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„Eltern verlieren das Vertrauen in die Stadt“Kölner Gymnasium Neustadt-Nord zieht doch nicht an Gladbacher Wall

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Keine neuen Schüler und Schülerinnen mehr aufnehmen soll die Katholische Hauptschule am Rhein nach dem Plan der Verwaltung.

Keine neuen Schüler und Schülerinnen mehr aufnehmen soll die Katholische Hauptschule am Rhein nach dem Plan der Verwaltung.

Der Investor hatte seine Mietforderungen für das Gebäudeensemble massiv erhöht, die Stadt brach die Verhandlungen ab.

Die Nachricht kam vollkommen unerwartet, die Betroffenen waren fassungslos, frustriert oder wütend. Das im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring gestartete Gymnasium Neustadt-Nord wird nicht an den Gladbacher Wall umziehen. Im August 2025 hatte die Schule am Standort in der Südstadt mit 57 Kindern ihren Betrieb aufgenommen. In Aussicht gestellt und auf der Internetseite der Stadt kommuniziert war da ein Umzug in die Nordstadt „voraussichtlich zum Schuljahr 2028/29“. 

Warum steht der Standort nicht mehr zur Verfügung?

Man habe „die Verhandlungen mit dem Investor aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgebrochen“, teilte die Stadt mit. Mit dem Investor, der ein Gebäudeensemble am Gladbacher Wall angeboten hatte, sei ein Mietpreis „endverhandelt“ worden. Im Laufe des weiteren Verfahrens sei der Mietpreis jedoch massiv erhöht worden. Auch ein zwischenzeitlich angebotener Kaufpreis für das Gebäude lag aus Sicht der Stadt deutlich über den marktüblichen Bedingungen. Jetzt soll das Gymnasium Neustadt-Nord ab 2028/29 an zwei Standorten betrieben werden. Die Sekundarstufe I soll in ein Gebäude an der Gereonsmühlengasse ziehen, das derzeit umfassend saniert wird. Nutzer dieses Gebäudes ist das Abendgymnasium, das für die Sanierungszeit in ein Interim in Kalk gezogen ist. Die Sekundarstufe II soll das Schulgebäude an der Niederichstraße nutzen, in dem die rund 15 Klassen der Katholischen Hauptschule am Rhein unterrichtet werden.

Was bedeutet das für die betroffenen Schulen?

Die Hauptschule soll auslaufen und ab sofort keine Kinder mehr aufnehmen. Sie habe in den letzten Jahren nur je eine Eingangsklasse bilden können, so die Begründung der Stadt. „Das kommt vollkommen unerwartet. Wir sind geschockt und traurig“, sagte Schulleiterin Marika Prandl-May. „Bisher galt die Zusage, dass Schulen, die stabile Schülerzahlen haben, bestehen bleiben. Wir hatten in den letzten Jahren immer rund 310 Kinder und Jugendliche.“ Kleine Eingangsklassen seien typisch für Hauptschulen. „Aber ab der 7. und bis zur 10. Klasse sind wir dreizügig“, so Prandl-May. Der Grund: 40 bis 50 Kinder oder Jugendliche wechseln jedes Jahr von anderen Schulen zur Hauptschule. In drei internationalen Klassen werden geflüchtete Kinder beim Deutschlernen unterstützt; sie gehen nach und nach in die regulären Klassen über. 50 der 310 Schüler haben einen diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf. „Wir entlasten so die in Köln sehr belegten Förderschulen, sind aber zugleich selber am Limit. Und gerade sind wir in das Startchancen-Programm aufgenommen worden. Das heißt, wir können Kinder in den Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik sowie im sozialemotionalen Bereich besser fördern.“ Eine Folge der intensiven Förderung sei auch, dass ein Drittel jedes Jahrganges auf der Hauptschule den Realschulabschluss ablege.

„Eine Schule an zwei Standorten zu betreiben, stellt uns vor große schulorganisatorische und pädagogische Herausforderungen. Vor allem, wenn die beiden Schulstandorte zwei Kilometer auseinanderliegen“, sagte Volker Einecke, Leiter des Gymnasiums Neustadt-Nord. „Man sollte unbedingt darüber nachdenken, ob die Schule nicht etwa dreizügig an einem festen Standort betrieben werden kann.“ Das wünscht sich auch Marika Prandl-May. „Die Gereonsmühlengasse war Interim für das Hansagymnasium. Warum wird das Gymnasium Neustadt-Nord nicht hier untergebracht?“ Ein Vertreter des Abendgymnasiums war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Was sagt die Elternschaft des Gymnasiums Neustadt-Nord?

Völlig unerwartet kam die Entscheidung auch für Schüler- und Elternschaft des Gymnasiums Neustadt-Nord. „Wir haben den Eltern bei unserem Infoabend Ende November versichert, dass der Umzug an den Gladbacher Wall klappt. Davor hatten wir extra beim Schulträger nachgefragt“, so Kristin Heller, Sprecherin der Schulpflegschaft. „Viele der Eltern haben in ihrem Freundeskreis für unsere Schule geworben, weil wir vom Einsatz des Pädagogen-Team sehr überzeugt sind. Etliche dieser Eltern sind sich jetzt nicht mehr sicher, ob sie ihre Kinder tatsächlich bei uns anmelden wollen. Was passiert, wenn es zu wenige Anmeldungen gibt? Die Eltern verlieren das Vertrauen in die Stadt.“

„Wir wissen um den dringenden Bedarf an Gymnasialplätzen im Bereich des geplanten Standortes und hoffen, dass eine Lösung gefunden wird, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht wird“, so die Stellungnahme der Stadtschulpflegschaft. „Das ist für die Schule, die ein sehr engagiertes Team hat, eine riesige Zumutung. Und wenn deshalb die Eingangsklassen klein bleiben, bedeutet das für die Oberstufe ein stark eingeschränktes Kursprogramm“, kritisierte Olaf Wittrock, Gründer der Initiative „Die Abgelehnten“, die wegen des Mangels an Gymnasialplatzen entstanden ist, mittlerweile aber auch Betroffene anderer Schulformen umfasst. Er fragt: „Wie kann die Stadt einen Standort offiziell verkünden und auf der Stadtwebsite nennen, wenn es keinen Vertrag für diesen Standort gibt?“