Abo

Kontrolle und KritikTierärzte überprüfen Gesundheit der Pferde im Kölner Rosenmontagszug

3 min
Zwei Pferde am Rosenmontagszug 2026 in Köln. Sie sind an eine Kutsche der Kölner Funken Artillerie von 1870 gespannt. Die Gamaschen und die Kutsche sind blau.

Rund 230 Pferde laufen an Rosenmontag durch Köln. 

Bei 40 Tieren wurden Proben entnommen. Jaques Tilly spricht sich derweil gegen Pferde im Zug aus. 

So wie in der vergangenen Session laufen auch dieses Jahr rund 230 Pferde im Rosenmontagszug mit. Acht Tierärztinnen und Tierärzte des Veterinäramtes sind währenddessen im Einsatz. Sie kontrollieren den gesundheitlichen Zustand der Tiere, sowie die eingesetzten Kutschen und Transportmittel, mit denen die Pferde nach Köln gebracht werden. Am späten Nachmittag griffen die Sicherheitsvorkehrungen erneut: Wegen einer Gewitterwarnung entschied Zugleiter Marc Michelske, alle Pferde und Kutschen vorsorglich frühzeitig aus dem Zug zu nehmen. Damit sollte verhindert werden, dass die Tiere durch möglichen Blitz und Donner erschreckt werden.

Auch Tierärztin Cornelia Augustiniok untersuchte vor Beginn des Rosenmontagszugs die Pferde. Die Veterinärinnen und Veterinäre entnehmen stichprobenartig rund 40 Blutproben von den teilnehmenden Pferden. Die werden auf unerlaubt eingesetzte Medikamente und Substanzen überprüft: „Wir durchsuchen die Proben vor allem auf Beruhigungsmittel und Schmerzmittel“, erklärte Augustiniok.

Eine Tierärztin nimmt einem Pferd Blut ab.

Tierärztin Cornelia Augustiniok nimmt einem Pferd vor Beginn des Rosenmontagszugs Blut ab.

Diese Medikamente würden den Zustand der Pferde verändern. Ein Beispiel sei ein lahmendes Pferd: „Das könnte unter Schmerzmittel gesetzt werden, damit es normal läuft.“ Es sollen nur Pferde mitlaufen, die gesund und trainiert sind. Die Ergebnisse der Blutproben kämen zwei Wochen nach der Untersuchung. „Bei einem Verstoß gibt es ein Verfahren nach dem Tierschutzgesetz“, sagte die Tierärztin. Das Testverfahren sei mittlerweile so sensitiv, dass sehr genaue Ergebnisse geliefert werden könnten.

Die Teams überprüfen laut Stadt insbesondere tierschutzrechtliche Aspekte. Bei Auffälligkeiten können die Tierärztinnen und Tierärzte eine Teilnahme des betroffenen Pferdes am Zug untersagen. „Der Rosenmontagszug ist lang und anstrengend für die Pferde“, sagte Augustiniok. „Aber sie gehen die gesamte Zeit im Schritt, was die langsamste Gangart ist.“ Alle eingesetzten Pferde machen vorher eine Gelassenheitsprüfung nach Vorgaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Jacques Tilly spricht sich gegen Pferde im Zug aus

Tierschutzverbände kritisieren die Prüfung jedoch, weil sie mit der Belastung des Rosenmontagszugs nicht vergleichbar sei. Das zeigt sich beim Vorbeiziehen einer Karnevalsgruppe, die während der Untersuchungen an den Pferden trommelnd  und pfeifend vorbeizieht: Einige Pferde legen die Ohren an und beginnen, unruhig zu wiehern.

Die Stimmen gegen Pferde im Rosenmontagszug werden laut dem Netzwerk für Tiere Köln (NTK) immer lauter. Das NTK verzeichne dieses Jahr einen Höchstwert an Unterstützern. Auch der bekannte Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat sich dagegen ausgesprochen: „Ich bin gegen den Einsatz von Pferden in den Rosenmontagszügen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte er laut einer Mitteilung der Tierrechtsorganisation Peta. Auch sei die Anzahl der Menschen angestiegen, die Foto- und Filmaufnahmen der Reiter und der Pferde machen. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden so bildhaft belegt und zur Anzeige gebracht.

Das Festkomitee Kölner Karneval, das den Rosenmontagsumzug veranstaltet, hält an den Tieren fest und verweist auf die „Leitlinien zum Umgang mit Pferden beim Einsatz in Karnevalsumzügen“. Laut dem Festkomitee gehen deren eigene Richtlinien noch über diese Leitlinien hinaus: „Unter anderem müssen Reiter, Pferd und Pferdebegleiter regelmäßig trainieren und Qualifikationsprüfungen ablegen“, erklärt Sprecherin Tanja Holthaus. „Kutscher, Reiter und Pferdebegleiter haben ganzjährig Kontakt zu Pferden, viele Reiter haben eigene Pferde. Das ermöglicht allen Beteiligten, den Zustand des Pferdes jederzeit gut einschätzen zu können.“