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Rosenmontag in KölnPrinz Niklas I. kommt mit zwei Stunden Verspätung ins Ziel

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Prinz Niklas I. winkte den Jecken in der Südstadt.

Prinz Niklas I. winkte den Jecken in der Südstadt.

Extreme Wettersituation mit heftigen Regenfällen sorgte für viele Verzögerungen im Zug. 

Am Morgen ist sich Zugleiter Marc Michelske noch sicher. „Der Herrgott muss ne Kölsche sin“, freut er sich, als er den Rosenmontagszug an der Severinstorburg auf den Weg durch die Stadt schickt. Am Sonntag kamen bei dem einen oder anderen Jeck angesichts des Schneefalls zumindest kurzzeitig Zweifel daran auf. Genau wie am Nachmittag, als der Himmel seine Pforten zum wiederholten Mal öffnet und die Wetterfestigkeit der Jecken testet.

Wer sich vorab mit einem Regen-Cape ausgestattet hat, ist an diesem nasskalten Rosenmontag eindeutig im Vorteil. Beim stimmungsvollen Auftakt unter der Torburg spielt das aber erst einmal keine Rolle. Für die Eröffnung hat das Festkomitee einen Ehrenamtschor aus 250 Sängerinnen und Sängern formiert. Begleitet von einem 50 Personen starken Orchester singt der Chor kölsche Klassiker: „Einmal am Rhein“ von Willi Ostermann, „Verdamp lang her“ von Wolfgang Niedecken, bei „Mir han e Hätz für Kölle“ von den Bläck Fööss setzt sich der Zug schließlich in Bewegung. Ein starker Auftakt.

Freude bei den Gruppen des Rosenmontagszuges trotz Regen.

Freude bei den Gruppen des Rosenmontagszuges trotz Regen.

Würdiger Abschluss des Ehrenamts-Mottos

Der Ehrenamtschor repräsentiert all die Menschen, die genau dieses Herz für Köln tief in ihrem Selbstverständnis verankert haben und sich ehrenamtlich engagieren – ganz besonders im Kölner Karneval. Die Ehrenamtlichen sind für eine Stadt wie Köln unentbehrlich. Das Sessionsmotto „Alaaf – Mer dun et för Kölle“ stellt das vielfältige Engagement dieser Menschen daher so sehr in den Vordergrund wie nie zuvor in einer Session. Ein gelungenes Motto, das im Rosenmontagszug einen würdigen Abschluss findet.

Der Ehrenamtschor eröffnete den Rosenmontagszug.

Der Ehrenamtschor eröffnete den Rosenmontagszug.

Für die Zugleitung wird im Verlauf des Tages auch der Wind zu einer Herausforderung. Das ist aber nichts, was das erfahrene Team schockt. Vorsorglich werden einige Planen am Zugweg zusammengerollt. Als am Nachmittag eine Gewitterfront an Köln vorbeizieht, nimmt das Festkomitee vorsorglich alle Pferde aus dem Zug.

Zwei der 21 Motivwagen des Festkomitees bringen das Ehrenamts-Thema über den Ehrenamtschor hinaus in den Zoch. Die Heinzelmännchen waren bereits bei den Schull- un Veedelszöch am Sonntag ein beliebtes Motiv zur Würdigung des Ehrenamts, auf einem Rosenmontagszugs-Wagen umringen sie das herzförmige Kölner Stadtwappen: „Mer dun et, weil mer keine (H)Einzelmännchen sin“.

Auch die Heinzelmännchen fanden ihren Platz im Rosenmontagszug.

Auch die Heinzelmännchen fanden ihren Platz im Rosenmontagszug.

Ehrenamt geht nur im Team, so die Aussage. Bedroht ist das Ehrenamt aber durch die steigende Anzahl an Übergriffen. Auch das ist ein Thema des Zochs. Mit blauen Augen sind der Mann von der Freiwilligen Feuerwehr und der Sanitäter auf einem der Wagen davongekommen. „Mer dun et nit mieh lang“, warnt der Wagentitel.

Die restlichen Persiflagewagen greifen das Sessionsmotto in abgewandelter Form auf und erklären, wer in Köln und auf der ganzen Welt was für wen tut. Eine Kostprobe: „Mer dun et för de jode Geschmack“ – mit diesem Titel ist der Wagen versehen, auf dem US-Präsident Donald Trump der Welt sein blankes Hinterteil entgegenstreckt. EU, NATO, FIFA, Merz, Macron und Co. nehmen das Angebot dankend an und verewigen unterwürfig ihre Lippen auf den beiden Backen des Präsidenten.

Kritik am Umgang mit Donald Trump übte dieser Wagen.

Kritik am Umgang mit Donald Trump übte dieser Wagen.

Viel Haut zeigen auch Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil, die sich im Fetisch-Kostüm lieber gegenseitig den Hintern versohlen, als die vielen Probleme der Regierung anzugehen – „Mer dun et och wenn et wieh deit“. Die Darstellungen im zweiten Zug in der Verantwortung von Zugleiter Marc Michelske sind für Kölner Verhältnisse bissig wie selten, sorgen dadurch aber umso mehr für Gesprächsstoff am Zugweg.

Putin nicht Teil der Presiflage in Köln

Einen Wagen hat das Festkomitee auch in diesem Jahr bis Rosenmontag unter Verschluss gehalten. Er zeigt den iranischen Machthaber Ali Chamenei. Die Proteste der iranischen Zivilisten, die für Freiheit auf die Straße gehen, unterbindet er, indem er sie einfach auffrisst. Ein blutiger, aber gelungener Wagen mit der Überschrift: „Mer dun et för den Gottesstaat“.

Dieser Mottowagen wurde erst am Tag des Rosenmontagszuges enthüllt. Er zeigte den iranischen Machthaber Ali Chamenei.

Dieser Mottowagen wurde erst am Tag des Rosenmontagszuges enthüllt. Er zeigte den iranischen Machthaber Ali Chamenei.

Wladimir Putin ist anders als in vielen Jahren zuvor nicht Teil einer Persiflage. Zugleiter Michelske überlässt das Thema seinem Düsseldorfer Kollegen Jacques Tilly, der sich aufgrund seiner bissigen Persiflagen derzeit mit der russischen Justiz herumschlagen muss.

Ein Statement setzt in diesem Thema aber auch Köln. Gleich zu Beginn des Zugs präsentiert eine Gruppe des Blau-Gelben Kreuzes frühere Satiremotive aus dem Düsseldorfer und dem Kölner Zug. „Mer all sin Tilly“, steht solidarisch auf dem Wagen von Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn, der gut gelaunt und geschminkt als Clown durch die Stadt fährt.

Christoph Kuckelkorn setzte ein solidarisches Zeichen.

Christoph Kuckelkorn setzte ein solidarisches Zeichen.

Für Kuckelkorn schließt sich an Rosenmontag auch ein über 20 Jahre großer Kreis. Mit auf seinem Wagen fährt sein Präsidenten-Vorgänger Markus Ritterbach, der ihn einst in den Festkomitee-Vorstand holte. Nach der Session legt der Kölner Oberjeck sein Amt nieder.

Als Prinz Niklas I. bei strömendem Regen am Zugende ankommt, ist es bereits dunkel. Mit gut zwei Stunden Verspätung kommt der Zug schließlich in der Gregorius-Maurus-Straße an. Zehntausende Jecken kommen an diesem Tag frierend und völlig durchnässt nach Hause. Trotz der extremen Wetterlage haben sie jede Menge Frohsinn verbreitet.