henning Krautmacher und Janus Fröhlich sowie WM-Botschafter Rainer Calmund halten in Düsseldorf in der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich" eine Nachahmung des Fifa-WM-Pokals in den Händen. Gemeinsam stellten sie in der Sendung ihre neue Mini-CD "Here We Go" mit sieben Liedern zur WM 2006 in Deutschland vor.

Die Höhner als musikalischen Fußball-Botschafter der Stadt Köln mit dem WM-Botschafter von 2006, Rainer Calmund

Wenn irgendwo Pokale in den Himmel gereckt werden, ist das passende Lieder der Höhner schon fertig. Torwart Toni Schumacher ging sogar mit der Band auf Tour.

Ein wenig muss sich Toni Schumacher hinter der Bühne der Lachenden Sporthalle gefühlt haben wie auf der Ersatzbank im Stadion. Während draußen die Höhner abgefeiert wurden und die Halle tobte, stand der damalige Fußball-Nationaltorwart in den Kulissen, um bloß nicht von den feiernden Massen entdeckt zu werden. „Die Veranstalter der Sporthalle hatten Sorge, dass die Leute durchdrehen, wenn sie mich sehen. Ich habe aber leise mitgesungen“, erzählt Schumacher und schmunzelt.

Mehrere Abende hatte Schumacher die Band bei ihren Karnevalsauftritten begleitet - und zwar als Sänger auf der Bühne. Zwischen den Höhnern und dem 1. FC Köln besteht eine besonders innige Verbindung. Und das nicht erst seit die Gruppe 1998 das schottische Traditional „The Bonnie Banks of Loch Lomond“ mit einer kölschen Liebeserklärung an ihren favorisierten Fußballclub versehen hat.

Wenn Stadionsprecher Michael Trippel die Fans bei den Heimspielen in Müngersdorf staatstragend bittet, sich von den Plätzen zu erheben, erklingt stets die Hymne „Mer stonn zo dir, FC Kölle“.

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Die Höhner lieferten den Song zur Handball-WM in Deutschland

Doch schon 1978, im Jahr des Double-Gewinns von Pokal und Meisterschaft, hatten die Höhner den Song „Unser Bock es Meister“ zu den Feierlichkeiten beigesteuert. Bevor irgendwo Pokale in den Himmel gereckt werden, hatten die Höhner das dazugehörige Lied oft schon fertig.

Als die deutschen Handballer 2007 in Köln den Weltmeistertitel feierten, standen die Höhner mit den Spielern in der Nacht nach dem Sieg gegen Polen auf dem Rathausbalkon und intonierten „Wenn nicht jetzt, wann dann“ – der Song stürmte sogar an die Spitze der deutschen Charts.

Und nach dem WM-Triumph der deutschen Fußballer in Brasilien 2014 stimmten die Höhner auf der Fan-Meile in Berlin „Steh auf, mach laut“ an, am Hit „Auf uns“ von Andreas Bourani kamen sie aber nicht vorbei. Im Grunde hatten die Höhner auch die Nummer „Pizza wunderbar“ für die Fußball-WM 1990 in Italien gebacken. Und auch „E levve lang“ hatte die Band 2014 als Fußballsong komponiert.

Nicht nur, aber auch die musikalische Affinität zum Sport haben die Höhner zum kölschen Exportschlager werden lassen. „Es macht uns als Band stolz, wenn die eigenen Songs von Fans im Stadion gesungen werden“, stellt Frontmann Henning Krautmacher fest. „Viva Colonia“ war so ein Hit, der sehr schnell den Weg ins Repertoire der Fankurve des FC gefunden hatte, obwohl das Lied kein Fußballsong ist.

Janus Fröhlich, Gründungsmitglied der Höhner, trug in der Band die größte Leidenschaft für den FC in sich. „Er hat es geschafft, die anderen mitzureißen“, weiß Krautmacher. In die Liste der FC-Lieder reihte sich 1986 schließlich „Unser Hätz schlät för dä FC Kölle“ ein.

Toni Schumacher brachte die Höhner auch in die Türkei

Nachdem Toni Schumacher über die Zwischenstation Schalke 04 schließlich das Tor von Fenerbahce Istanbul gehütet hatte, reisten auch die Höhner zu seinem Abschiedsspiel an den Bosporus. Und als kürzlich die Höhner zu ihrem 50-jährigen Bestehen von Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Rathaus empfangen wurden, saß Toni Schumacher im Publikum.

„Die Lieder der Höhner spielten mir in die Seele rein. In der Türkei habe ich viel kölsche Musik gehört“, erzählt Schumacher. Die Band habe ihn als „Ehren-Hohn“ geadelt. Da ist durchaus was dran, denn die Band hatte das Lied „Nemm mich su wie ich ben“ dem Torhüter gewidmet. Ebenso wie das Lied „Hey Kölle“.

Toni Schumacher und Henning Krautmacher von den Höhnern.

Torwart Toni Schumacher und Henning Krautmacher von den Höhnern.

Die Bläck Fööss waren in den ausklingenden 1970er Jahren und in den 1980ern in vielen Fernsehsendungen auch bundesweit präsent. Die Höhner folgten mit ihren vielen Hits, die mal in kölscher, öfter aber in hochdeutscher Sprache erschienen waren. „Abgesehen Von BAP haben das aus Köln nur die Fööss und die Höhner geschafft.

Hohn Janus Fröhlich als Botschafter des 1. FC Köln

Den Höhnern ist diese Präsenz beinah fünf Jahrzehnte lang gelungen, eine unglaubliche Leistung“, sagt Matthias Schumacher, Leiter des NRW-Musikarchivs in Köln. Das sehen die Verantwortlichen des Stadtmuseums offenbar ähnlich, denn nicht nur den Bläck Fööss widmete das Museum zum 50-jährigen Bestehen eine eigene Ausstellung jetzt auch den Höhnern.

Zur Riege der Sportbotschafter der Stadt Köln gehören neben Lukas Podolski schon lange Toni Schumacher und auch Janus Fröhlich von den Höhnern. Der FC-Schal wirkt zuweilen beinah am Hals von Fröhlich angewachsen.

Als Toni Schumacher am 6. März 1984 seinen 30. Geburtstag in einem Brauhaus feierte, hatte er das Motto „Ich ben ene Räuber“ ausgegeben. Das Lied hatte der damalige Frontmann Peter Horn geschrieben. „Dass Schumacher mit uns auf der Bühne stand, war kein PR-Gag. Der war wirklich so“, erinnert sich Horn.

Ein Orden von den Höhnern für Toni Schumacher

Für Schumacher hatte vor allem dieses Lied große Bedeutung. „In diesem Song habe ich mich wiedergefunden“, erzählt er. Zum Geburtstag brachten die Höhner ihm einen Orden mit. Der Aufdruck: „Ich ben ene Räuber met kölschem Hätz“. Auf dem Orden glitzerte das Konterfei von Schumacher mit Fußball-Augenklappe (Foto).

Als Schumacher später in München spielte, soll ihm Bayern-Boss Uli Hoeneß einen u Wunsch anvertraut haben. „Er hätte die FC-Hymne gerne für den FC Bayern gehabt. Das will was heißen“, sagt Schumacher und lächelt. Manche Dinge sind halt typisch kölsch.

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