Kuckelkorn legt nach der Session sein Amt nieder – Er hat den Kölner Karneval in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt, modernisiert und zukunftsfähig gemacht.
Scheidender Festkomitee-PräsidentAbschied von Oberjeck und Ober-Ehrenamtler Christoph Kuckelkorn

Emotionaler Abschied: 21 Jahre lang war Christoph Kuckelkorn in verantwortlicher Position und ehrenamtlich für das Festkomitee im Einsatz.
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Das Motto seiner letzten Session hätte auch gut als Motto für seine gesamte Zeit in verantwortlicher Position beim Festkomitee Kölner Karneval herhalten können. „Alaaf - Mer dun et för Kölle“ – das ist eine Hommage an alle Ehrenamtlichen, die Köln am Laufen halten – im Karneval und überall sonst in der Stadt. Christoph Kuckelkorn ist als Festkomitee-Präsident seit 2017 sozusagen der Kölner Oberjeck, davor war er zwölf Jahre lang als Zugleiter für den Rosenmontagszug zuständig. Das Ehrenamt des Präsidenten ist vermutlich eines der intensivsten und zeitaufwendigsten der Stadt. Für Kuckelkorn nicht weniger als ein zweiter Hauptjob neben seinem eigentlichen Hauptjob als Bestatter. Nach 21 Jahren in verantwortlicher Position legt Kuckelkorn nach Aschermittwoch sein Amt nieder. Er hat den Karneval als Ehrenamtler nicht nur am Laufen gehalten, er hat ihn weiterentwickelt, modernisiert und zukunftsfähig gemacht. Auch er hat es für Köln getan.
2005 holte der neue Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach Kuckelkorn in den Vorstand. „Wir hatten keine Ahnung“, erinnert sich Ritterbach. „Es war ein bisschen wie Jugend forscht“. Und das, obwohl Kuckelkorn, der hauptberuflich als Bestatter arbeitet, der Karneval in die Wiege gelegt wurde, die karnevalistischen Wurzeln bei den Blauen Funken gehen in seiner Familie weit zurück. Bereits im Alter von fünf Jahren tanzte Kuckelkorn in der Kindertanzgruppe der Blauen Funken, später wurde er dort Senator. Was fehlte, war das Spezialwissen, dass er sich in den folgenden Jahren aneignete. Kuckelkorn war in diesem Team der Chaotisch-Kreative. Nicht selten kam es vor, dass er morgens mit fünf neuen Ideen im Kopf aufwachte.

Debüt als Zugleiter: Christoph Kuckelkorn präsentiert 2006 zum ersten Mal die Entwürfe für die Persiflagewagen im Rosenmontagszug.
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In seiner letzten Session hat Kuckelkorn seine präsidialen Aufgaben bereits weitestgehend an seinen Vorstand abgegeben. Für ihn sind die Wochen im Januar und Februar eine emotionale Abschiedstournee. Knapp 150 Gesellschaften sind dem Festkomitee als karnevalistischem Dachverband angeschlossen. „Alle Gesellschaften schaffe ich nicht, aber ich habe mich schon bemüht, möglichst viel abzudecken.“ Überall, wo er auftaucht, wird ihm große Dankbarkeit zu teil.
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Lebenslange Einladung zum Hämchen-Essen
Es gab wohl selten so viele Ehrungen für eine Person, wie in dieser Session für Kuckelkorn. Verdienstorden in Gold, Ernennungen zum Ehrenmitglied oder zum Ehrensenator. Das sei manchmal gar nicht so leicht für ihn, sagt Kuckelkorn. „Ich ehre gerne, aber ich werde nicht gerne geehrt. Doch ich nehme das gerne an, weil sich die Menschen überall viele Gedanken gemacht haben.“ Die Karnevalsfreunde Bickendorf etwa haben ihrem scheidenden Präsidenten eine lebenslange Einladung zum traditionellen Hämchen-Essen ausgesprochen, von der Stattgarde Colonia Ahoj gab es ein goldenes Ticket für alle Veranstaltungen der Gesellschaft. „So etwas ist eine tolle Wertschätzung“, sagt Kuckelkorn. „Das tut auch gut.“

