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Black History Month in KölnSchwarze Sportlerinnen und Sportler berichten von ihren Erfahrungen

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Sprechen über ihre Erfahrungen im deutschen Sport: Otto Addo (v.l.n.r), Owen Ansah, Liz Shoo, Oumi Janta und Shari Reeves.

Sprechen über ihre Erfahrungen im deutschen Sport: Otto Addo (v.l.n.r), Owen Ansah, Liz Shoo, Oumi Janta und Shari Reeves.

Zum Auftakt des Black History Month sprechen vier Schwarze Sportlerinnen und Sportler über ihre Erfahrungen im deutschen Sport.

„Das ist mir wichtig zu sagen: Rassismus war nie weg, er hat höchstens geschlafen und ist 2014 durch Pegida erstarkt auferstanden“, sagt Shari Reeves auf der Bühne im Olympia- und Sportmuseum. Als eine von vier Gästen, die zur Auftaktveranstaltung des Black History Month zusammengekommen sind, spricht sie über ihre Leidenschaft: den Sport. Doch wenn vier Schwarze Sportlerinnen und Sportler über ihre Biografien und Erfolgsgeschichten berichten, gehört auch der Umgang mit Rassismus unweigerlich dazu.

Reeves ist ehemalige Fußballerin und wurde schon früh mit dem Thema Zugehörigkeit konfrontiert. Während viele fußballbegeisterte Jugendliche die Freude am Sport genießen und vom großen Ziel „Nationalmannschaft“ träumen dürfen, sei ihr schnell vermittelt worden, dass sie nicht dazugehöre und anders sei. „Mir wurde gesagt, ich hätte keinen deutschen Pass, deswegen sollte ich mir keine Hoffnung auf die Nationalmannschaft machen“, erinnert sich die ehemalige Fußballerin. „Oft ist das N-Wort gefallen.“ Heute scheine es wieder zu kippen, meint Reeves, obwohl sie gehofft habe, eines Tages aufzuwachen und eine Welt ohne Hass und Rassismus zu erleben.

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Otto Addo kennt das Gefühl, sich nicht zugehörig zu fühlen. Heute ist er Trainer der ghanaischen Nationalmannschaft. Als Mitgründer des Vereins „Roots against Racism in Sports“ (deutsch: Wurzeln gegen Rassismus im Sport) möchte er die Strukturen im Fußball verändern. „Ich möchte nicht mehr aushalten, ich möchte mich wehren und Widerstand leisten“, sagt Addo. Er habe sich durch eine weiße Mehrheitsgesellschaft kämpfen müssen, die ihn nicht habe gewinnen sehen wollen. Als Schwarzer Jugendlicher habe er gelernt, Beleidigungen auszublenden und sich auf das Spiel zu konzentrieren, während aus den Zuschauertribünen Bananenschalen auf das Spielfeld geworfen sowie rassistische Beleidigungen gerufen und Affengeräusche nachgeahmt worden seien. Nach dem Training seien ihm Skinheads gefolgt und hätten ihn bedroht. Trotzdem schaffte es Addo bis in den Profifußball in der deutschen Bundesliga, später als Nationalspieler für Ghana.

„Es erfordert Mut. Ich würde allen jungen Menschen raten: Seid mutig und bleibt euch treu“, sagt die Tänzerin Oumi Janta. Sie wendet sich an die Generation Schwarzer Sportlerinnen und Sportler, die immer noch gegen rassistische Trainer, Sportsfreunde und Strukturen ankämpfen müssen: „Wenn ihr Lust auf Golf habt, spielt Golf, egal ob es eigentlich ein ‚weißer Sport‘ ist.“ Oumi Janta tanzt auf Rollschuhen den Rhythm- und Jamskate. Sie genieße den Moment im Sport, wenn Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht in den Hintergrund rücken und alle gleich scheinen, sagt sie.

Shari Reeves wünscht sich, dass Begriffe wie Hautfarbe grundsätzlich hinterfragt werden, und sich die Unterscheidungen zwischen weißen und Schwarzen Sportlerinnen und Sportlern auflösen. Schwarz sei keine Farbe, darum werde es auch auf den Plakaten in der Stadt großgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich nicht um eine biologische Hautfarbe, sondern um eine politische und soziale Selbstbezeichnung handelt. „Ich wünsche mir, dass Schwarze Geschichte keine Randerscheinung bleibt, sondern endlich als Teil der Weltgeschichte gesehen wird, denn das ist sie.“


Im Rahmen des Black History Month lädt das Sportmuseum zu vier weiteren Veranstaltungen ein. Der kommende Termin ist der Workshop „Empowerment“ für Schwarze Kinder und Jugendliche aus dem Sport, der am Freitag, 20. Februar, um 16 Uhr beginnt. Weitere Informationen gibt es online.