Anwohnende des Pantaleonsviertels trafen sich zur Bürgerversammlung. Der Andrang war groß. Klar ist: Die Pläne des Kölner OB treffen auf großen Widerstand.
„Auf jeden Fall nicht hierhin“Anwohnende wollen Kölner Suchthilfezentrum verhindern

Andreas Zittlau (M.), Vorsitzender der IG Pantaleonsviertel, spricht auf der Anwohnerversammlung zum geplanten Suchthilfezentrum. Thomas Banneyer
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Groß war das Gedränge am Montagabend vor dem Eingang des Berufskollegs im Pantaleonsviertel. Hunderte Menschen kamen zur Anwohnerversammlung, um sich über das geplante Suchthilfezentrum (SHZ) in der Wilhelm-Hoßdorf-Straße auszutauschen. Der Ansturm war schließlich so groß, dass 100 bis 200 Menschen weggeschickt werden mussten. Die Kapazität der Aula von rund 400 Personen war völlig ausgeschöpft. Auch die Live-Übertragung per Youtube erreichte ihre maximale Auslastung von 190 Zuschauern schon bevor die Versammlung losging.
Die Pläne für das SHZ gab die Stadt Ende Dezember 2025 bekannt. „Mit diesem Suchthilfezentrum können wir suchtkranken Menschen noch besser helfen. Gleichzeitig verfolgen wir damit das Ziel, den öffentlichen Raum rund um den Neumarkt endlich zu entlasten“, gab Oberbürgermeister Torsten Burmester in einer Mitteilung bekannt.
Suchthilfezentrum: Pläne treffen auf Widerstand der Anwohnenden
Doch die Pläne des OB treffen auf vehementen Widerstand. Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Interessengemeinschaft (IG) Pantaleonsviertel organisieren sich, um das Vorhaben der Stadt zu stoppen. Gleich zwei Onlinepetitionen haben sie hierzu ins Leben gerufen. Diese wurden mittlerweile insgesamt knapp 7000-mal unterschrieben.
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Ziel der Versammlung war es, den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung zu den Plänen der Stadt zu äußern. Das Meinungsbild war eindeutig: Die überwältigende Mehrheit äußerte sich gegen den Bau des SHZ. Die Bedenken betrafen insbesondere die Sicherheit, vor allem die der Kinder. Denn im Veedel sind gleich mehrere Schulen und Kindertagesstätten angesiedelt.

Großer Andrang herrschte vor dem Berufskolleg.
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Andreas Zittlau, Vorsitzender der IG, erklärte, die Stadt plane eine Ordnungspartnerschaft zwischen Polizei und Ordnungsamt. Die Anwohner vor Ort reagierten mit Spott und Gelächter: „Die ganze Stadt ist eine einzige Drogenszene. Wie soll hier die Sicherheit gewährleistet werden?“, fragte eine Bürgerin. Die Ordnungspartnerschaften würden auch sonst nicht funktionieren. Eine junge Frau erzählte, sie wäre schon zweimal in der Innenstadt von Suchtkranken bedroht worden. Aufgewühlt stellte sie die Frage, wie Kölns Oberbürgermeister Verbrechen durch Suchtkranke in dem Viertel verantworten wolle.
Auf die Frage, warum der Konsumraum am Neumarkt überhaupt geschlossen werden soll, erläuterte Zittlau, dass die Schließung ein Wahlversprechen Burmesters gewesen sei. „Wir haben die Nase voll! Mein elfjähriger Enkel sagte zu mir „Oma ich komme nicht gerne zu dir, bei dir sind zu viele schmutzige Menschen. Das tut weh!“, so eine Anwohnerin des Neumarkts.
Wohin sollen die Menschen? „Das ist nicht unsere Aufgabe“
Auch Mitglieder anderer IGs waren gekommen, um ihre Solidarität kundzutun. Manfred Fiedeler, Vorstandsmitglied der IG Severinsviertel erzählte, bei dem Versuch, die Drogenszene vom Neumarkt zu vertreiben, habe diese sich zeitweise ins Severinsviertel verlagert. „Plötzlich hatten wir von heute auf morgen ganz viele Dealer und Junkies auf dem Severinsplatz“, berichtete Fiedeler. „Die Junkies tragen nichts zum Stadtbild bei. Die laufen nicht bis zur nächsten Drogenkonsumstelle. Die setzen sich einfach in einen Türeingang!“
Gegenstimmen gab es kaum. Lediglich eine Ordensschwester der Franziskaner, Christina Klein, die bei der Gubbio-Obdachlosenseelsorge im Veedel tätig ist, meldete sich zu Wort: „Unsere Einrichtung macht hier keinen Ärger“, sagte Klein. „Ich war selbst mal hier im Veedel als Erzieherin tätig und verstehe die Sorgen. Aber ich frage: Wo sollen diese Menschen hin?“ Klein traf mit dieser Frage auf Unverständnis: „Ins Industriegebiet!“ und „auf jeden Fall nicht hierhin!“ wurde zwischengerufen. Ein Bürger antwortete: „Die Frage, wo sollen sie hin, ist nicht diskussionswürdig. Das ist nicht unsere Aufgabe!“
IG kritisiert fehlenden Kontakt zum Oberbürgermeister
Der Stadtrat soll bereits am 5. Februar über das SHZ entscheiden. „Die Stadt baut damit künstlich Druck auf“, so Zittlau. Er kritisierte vor allem den Mangel an Austausch zwischen der Stadt und der IG Pantaleonsviertel: „Der OB ruft die IG Neumarkt an und tauscht sich mit ihr aus. Aber wir werden nicht angesprochen. Uns ruft keiner an.“ Dank der Gegenstimmen der Anwohner habe sich das geändert. Zittlau soll vom OB zu einem persönlichen Gespräch eingeladen worden sein. Das Gespräch sei für kommenden Freitag geplant. Auch andere Parteien aus dem Stadtrat sollen sich mittlerweile bei Zittlau gemeldet haben.
Die IG Pantaleonsviertel habe Ende Dezember eine Anwaltskanzlei beauftragt, die Pläne der Stadt juristisch zu untersuchen, so Zittlau. Das erste Gutachten soll bald fertig werden. Bevor der Stadtrat endgültig abstimmt, findet am 20. Januar im VHS-Forum des Rautenstrauch-Joest Museums die Informationsveranstaltung der Stadt statt. Die IG Pantaleonsviertel kündigte an, mit einer Banneraktion vor Ort zu sein.
