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Interview mit Kölns FeuerwehrchefUnverständnis über Ablehnung von Astrazeneca

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Enormer organisatorischer Aufwand: Die Feuerwehr ist für die Abläufe im Impfzentrum zuständig.

  1. Dr. Christian Miller (45) ist verantwortlich für die Abläufe im Impfzentrum.
  2. Mit ihm sprach Thorsten Moeck über die Impfbereitschaft bei der Feuerwehr und die Skepsis vor Astrazeneca.

Wie ist es, die Feuerwehr aus dem Homeoffice zu leiten?Nach dem Kontakt zu Innenminister Herbert Reul war ich bis Donnerstag in Quarantäne und im Homeoffice. Das war eine große Herausforderung, weil kurzfristig nahezu alle Abläufe digitalisiert ablaufen mussten. Hilfreich ist auch, dass die Sitzungen des Krisenstabs bis auf wenige Ausnahme nur noch rein digital stattfinden.

Seit vergangener Woche werden auch Beschäftigte des Rettungsdienstes geimpft.

Wir haben uns sehr dafür eingesetzt, diese Gruppe in die Priorität 1 zu bekommen, denn im Einsatz haben wir in engen Kontakt zu den Patienten. Mit den Restimpfdosen der Gruppe der über 80-Jährigen haben wir auch schon Rettungsdienstmitarbeiter von Hilfsorganisationen und Rettungsdienst sowie Krankenhauspersonal versorgt.

Zur Person

Dr. Christian Miller (45), geboren in Füssen, leitet seit Mai 2019 die Kölner Feuerwehr. Seine Ausbildung zum Brandmeister absolvierte er bei der Bundeswehr, in München studierte er Chemie und Biochemie. (tho)

Hierfür war der Aufwand riesig, denn wir mussten Freiwilligenlisten erstellen unter hohem Zeitdruck impfen. Zudem fanden die Impfungen vor Ort in den Seniorenheimen statt, weil der Impfstoff in den Spritzen nicht transportiert werden kann. Seit kurzem erfolgen nun die regulären Impfungen des Rettungsdienstpersonals und weiterer Berufsgruppen im Impfzentrum.

Sind Sie selbst schon geimpft worden?

Nein, ich gehöre nicht zur Priorität 1, weil ich bei meiner Tätigkeit nicht direkt am Patienten arbeite.

Der Impfstoff von Astrazeneca wird derzeit vielfach abgelehnt. Wie ist die Impfbereitschaft beim Rettungsdienst?

Wir haben sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet. Und unsere Mitarbeiter sind vom ersten Tag an auf dem aktuellen Stand gehalten worden. Nach meinem Kontakt zu Herrn Reul, der sich mit einer Corona-Mutante infiziert hatte, war die Nervosität bei unseren Mitarbeitern spürbar. Denn sie wollten wissen, ob die FFP2-Maske, die ich getragen hatte, auch gegen die neue Mutante ausreichend schützt. Zum Glück ist der Coronatest bei mir negativ ausgefallen. Alle sind sehr sensibel, wenn es um den Eigenschutz geht. Ich gehe von einer hohen Impfbereitschaft aus.

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Die hohe Ablehnung von Astrazeneca hat auch Sie überrascht?

Ja. Und ich habe überhaupt kein Verständnis für die Ablehnung. In vielen Medien wurden Studien zu den verschiedenen Impfstoffen zum Teil einseitig dargestellt. Es ist ein falscher Eindruck entstanden. Am Mittwoch ist eine wissenschaftliche Studie aus Schottland erschienen, wo das Impfverhalten von knapp sechs Millionen Menschen ausgewertet worden ist. Hier sieht man deutlich, dass beide Impfstoffe durchaus einen vergleichbaren Schutz bieten, zum Teil führt Astrazeneca sogar zu besseren Resultaten. Es gibt also keinen Grund, Astrazeneca als Impfstoff zweiter Wahl zu betrachten.

Wie war denn die Stimmung im Krisenstab?

Die Stimmung ist von Unverständnis geprägt. Und von Druck, den wir alle verspüren, möglichst schnell den Impfschutz für viele Menschen bereitzustellen. Ich selbst bin für die Impfstrategie zuständig und habe mit Experten durchgerechnet, was wir tun können, um eine dritte Infektionswelle zum Jahresende zu verhindern. Wenn wir 8000 Impfungen pro Tag schaffen, könnten wir im September durch sein. Mit unseren Kapazitäten hätten wir die realistische Chance, in diesem Jahr mehr als 80 Prozent der Kölnerinnen und Kölner durchzuimpfen. Vorausgesetzt, es ist genügend Impfstoff vorhanden. Wenn sich jetzt Menschen aus objektiv nicht stichhaltigen Gründen nicht impfen lassen, geraten wir unter Druck.

Mehr als 5000 Impfdosen sind bereits übrig geblieben. Was passiert damit?

Der Impfstoff liegt in einem Depot des Gesundheitsministeriums. Wir rufen das Kontingent für die bereits vergebenen Termine ab. Aktuell sehen wir aber, dass rund 40 Prozent der vereinbarten Termine verschoben oder storniert werden. Wir versuchen nun die übrig gebliebenen Dosen vom Vortag zu impfen und weniger liefern zu lassen. Aber unser Kontingent im Depot wächst dadurch kontinuierlich an und das Impftempo wird verlangsamt.

Die Feuerwehr koordiniert das Impfzentrum und kooperiert mit dem Gesundheitsamt. Wie groß ist die personelle Belastung?

Die Belastung, dies mit unserem Personal zu schaffen, ist enorm. Zum Teil bis in die Nachtstunden kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen um den Betrieb des Impfzentrums. Von ihren eigentlichen Aufgaben sind diejenigen befreit worden, einige Projekte haben wir verschoben.

Sie sind im Krisenstab immer abhängig von Entscheidungen von Land und Bund. Erschwert das die Arbeit?

Was uns nach wie vor Probleme bereitet, ist das Agieren der Politik im Zwei-Wochen-Rhythmus, eine längerfristige Strategie ist nicht wirklich erkennbar. Die fehlende Perspektive fällt uns schwer. Die Formulierung strategischer Ziele halte ich für dringend notwendig, denn nach der Welle ist vor der Welle.