Der Vorsitzende der Laienorganisation lehnt eine Gebühr für Besucher im Kölner Dom ab – die Präsidentin des Dombau-Vereins hält „um die fünf Euro“ für angemessen. Wie geht es weiter?
„Kirchen sind keine Museen“Katholikenausschuss kritisiert Pläne für Dom-Eintrittsgeld

Ein Besuch im Kölner Dom soll bald Geld kosten.
Copyright: Meike Böschemeyer
Die Pläne des Kölner Domkapitels, das künftig von Touristen Eintritt für den Besuch in der Kathedrale nehmen will, sorgen in der Stadt für Diskussionen. Wie berichtet, berät zurzeit eine Arbeitsgruppe darüber, wie viel die Menschen zahlen sollen, wie das Wegekonzept im Dom aussehen soll und wie man Warteschlangen vermeiden will. In der zweiten Jahreshälfte soll das Eintrittsgeld eingeführt werden. Es wäre ein Novum in der fast 800-jährigen Geschichte des Kölner Doms. Hintergrund sind steigende Kosten in allen Bereichen, bei stagnierenden Einnahmen. Gläubige sollen weiterhin kostenlos Einlass finden.
„Ich finde es bedauerlich, dass man für den prächtigen Dom Eintritt zahlen soll. Er gehört uns allen“, hatte die Kölner Frauenrechtlerin Alice Schwarzer kürzlich betont. Dagegen findet es der weltbekannte Kölner Maler Gerhard Richter in Ordnung, Eintrittsgeld für den Kölner Dom zu verlangen. Bei Sehenswürdigkeiten wie dem Mailänder Dom werde das bereits praktiziert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das von ihm gestaltete Fenster im Südquerhaus des Kölner Doms zählt zu den Hauptattraktionen der Kathedrale.
Kölner Dom: Wie hoch soll der Eintritt sein?
Über die mögliche Höhe der Eintrittsgelder gibt es bislang nur Spekulationen. Demnach sollen bis zu 15 Euro im Gespräch sein. In Mailand zahlt ein Erwachsener für den Besuch des Doms und der Dachterrasse auf gängigen Online-Portalen bereits 26 Euro oder mehr. Der reine Kircheneintritt ist ab 11,50 Euro zu haben. Die Kathedrale Notre-Dame in Paris und den Stephansdom in Wien kann man kostenlos betreten, muss aber Eintritt bezahlen, wenn man bestimmte Bereiche besichtigen und zum Beispiel die Türme besteigen will (wofür auch in Köln schon jetzt Eintritt erhoben wird).
Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), der mit den Spenden den Erhalt der Kathedrale unterstützt, sollen weiterhin kostenlos in den Dom kommen. ZDV-Präsidentin Barbara Schock-Werner sagte im „Domradio“ zum Thema Eintritt: „Ich war immer stolz darauf, dass wir das nicht brauchen und wir uns es leisten können, dass der Dom keinen Eintritt nimmt. Aber nun sind die Verhältnisse anders und der Dom braucht Geld.“ Wünschenswert wäre aus ihrer Sicht, dass der Eintritt „unter zehn Euro, vielleicht auch um die fünf Euro“ betrage.
Der Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, Gregor Stiels, ist strikt gegen die Erhebung von Eintrittsgeldern. „Kirchen sind keine Museen. Sie müssen einen barrierefreien Zugang für alle haben, ohne Eintrittsgelder“, sagte er der Rundschau. „Zwar ist es im Ausland häufig so, dass für Kirchen Eintritt erhoben wird. Aber ich habe es immer für ein hohes Gut gehalten, darauf zu verzichten.“ Das Argument, dass die Kosten für den Dom steigen, sei zwar nachvollziehbar. „Doch ich bin der Meinung, man hätte so lange wie möglich einen freien Zugang ermöglichen sollen.“ Konkret sieht Stiels das Erzbistum Köln in der Pflicht. Es solle angesichts der Finanzdefizite des Doms seine Zuschüsse erhöhen.
Wenn der Besuch in der Kathedrale kostenpflichtig werde, „ist der unbeschwerte Zugang nicht mehr da, das wäre sehr schade“, meint der Vorsitzende des Katholikenausschusses. „Viele Menschen sagen: Wenn ich nach Köln fahre, gehe ich als Erstes kurz in den Dom. Das machen sie vielleicht nicht mehr, wenn es Geld kostet. Die Spontanität geht verloren. Das ist nicht gut.“
Problematisch sei auch, wie das Domkapitel unterscheiden wolle zwischen Touristen, die zahlen müssen, und Gläubigen, die kostenfreien Zugang erhalten sollen. „Das ist schwer umzusetzen.“ Zu der Frage, ob womöglich am Eingang eine Art Glaubensprüfung stattfinden soll und welche Diskussionen es dann zwischen Besuchern und Domschweizern geben könnte, will Stiels nicht spekulieren. Auch an der Debatte über die mögliche Höhe des Eintrittsgelds will er sich nicht beteiligen. „Der Dom ist eine Kirche und sollte auch in Zukunft allen Menschen offenstehen.“

