Chinesische Kaffee-Kette „Cotti Coffee“ verkauft Espresso für 99 Cent – Was das für den Kölner Kaffee-Markt heißt.
„Cotti Coffee“ auch in Köln gestartetBillig-Kaffee gegen Barista-Handwerk in der Südstadt

Die Filiale von „Cotti Coffee“ auf der Bonner Straße.
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In der Südstadt gehören kleine, persönlich geführte Cafés seit Jahren zum Stadtbild. Das ist auch Alexandra Hörsken zu verdanken. Sie und ihre Geschäftspartnerin Dagmar Göbel betreiben seit zwölf Jahren das Café „Einspänner“: „Wir haben zu den ersten Cafés hier gehört.“ Nach und nach haben sich weitere Cafés angesiedelt, die einen ähnlichen Ansatz wie sie verfolgen: Die Gäste kommen nicht nur wegen des Kaffees, sondern auch wegen der Atmosphäre, der Gespräche und der vertrauten Gesichter hinter der Theke. Doch zwischen die Veedelslokale hat sich seit Kurzem ein neuer Anbieter angesiedelt: Cotti Coffee, die seit Anfang des Jahres drei Filialen in Kölner eröffnet haben – darunter eine auf der Bonner Straße, gegenüber vom „Einspänner“.
Während Cotti Coffee in Köln noch ein Neuling ist, ist die die Kaffeekette anderswo längst ein Gigant. Cotti Coffee ist eine chinesische Kaffeekette, die zwar erst im August 2022 gegründet wurde, seitdem aber rasant gewachsen ist: Die Kette betreibt inzwischen über 18.000 Filialen in 28 Ländern. Damit ist sie, nach Firmenangaben, hinter Starbucks und dem chinesischen Kaffeekonkurrenten Luckin Coffee, die drittgrößte Kaffeekette der Welt. In der Filiale in der Südstadt empfängt einen das Konterfei von Lionel Messi – Cotti Coffee ist Sponsor der argentinischen Fußballnationalmannschaft.
Der Blick auf die großen LED-Tafeln hinter der Theke zeigt: Ein Espresso oder Americano kosten 1,99 Euro, ein Café Latte 2,99 Euro. Zur Eröffnung gibt es ein besonderes Angebot: Die drei ersten Getränke kosten alle 1,99 Euro, der Espresso nur 99 Cent. Dieses Angebot gilt aber nur für diejenigen, die sich in der App oder im Online-Shop anmelden. Über die App können Kunden „Wochen-Specials“ einsehen. Zum Beispiel 3,39 Euro für ein beliebiges Getränk, was sich bei Fruchtsirup-Latte-Getränk, das sonst fast fünf Euro kostet, lohnt.
„Cotti Coffee“ wirbt mit App-Angeboten
Auf eine Anfrage, wie der Kaffee so billig angeboten werden kann, reagiert das Unternehmen nicht. Im Gespräch in der Filiale in der Südstadt gibt es ebenfalls keine Auskunft, stattdessen wird auf die App-Angebote verwiesen. Neben den Preisvorteilen, auf die eine internationale Kette zurückgreifen kann, finden sich weitere Erklärungen beim Lokalbesuch. Anstatt aus einer Siebträgermaschine kommt der Kaffee aus einem Vollautomaten, serviert wird in Papp- oder Plastikbechern. Porzellan- oder Keramiktassen gibt es nicht. Bei Cotti geht es um Effizienz: Die App zeigt sogar an, wann die Bestellung voraussichtlich verfügbar ist. Durch die digitale Vorbestellung sowie das einfache Betätigen des Automaten gibt es minimalen Kundenkontakt, es werden weniger Mitarbeiter benötigt – und die damit verbundenen Personalkosten.
„Wenn unsere Klientel darauf anspringen würde, wäre das unser Ruin“, sagt Alexandra Hörsken, die derzeit einen neuen Laden renoviert. „Als große Kette kann man anders kalkulieren, anders kann man es sich nicht leisten, so billigen Kaffee anzubieten.“ Ein Espresso im „Einspänner“ kostet 2,20 Euro. Hörsken macht sich aber keine Sorgen, schließlich spreche ihr Café eine andere Kundschaft an: „Wir kennen unsere Gäste und ihre Geschichten und sie kennen uns. Wir haben als Café eine Persönlichkeit und Kundenbindung über die Jahre aufgebaut.“ Zum Einspänner komme man nicht nur für den schnellen Koffein-Kick, sondern um Zeit zu verbringen: „Das ist nicht so leicht, uns einfach durch billigen Kaffee zu ersetzen.“
Auch ein paar Hausnummern weiter zeigt man sich unbeeindruckt. „Wir blicken ohne Sorge auf die Eröffnung von Cotti Coffee“, sagt Sebastian vom Café Einbrand. Er ist Kaffeeröster und Chef-Barista in dem kleinen Lokal. „Die Gäste kommen zu uns wegen dem guten Kaffee. Cotti möchte hauptsächlich junge Leute mit wenig Geld anlocken, die das dortige WLAN nutzen. Das ist eine andere Zielgruppe.“ Er selbst habe den Cotti-Kaffee noch nicht ausprobiert, habe aber von Kollegen gehört, dass „der kleine Cappuccino größer ist als alles, was wir bei uns anbieten.“
„Ich weiß nicht, ob die Anwohner Bock haben auf so einen Laden“, sagt der Barista. „Ich finde es gehört hier nicht hin.“ Ganz so weit geht Hörsken vom Einspänner nicht, aber sie ist überzeugt davon, dass die Kölner Cafés vor der Billigkonkurrenz keine Sorge haben müssen: „Dieses Gefühl, das wir hier in der Südstadt haben – das können die Führungskräfte von Cotti Coffee gar nicht lernen.“
