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Römischer Hausaltar entdecktArchäologische Sensation auf der MiQua-Baustelle in Köln

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Ein Mann kniet vor einem steinernen Altar auf der MiQua-Baustelle in Köln.

Grabungsmitarbeiter Khaled Ali Darwich hält die Steinplatte, die Teil des darüberliegenden römischen Hausaltars war, der auf der MiQua-Baustelle entdeckt wurde.

Spektakulärer Fund auf der Baustelle des jüdischen Museums „MiQua“ in Köln: Bei Ausgrabungen wurde ein römischer Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert entdeckt.

Der römische Statthalter der Provinz Niedergermanien genoss in der Antike in seinem Palast in Köln, dem Praetorium, allen Luxus, den die damalige Zeit zu bieten hatte. Es gab Fußbodenheizung und Thermenanlagen, Wände und Flure waren mit Malereien, Marmor und Mosaiken ausgestattet, und ein Heer von Bediensteten sorgte für das Wohlergehen der Führungsschicht. Über den Alltag des römischen Hauspersonals ist nicht viel bekannt, doch nun öffnet sich durch den Schleier der Geschichte ein Fenster in die Zeit vor fast 1900 Jahren in Köln. Bei Ausgrabungen auf der Baustelle des „LVR-Jüdischen Museums im Archäologischen Quartier Köln“, kurz „MiQua“ (siehe Infotext), wurde in den vergangenen Monaten ein sogenanntes Lararium entdeckt, ein römischer Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.

Es sei ein einzigartiger Fund, eine Sensation, jubelte der Direktor des Römisch-Germanischen Museums, Marcus Trier. „Einen derartig gut erhaltenen Befund dieser Art kennen wir ansonsten tatsächlich nördlich der Alpen nicht.“ Vergleichbares sei nur aus Pompeji und Herculaneum bekannt – den Ausgrabungsstätten am Vesuv, wo die römische Kultur nach dem Vulkanausbruch unter meterdicken Ascheschichten konserviert wurde.

Römischer Hausaltar wird in Kölner Museumsparcours integriert

Nun also Köln. Seit 2009 wird am Rathausplatz gegraben. Unzählige Zeugnisse der 2000-jährigen Geschichte der Stadt sind bereits freigelegt, doch erst vor wenigen Monaten stoßen die Archäologen in rund sechs Metern Tiefe auf eine farblich gestaltete halbkreisförmige Wandnische mit bogenförmigem Abschluss, die es in sich hat. Um den Schatz ausgraben zu können, muss erst die Umgebung aufwendig gesichert und abgestützt werden. Dann wird klar: Es ist ein ganz besonderer Fund – so außergewöhnlich, dass man ihn in den unterirdischen Museumsparcours integrieren wird, was Umplanungen erfordert.

Mit so einem Fund habe man nicht gerechnet, räumt Grabungsleiter Michael Wiehen ein. Um so größer ist die Freude der Archäologen. Der Hausaltar sei nicht der des Statthalters gewesen, sondern dem Bereich der Bediensteten zuzuordnen. „Wir haben also die Möglichkeit, hier einen Blick in die Lebenswelt im Praetorium des zweiten Jahrhunderts zu werfen. Und die Erhaltung ist wirklich einmalig“, so Wiehen.

Die Laren waren in der römischen Glaubenswelt Schutzgötter des Hauses und der Familie. In den Hausaltären stellte man sie als kleine Figuren auf, meist aus Ton, und brachte ihnen Opfer dar, in Form von Lebensmitteln und anderen Dingen. In Köln wurden die Opfergaben auf einer Steinplatte bereitet, die ursprünglich vor der Nische an der Wand hing. Sie wurde im Schutt vor dem Altar gefunden und passt noch immer exakt an ihre originale Stelle.

