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Kölner KarnevalÜber 10.000 Jecke strömten zum 50. Funkenbiwak

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Das Tanzpaar der Roten Funken, Judith Gerwing und Florian Gorny, tanzte zum letzten Mal.

Das Tanzpaar der Roten Funken, Judith Gerwing und Florian Gorny, tanzte zum letzten Mal.

Das Tanzpaar der Roten Funken trat zu ihrem traditionellen Biwak auf dem Neumarkt zum letzten Mal auf. Alaaf wurde als Friedensgruß ausgerufen.

Die Roten Funken hatten wohl kaum mit einem solchen Andrang zu ihrem traditionellen Biwak auf dem Neumarkt gerechnet. Statt der maximal erwarteten 10 000 Jecken dürften sich im Laufe des vierstündigen Karnevalstreibens auf dem Neumarkt wenigstens tausend mehr Jecken geknubbelt haben. Auf dem inzwischen 50. Funkenbiwak stimmten Gäste aus der Schweiz, die Guggen-Musikkapelle „Schotteclique“, ein. Gekonnt boten die Dudelsackspieler, Bläser und Percussionisten auch die kölsche Hymne „Du bes die Stadt“ dar.

„Ein herrlicher Anblick“, schwärmte Willi Stollenwerk von den Bildern, die sowohl die bunt kostümierte Menge als auch die Mitwirkenden auf der Bühne abgaben. Der Funken-Vize moderierte die Show, bis Präsident Heinz-Günther Hunold mit dem ältesten Traditionskorps in der Domstadt einmarschiert war. Mittendrin Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die als erste weibliche Funkin auf den Namen Agrippina Courage hört, Alt-OB Jürgen Roters und eine Delegation des New Yorker Funken-Ablegers „Red Sparks“.

Alaaf wurde als Friedensgruß in die Ukraine geschickt

„In den Gewehren, die nicht schießen können und auch nicht sollen, haben wir Blumen“, erklärte Hunold diesmal besonders deutlich. Denn trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine an Weiberfastnacht 2022 hatten die Funken auch vor einem Jahr ihr Zeltlager auf dem Exerzierplatz der Stadtsoldaten in der preußischen Besatzungszeit aufgeschlagen. Als sich 1823 das Festkomitee Kölner Karneval, das den ersten Rosenmontagszug organisierte, und gleichzeitig die Roten Funken gründeten, muss dort laut alten Dokumenten ein ähnlich ausgelassenes Treiben geherrscht haben wie heute.

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Ohne darüber die Krisen in der Welt zu vergessen: Ein Alaaf wurde als karnevalistischer Friedensgruß in die Ukraine geschickt. Ein Abschied träufelt einen kleinen Wermutstropfen in die Jubiläumssession „200 Jahre Kölner Karneval“. Das Tanzpaar der Roten Funken, Judith Gerwing und Florian Gorny, verlässt die Bühne. Noch einmal brillierten die fünfmaligen Sieger der Tanzpaar-Wahl mit Choreographien zu einem Medley beliebter Karnevalslieder, darunter „Ov krüzz oder quer“, woraus das Sessionsmotto stammt.

Platz für den Stippeföttche-Tanz  war so knapp, dass sich einige Funken unters Publikum mischten

Weil sich die Hellige Knäächte un Mägde, ebenfalls ein Jubilar, der 1823 im ersten Rosenmontagszug dabei war, bei den Roten Funken auf der Bühne einreihten, wurde der Platz für den Stippeföttche-Tanz so knapp, dass einige Funken von den Brettern herabstiegen und sich unters Publikum mischten. Darunter Martin, der auf den Spitznamen „Hasi Palau“ nach einem beliebten Karnevalsschlachtruf im Sauerland hört. „Ich komme aus Paderborn und bin jetzt Roter Funk“, erklärte „Hasi Palau“ und präsentierte stolz seine rot-weiße Uniform. Nicht nur etliche „Imis“, auch sechs Spielmannszüge brachten die Funken zusammen.

Kostproben der „geballten Ladung Musikalität im Karneval“, so Hunold, gaben die Nippeser Bürgerwehr, die Bürgergarde blau-gold, die Altstädter, das Reiter-Korps Jan von Werth, die KG Treuer Husar blau-gelb und natürlich der Gastgeber selbst. „Da kommen so Brüder“, hieß es danach bei Sichtung der Blauen Funken, während die Band Lupo noch „CCAA Claudia Colonia Agrippina“ rockte. Ebenso fröhlich unterhielten die Newcomer-Mundartband Eldorado und die Altstädter, bis das Dreigestirn zum großen Finale seine Aufwartung machte.

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