Zwölf Jahre lang war Christoph Kuckelkorn für den Rosenmontagszug zuständig.
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Der Karneval weiß, was er Kuckelkorn zu verdanken hat. Als Zugleiter sorgte er dafür, dass der Zug durch die Einbindung von Kindern jünger wurde, aber auch inklusiver. Er professionalisierte die Abläufe, führte feste Rituale, etwa bei der Eröffnung des Zugs ein. Die politischen Persiflagewagen wurden aktueller, auch, weil der Zugleiter einige Wagen erstmals gezielt erst an Rosenmontag enthüllte. Oft erforderte das Amt oft aber auch kühles Abwägen und große Flexibilität unter hohem Druck. Immer wieder stellten unübersichtliche Sicherheitslagen, wie nach der Love-Parade-Katastrophe oder der Silvesternacht 2015, die Planungen in Frage, es gab heftige Debatten über Satire und Sicherheit wie nach den Anschlägen auf die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“. 2016 fand der Zoch trotz Sturmwarnungen statt, während die Züge in Düsseldorf oder Duisburg ausfielen.
2021, da war Kuckelkorn schon Präsident, rollte während der Pandemie ein Miniatur-Zug mit den Figuren des Hänneschen-Theaters durch die Wagenhalle. Wiederum ein Jahr war bereits alles für einen coronakonformen Zug im Rheinenergie-Stadion vorbereitet. Weil dann der russische Angriff auf die Ukraine die Welt schockte, wurden die Stadion-Pläne kurzerhand verworfen. Stattdessen zog eine riesige Friedensdemo durch Köln. Ein historischer Moment.

Markus Ritterbach übergab sein Präsidentenamt 2017 an Christoph Kuckelkorn.
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Als Präsident entwickelte Kuckelkorn den Karneval stärker als je zuvor zu einer gesellschaftlichen Stimme weiter. Dass ein FK-Präsident auf einer Demo gegen die AfD spricht – so etwas war neu. „Sobald du in der Öffentlichkeit stehst und eine Stimme hast, muss man sie nutzen, für Demokratie und gegen solche Auswüchse“, sagt Kuckelkorn heute. Auch in der Session 2025, als die Bundestagswahl mitten in die fünfte Jahreszeit fiel, bewies der Karneval Haltung. Das Festkomitee gab gemeinsam mit dem Dreigestirn die Richtung vor, in der Folge positionierten sich Präsidenten und Künstler auf so gut wie jeder Bühne für die Demokratie und gegen rechtsextreme Strömungen.
„Der Karneval ist in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Dornröschenschlaf erwacht“
„Der Karneval ist in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Dornröschenschlaf erwacht und zu einer gesellschaftlichen Kraft geworden“, findet Kuckelkorn. „Wir sind nicht nur ein Karnevalsverband, sondern haben gesellschaftliche Verantwortung übernommen. Dem müssen wir auch in Zukunft gerecht werden.“ Ein Höhepunkt war 2023 das 200-jährige Jubiläum des Kölner Karneval. Den Zug in Deutz starten zu lassen und über die Deutzer Brücke zu führen war ein logistisches Wagnis, aber ein emotionaler Gewinn.
Der Karneval wird Kuckelkorn nicht verlieren. Wenn er an Aschermittwoch aus seinem Amt ausscheidet, dann wird er wieder mehr Zeit für seine Blauen Funken, seiner karnevalistischen Heimat, haben. Auch seine Frau Katja wird sich auf mehr Zeit mit ihrem Mann freuen. „Ich falle sehr weich“, sagt Kuckelkorn. Das Loslassen von seinem Amt habe bereits im vergangenen Jahr begonnen, als die Entscheidung feststand. Das Amt des Festkomitee-Präsidenten ist ein ganzjähriges, außerhalb der Session wird der Karneval in Zukunft eine deutlich kleinere Rolle spielen. „Ich weiß nicht, wie sich das anfühlen wird.“
Hauptjob und Ehrenamt nicht mehr zu vereinbaren
Genug zu tun wird er weiterhin haben. Die Tätigkeit als Vorsitzender im Beirat eines bundesweiten Bestatter-Netzwerks fordert ihn zunehmend. Schnell war klar, dass Hauptjob und Ehrenamt nicht mehr miteinander zu vereinbaren sind. Es sei der richtige Moment für den Abschied vom Festkomitee, findet Kuckelkorn. Auch, um den Weg frei zu machen für neue Impulse. Sein Wunsch-Kandidat und aktueller Vize-Präsident Lutz Schade soll Kuckelkorns Weg weitergehen.
Wenn es drauf ankommt, wird Kuckelkorn dem Team im Festkomitee mit seiner Kreativität weiterhin als Berater zur Verfügung stehen. Die Ideen, die jeden Morgen beim Aufstehen kommen, müssen schließlich irgendwohin.
