- Es sind Werskferien bei Ford in Niehl, die Produktion steht still
- Nichtsdestotrotz ist viel zu tun – es wird instandgesetzt, aufgeräumt und automatisiert
- Das passiert in diesen Tagen in der Produktion
Köln – Halbfertige Fiestas hintereinander – ein dunkelroter, ein hellroter, ein blauer, ein silberner, zugedeckt mit einer durchsichtigen Plastikfolie. Seit einer Woche ruht die Produktion beim Kölner Autobauer. Werksferien. Die Autos, die noch auf den Bändern standen, als die Schicht zu Ende ging, wurden heruntergehoben und auf kleine, rollende Podeste platziert – eigene Reifen haben sie ja noch nicht.
Sie stehen dort nicht einfach so, „sondern nach einer festgelegten Reihenfolge. Alle Wagen sind durchnummeriert“, erklärt Wolfgang Huth (58), Meister in der Instandhaltung. „Nicht, dass am Ende eine rote Tür an ein blaues Auto kommt“, scherzt er.

Spezialisten programmieren Roboter.
Copyright: Belibasakis
Warum müssen die Wagen überhaupt runter vom Band? In den Ferien ist hier Gelegenheit zum Aufräumen, Saubermachen – und auch für Malerarbeiten. Es riecht nach Farbe, was nichts mit den Autos zu tun hat: In der Halle werden Markierungen nachgezogen. „Die Instandhaltung ist eine der wichtigsten Aufgaben in den Werksferien“, sagt Ford-Sprecher Marko Belser. Außerdem kommt der Tüv zur jährlichen Inspektion vorbei und nimmt die Anlage ab. Eine Handvoll Mitarbeiter von 3300 ist in der Fertigung geblieben und arbeitet weiter. Ihren Urlaub nehmen sie zu einer anderen Zeit, „irgendwann im September“, sagt Wolfgang Huth.
Am 30 Meter hohen Ford-Turm ist schweres Gerät im Einsatz. Der Turm dient als Zwischenspeicher und hat Platz für 350 lackierte Karosserien, die kurz vor der Endmontage stehen. Lange bleiben sie hier nicht. „Der Turm wird theoretisch viermal am Tag leer und wieder gefüllt“, erklärt Projektleiterin Susanne Schüller (27). Vier „Regalbediengeräte“ transportieren die Karosserien auf ihre Plätze. Eines davon wird nun ausgetauscht. Dazu musste die Wand des Ford-Turms geöffnet werden. Arbeiter schrauben das neue Spezialgerät derweil auf dem Boden zusammen, ein 300-Tonnen-Kran wird es Anfang der Woche in den Turm heben.

Für den Ford-Turm wird ein neues Bediengerät gebaut.
Copyright: Belibasakis
Weil Ferien sind, befinden sich derzeit „nur“ noch etwa 230 Karosserien über zwölf Etagen im Turm. Welche Farben gerade besonders gefragt sind, ist hier gut zu sehen: viel Weiß und Schwarz, etwas Blau, mittendrin ein Exemplar in Knallorange – es gehört zu einer limitierten Edition für den englischen Markt.
Ford-Fakten
Alle 72 Sekunden laufen in Niehl zwei Fiesta vom Band. Im vergangenen Jahr wurden 272 000 Autos produziert. Ein Fiesta besteht aus rund 4300 Teilen. 1300 Roboter sind beim Bau im Einsatz. 84 Prozent der in Köln gefertigten Fiesta-Modelle sind für den Export bestimmt.
Einen Stellenabbau hat Ford im März angekündigt. In Köln fallen wohl 3800 Stellen weg. Der Standort hat insgesamt 18 500 Mitarbeiter. Es gibt Abfindungsangebote. (kl)
Jedes Jahr in den Werksferien werden die großen Becken der Lackabscheideanlage gereinigt und ausgebaggert. Die Farbe, die beim Lackieren am Auto vorbeigesprüht wird, wird von Wasser aufgenommen und in einer der drei Bassins geleitet. Ein bestimmtes Verfahren trennt das Wasser wieder von den festen Lackteilen. Übrig bleiben etwa 300 Tonnen Lackschlamm, die letztlich aus dem Becken gebaggert werden. Der Schlamm ist rötlichbraun und riecht streng. „Das liegt an den Basiselementen in den Lacken“, erklärt Daniel Schulz (32), Leiter der Instandhaltung Lackiererei.

Auf dem Gelände wird Lackschlamm weggebaggert.
Copyright: Belibasakis
Für den Rohbau wird gerade – wie am Ford-Turm – ein Millionenbetrag investiert. 16 neue Roboter wurden angeschafft, zusammen mit sechs weiteren fertigen sie künftig die Seitenwände für den Fiesta. „Es ist eines der größten Projekte, die wir in den letzten Jahren automatisierungstechnisch umgesetzt haben“, erklärt Uwe Weins (51), Produktionsleiter Rohbau.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Transportwege für die Seitenteile werden dadurch verkürzt, außerdem müssen sie nicht mehr angefasst werden. Die Roboter stehen schon in ihrer neuen Einheit zusammen und werden entsprechend programmiert. Seit Oktober wurde an dem Projekt geplant. In der letzten Woche der Werksferien laufen die letzten Tests. Am Montag, 26. August, 6 Uhr, beginnt die erste Schicht. „Dann muss sofort wieder ein Rädchen ins andere greifen“, sagt Uwe Weins.

