Fußball in der KneipeSo reagieren Wirte auf den Abstieg des FC

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FC-Fans in der Ubierschänke

Fassungslosigkeit und Entsetzen: FC-Fans verfolgen in der Ubierschänke in der Südstadt den Abstieg.

Nach dem Abstieg des FC sind die Tränen noch nicht getrocknet, die Wirte müssen sich auf andere Sender und Anstoßzeiten einstellen.

Seit der Relegation ist klar: Im Unterhaus winkt dem FC ein Rheinduell mit Fortuna Düsseldorf. Auch Traditionsclubs wie der Hamburger SV, Schalke 04 und Hertha BSC zählen zu den Gegnern. Bleiben die Fans und Gastronomen dem FC auch in der Zweiten Liga treu? Die Meinungen in den Kölner Kneipen und Restaurants sind einhellig: Der 1. FC Köln bleibt die Nummer 1, die Live-Spiele werden auch nächste Saison ausnahmslos gezeigt. Wir haben uns bei sechs bewährten FC-Kneipen erkundigt, wie die Live-Übertragungen des FC nach der Sommerpause ablaufen werden:

Im „Alt Neppes“ auf der Neusser Straße hat Inhaberin Helga Faust das Sagen. Auch was den FC angeht: „Wenn du einmal einen Verein hast, dann behältst du den auch“, lacht die Besitzerin der Kult-Kneipe. „Zudem haben wir ein eingeschworenes Klientel, was dem FC immer die Treue hält.“

Daher werde man natürlich weiterhin alle FC-Spiele auf Sky in der Zweiten Bundesliga zeigen. Allerdings wolle man den Vertrag mit DAZN kündigen: „Die zeigen ja keine 2. Liga, sondern nur Bundesliga und internationale Spiele. Aber warum sollen wir 4500 Euro extra zahlen für Vereine, die keiner sehen will – zum Beispiel Leverkusen!“ Der Humor ist den Kölnern auch nach dem Abstieg nicht vergangen.

Auch alle EM-Spiele werden im Alt Neppes gezeigt. „Wir hoffen natürlich auf tolle EM-Stimmung in unserer Kneipe.“ Die Kaschemm enthält bis auf die Fenster ihren Original-Bestand aus der Gründungszeit. Allerdings kann man die Spiele nur im Innenbereich schauen: „Außenplätze mit Fernsehbereich sind bei uns verkehrsbedingt leider nicht möglich“, weiß Helga Faust.

Viele Spiele werden mittags angepfiffen

Dass Sky und DAZN teuer sind, merken nicht nur Privatkunden. Vierstellige Beträge müssen Gastronomen pro Anbieter auf den Tresen legen, um die Spiele pro Saison auszustrahlen. In der Südstadt ist man sich dessen bewusst: „Wir haben Sky, DAZN und Magenta-TV – das ist extrem teuer. Da muss man verdammt viel Bier für verkaufen“, lacht Nicole Nacke, die in der „Ubierschänke“ hinter dem Tresen steht.

Sie glaubt nicht, dass sich durch den Abstieg der Umsatz verändern wird. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass die absteigen, die Leute werden trotzdem kommen. Die Anstoßzeiten in der Zweiten Liga sind ungünstig, aber wir zeigen trotzdem alle FC-Spiele nächste Saison.“ Der FC wird ab August viele Spiele mittags bestreiten müssen: Samstags finden die Partien meist um 13 Uhr statt, sonntags um 13.30 Uhr.

In der Ubierschänke kann man den FC auch draußen gucken, genau wie die EM-Spiele. „Klar, wir zeigen alle EM-Spiele – wir sind halt eine Fußballkneipe“, lacht Nacke. Draußen finden 30 Gäste vor einem Bildschirm Platz, im Innenbereich können rund 80 Fans ihre Mannschaft in einer der traditionsreichsten kölschen Kneipen der Südstadt anfeuern.

Nachfrage werde sich bei FC-Fans nicht ändern

Weiter nach Sülz: In der „Südkurve“ wird auch schon sein rund 20 Jahren der FC live gezeigt. „Wir sind dem FC fest verpflichtet, werden immer alle Spiele zeigen. Aber auch Bundesliga, Champions League und Europameisterschaft – bei uns gibt es alles“, betont Frank Wiechert, das „Mädchen für alles“ in der Sülzer Eckkneipe.

Die Nachfrage werde sich bei den FC-Fans nicht ändern, da ist Wiechert sicher: „Allerdings könnte so mancher von den Anstoßzeiten abgeschreckt werden“, gibt er zu bedenken. Alle FC- und EM-Spiele kann man im Innenbereich schauen – bis zu 70 Fans finden in der Südkurve Platz.

Nahe der Zülpicher Straße befindet sich seit 1971 mit „Gilbert’s Pinte“ ein absolutes Kult-Lokal, welches ebenfalls alle FC-Spiele live zeigt – auch in der Zweiten Liga. „Wir haben immer den FC gezeigt und bleiben dabei“, erklärt Harald Häußler, seit Jahrzehnten Urgestein im Gilbert’s. In Gilbert’s Pinte hat schon Peter Neururer als Student gekellnert – der Laden bietet drinnen rund 120 Gästen Platz, hat zudem rund 100 Außenplätze.

Alles bleibt, wie es ist – den FC würden wir nicht aufgeben.
Karoline Köckeritz, Chefin im Linkewitz

Egal welches Veedel, alle Kölner Kneipen scheinen dem FC treu zu bleiben und auch die EM zu zeigen – so auch das „Hemmer“ in Ehrenfeld, „Am Eigelsteintor“ im Norden der Altstadt oder das „Gaffel im Linkewitz“ in Niehl. „Alles bleibt, wie es ist – den FC würden wir nicht aufgeben“, verkündet Linkewitz-Chefin Karoline Köckeritz die von den Kneipen vertretene Meinung.

„Wir sind alle FC-Fans, egal welche Liga. Man schwört sich, den Verein nie mehr wieder sehen zu wollen – und kommt dann doch in der nächsten Woche auf seinen Stammplatz zurück.“ So ist der Kölner – und das ist auch gut so.

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