Römische Treppe aus dem 1. Jahrhundert in Köln freigelegt

Unterhalb dieser Platte seien Schmauchspuren zu erkennen, die von Kerzen oder Öllampen stammen, erläuterte Trier. „Und wenn man ganz genau hinguckt, sieht man sogar kleine Nageleinschläge.“ Das seien keine Nägelchen, die die Archäologen dort eingebracht hätten, sondern das seien die Römer vor mehr als 1800 Jahren gewesen. „Da wurden nämlich Girlanden dran aufgehängt“, so Trier. Dieser intime Bereich eines Hausalters von Bediensteten stehe in einem Spannungsverhältnis zu dem großen, prächtigen Palast des Statthalters, der die Macht Roms repräsentiere. „Und das macht die Sache natürlich sehr lebendig und sehr besonders. Das ist natürlich so fantastisch, das muss in den Parcours integriert werden.“

Eine Steintreppe aus der Römerzeit, die in Köln entdeckt wurde.

Eine neu entdeckte römische Treppe auf der MiQua-Baustelle.

Auch eine römische Steintreppe aus dem späten 1. Jahrhundert nach Christus wurde im Zuge der Ausgrabungen entdeckt und freigelegt. Sie verband ein sehr tief gelegenes Niveau in Richtung Rhein mit einem höher liegenden Bereich des frühen Praetoriums. Wo die Treppe endet, ist nicht bekannt. Sie wurde nicht bis zum Ende ausgegraben.

Laut Trier sind Treppen in der Kölner Archäologie nur selten erhalten, da in der Regel nur die Fundamentbereiche von Gebäuden überliefert sind. An dieser Stelle hätten jedoch besonders günstige topographische Bedingungen geherrscht, da frühe römische Befunde bereits in römischer Zeit durch Verfüllungen in den Boden gelangt seien.

Ein weiteres Highlight im künftigen Museum wird der Bereich im Fundament der Apsis eines römischen Basilikabaus aus dem 4. Jahrhundert sein, der mit einem Durchbruch erschlossen wurde. Dort findet sich schichtweise eingebrachtes Gestein aus Tuff, Basalt und Kalkstein, das mit besonders festem Mörtel verbunden ist. Bis Ende des Jahres sollen die Ausgrabungen im MiQua beendet sein.


Beim MiQua droht ein erneuter Kostenanstieg

2015 beginnen auf dem Platz vor dem Historischen Rathaus die Bauarbeiten für das „LVR-Jüdische Museum im Archäologischen Quartier Köln“, kurz MiQua, es soll damals 61,6 Millionen Euro kosten. Das weltweit einzigartige Museum entsteht genau dort, wo im Mittelalter die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen ihren Sitz hatte. Es wird aus einem markanten Ausstellungsgebäude über einer unterirdischen Ausgrabungsstätte mit Zeugnissen aus 2000 Jahren Kölner Geschichte bestehen. Dazu zählen Überreste des römischen Statthalterpalastes (Praetorium), der Synagoge und des jüdischen Kultbads Mikwe.

Archäologen legen seit 2009 den Untergrund des Museums weiter frei. Der Rohbau startet 2017. Vier Jahre später kündigt die Stadt dem ersten Stahlbauer wegen mangelhafter Leistung. Es kommt zu massiven Verzögerungen und einer Kostenexplosion. Inzwischen ist der Stahlbau vollendet, auch die Arbeiten an der Natursteinfassade sind laut Stadt zu „nahezu 95 Prozent“ abgeschlossen. Vor wenigen Wochen wurde ein Generalunternehmer mit dem Innenausbau und der technischen Gebäudeausstattung beauftragt.

Trotz neuer Verzögerungen bei den Dach- und Fassadenarbeiten soll das Museum, Stand jetzt, bis Ende 2028 baulich fertiggestellt und betriebsbereit sein. Demnach würde es 2029 eröffnet. Die Baukosten drohen weiter zu steigen. Sie hatten sich zwischen 2010 (48,1 Millionen Euro) und 2024 (190 Millionen Euro) bereits nahezu vervierfacht. Doch wie die Stadt im jüngsten Sachstandsbericht mitteilt, ist das Budget bereits komplett verplant – „durch die enorm gestiegenen Kosten im Gewerk Stahlbau und die Beauftragung des Generalunternehmers“. Kommt erneut Unvorhergesehenes dazu, dürfte es also noch teurer werden. Man prüfe derzeit „Einsparpotenziale in zweistelliger Millionenhöhe in den verfügten Mitteln“, so die Stadt. (fu)