„Schlussworte“ heißt das Format von Meike Wengler, die mit einem Trauerbegleiter darüber sprach, wie man besser mit Betroffenen umgehen kann.
Live-Podcast bei Kölner Bestatter„Trauer ist ein Zustand, kein Gefühl, und sie bleibt für immer“

Trauerbegleiter Benni Bauerdick zu Gast bei Meike Wengler im Bestattungshaus Kuckelkorn in der Südstadt.
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„Ich komme noch aus der Generation: Tränen wegwischen und weitermachen. Mit Sätzen wie ‚Sei stark, du bist ein Mann‘ oder ‚Männer weinen nicht‘ bin ich aufgewachsen“, erinnert sich Benni Bauerdick. Er kennt sich aus mit Trauer, nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch auf professioneller. Vor über zehn Jahren verstarben sein Vater und seine Oma plötzlich innerhalb von nur drei Tagen. Im vergangenen Sommer verlor er seine Mutter. „Trauer ist ein Zustand, kein Gefühl, und sie bleibt für immer bei einem, nur der Schmerz wird mit der Zeit weniger“, sagt der WDR-Moderator, Podcaster und Autor.
Im Live-Podcast „Schlussworte“ von Meike Wengler sprach Bauerdick am vergangenen Mittwoch im Bestattungshaus Kuckelkorn über die Gründe, weshalb Berührungsängste mit Trauernden abgebaut werden müssen und es wichtig sei, der Trauer Raum zu geben. Viele Menschen seien überfordert und hätten Angst, etwas Falsches zu sagen. „Doch das ist wie beim Erste-Hilfe-Leisten: Nichts zu tun, ist am schlimmsten“, sagt Bauerdick.
Es gäbe allerdings auch Sätze wie „Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „Alles wird wieder gut“, die gar nicht helfen würden. „Das kann in der Trauer verletzend sein.“ Vielmehr helfe es den Betroffenen, wenn das Gegenüber konkrete Angebote mache. Statt zu fragen „Was brauchst du?“ könne es hilfreich sein, etwas zu kochen und der Person das Essen vor die Tür zu stellen. Bauerdick betont, wie wichtig es sei, authentisch zu bleiben, um Freunde oder Verwandte in ihrem Trauerprozess zu unterstützen: „Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, schreib das.“
Doch das ist wie beim Erste-Hilfe-Leisten: Nichts zu tun, ist am schlimmsten.
Gemeinsam mit Podcast-Kollegin Mechthild Schroeter-Rupieper spricht Bauerdick im eigenen Podcast „Todesmutig“ über die Trauer, den Verlust, den Tod und das Weiterleben. Nun haben die beiden das Buch „Ich bin todesmutig – vom Umgang mit Trauer im Leben“ geschrieben. Darin teilen sie ihre Erfahrungen als zertifizierte Trauerbegleiterin und Trauerbegleiter und möchten mit Tabus brechen.
Der Moderator wird in seinem Alltag als Trauerbegleiter auch mit der eigenen Trauer konfrontiert. Mittlerweile weiß er, was ihm guttut, und auch sein Umfeld unterstütze ihn dabei: „Am Geburtstag meiner verstorbenen Mutter hat mich eine Freundin gefragt, ob wir abends einen Sekt zusammen auf meine Mama trinken wollen. Sowas hilft total.“
Doch das Thema Trauer ist laut Bauerdick tabuisiert und mit viel Hilflosigkeit und Angst besetzt. Die fehlende Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, spiele eine Rolle dabei. „Wir gehen mit einer Selbstverständlichkeit durchs Leben und denken, uns passiert so was nicht, bis es doch passiert. Trauer ist nicht wirklich präsent in unserer Gesellschaft.“
Trauer kann viele Gründe haben
Trauer kann laut Bauerdick neben dem Tod eines geliebten Menschen viele weitere Gründe haben, wie den plötzlichen Verlust des Arbeitsplatzes oder Liebeskummer. Die Trauer zu verdrängen sei in jedem Fall ungesund. „Das ist wie ein Kochtopf mit Wasser: Stellt man die Platte auf neun und legt den Deckel drauf, wird er irgendwann überkochen“, verbildlicht er. Vielmehr solle man die Platte auf vier stellen und den Deckel schräg auflegen, also Trauer Raum geben, Gefühle auch mal aushalten und die Tränen laufen lassen.
Der Moderator appelliert an die Gesellschaft, mutig und geduldig im Umgang mit der eigenen und der Trauer von anderen Betroffenen zu sein: „Ich werde meine Mutter immer vermissen und um sie trauern, es tut mit der Zeit nur weniger weh. Wir müssen die Trauer aus der Tabuecke holen und anfangen, darüber zu reden.“
