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Brandanschlag auf der Ehrenstraße18-Jähriger muss sich nach Feuerattacke auf „LFDY“ vor Gericht verantworten

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Das angesagte Modegeschäft „LFDY“ wurde bei dem Brandanschlag verwüstet.

Das angesagte Modegeschäft „LFDY“ wurde bei dem Brandanschlag verwüstet.

Mit diesem Prozess steht in dem Zusammenhang mit dem Kölner Drogenkrieg erstmal ein jugendlicher Straftäter vor dem Gericht, der mutmaßlich für seine Tat bezahlt wurde.

Im Kölner Drogenkrieg sind bereits zahlreiche lange Haftstrafen verhängt worden. Am kommenden Donnerstag geht die juristische Aufarbeitung vor dem Kölner Amtsgericht weiter. Diesmal geht es um die aufsehenerregende Explosion in dem bekannten Modeladen „Live Fast Die Young“ auf der Ehrenstraße im September 2024. Ab 11 Uhr muss ein Heranwachsender im Saal 10 auf der Anklagebank Platz nehmen. Dem zur Tatzeit 18-Jährigen wird vorgeworfen, das Geschäft in Brand gesetzt zu haben.

Mit diesem Prozess steht in dem Zusammenhang mit dem Drogenkrieg erstmal ein jugendlicher Straftäter vor dem Gericht, der mutmaßlich für seine Tat bezahlt wurde. Der 18-Jährige hatte den Anschlag als Auftragsarbeit erledigt, heißt es von der Kölner Staatsanwaltschaft. Kölns Kripochef Michael Esser nennt das Phänomen „Crime as a service“. Das bedeutet, Aufträge für Anschläge oder andere Gewaltdelikte auszuführen, ohne selbst in die Auseinandersetzung involviert zu sein. Für die Taten sollen die Täter Geldbeträge bekommen oder die Aussicht, in einer kriminellen Bande aufsteigen zu können.

Kölner Drogenkrieg: Angeklagter wegen anderer Straftat in Haft

Ein halbes Jahr nach einem Brandanschlag auf das Modegeschäft „LFDY“ in der Innenstadt war in den Niederlanden ein 18 Jahre alter Tatverdächtiger ermittelt worden. Der mutmaßliche Brandstifter sitzt bereits wegen einer anderen Straftat in Haft. Ihm wird ein Raubüberfall in den Niederlanden vorgeworfen. Ein Auslieferungsverfahren werde geprüft, sagte damals Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer der Rundschau. Bei Durchsuchungen war die Tatkleidung sichergestellt worden.

Der Heranwachsende soll in den Morgenstunden die Schaufenster des Modegeschäfts eingeschlagen und dann einen Brandsatz gezündet haben. Das Geschäft wurden verwüstet. Die Räume mussten saniert werden. Mittlerweile ist der Laden wieder geöffnet.

Der mutmaßliche Drahtzieher (23) im Kölner Drogenkrieg, Sermet A., soll hinter dem Brandanschlag stecken. Die Brandattacke habe einer Geldforderung Nachdruck verleihen sollen, heißt es in der Anklage gegen den Mann. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, soll Sermet A. persönlich den Auftrag für den Brandanschlag gegeben haben. Ein Mittelsmann soll dann an den 18-Jährigen herangetreten und ihm konkrete Anweisungen für die Tat im Geschäft gegeben haben.

Der 23-Jährige soll unter anderem für mehrere Explosionen verantwortlich sein. Dem Bandenboss wird ab dem 8. Dezember 2025 unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht der Prozess gemacht.

Mann versuchte, Feuer mit Kleidung zu ersticken

Nach dem Feuer auf der Ehrenstraße kam es zu einer dramatischen Situation. Ein Radfahrer (39) fuhr an dem brennenden Geschäft vorbei, blieb stehen und lief in den Laden. Auf einem Video einer Anwohnerin ist zu sehen, wie der Mann immer wieder Kleidung aus dem Geschäft auf die Straße wirft. Mit anderen Kleidungsstücken versuchte der Mann die Flammen zu ersticken. „Er versuchte, den Brand einzudämmen“, sagte eine Polizistin. Der 39-Jährige wurde von Rettungskräften wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung versorgt und zur Vernehmung auf eine Wache gefahren. Die Polizei hatte den Verdächtigen mit Bildern einer Überwachungskamera aus dem Kölner Hauptbahnhof gesucht. Der Gesuchte war nach der Tat zum Hauptbahnhof geflüchtet und war dort in die S-Bahn nach Düsseldorf gestiegen. Die Ermittler waren dem 18-Jährigen unter anderem durch die Auswertung von Handydaten auf die Spur gekommen.

Möglicherweise werden in dem Prozess auch mehr über die Hintergründe der Auftraggeber des Brandanschlages bekannt. Die Hintermänner sollen laut Polizei in den Niederlanden wohnen. „Es gibt da ein Täterspektrum in der organisierten Kriminalität, das sehr jung ist und gleichzeitig absolut brutal. Diese Täter wollen sich schnell in den Markt bringen, in Hierarchien aufsteigen, und dafür sind sie bereit, praktisch jedes Risiko einzugehen“, teilte die Polizeigewerkschaft mit. Auch die internationale Polizeibehörde Interpol äußerte sich zu dem Phänomen. Die Drahtzieher sprechen in sozialen Medien gezielt 13- bis 17-Jährige an. Tage vor dem Brandanschlag auf das Modegeschäft gab es eine Feuer-Attacke auf die Disko „Vanity“ auf dem Hohenzollernring. Ein 16-Jähriger wurde festgenommen und später von der Haft verschont.

Ob der Jugendliche ebenfalls einen Auftrag gegen Geld für einen Anschlag bekommen hat, ist nicht bekannt.