Beim Herz- und Gefäßtag in Köln ging es auch um die Wechseljahre: Eine Porzer Ärztin erklärte, wie Östrogenmangel das Herz beeinflusst.
Veranstaltung im GürzenichMehr als 1000 Gäste beim Herz- und Gefäßtag in Köln

Gesprächsrunde auf der Bühne: Professor Marc Horlitz (v.l.), Ludwig Sebus, Detlef Langemann und Professor Wolfgang Holtmaier.
Copyright: Krankenhaus Porz
Was haben die Menopause und mögliche Herzkrankheiten gemeinsam? Durchaus eine Menge, weiß Dr. Conchita Ruiz-Mohné. Sie leitet das Frauenherzzentrum am Porzer Krankenhaus. „Östrogen erweitert die Arterien und sorgt dafür, dass die Gefäße ‚elastisch‘ bleiben. Deswegen haben Frauen im Vergleich zu Männern unter 55 Jahren deutlich weniger hohen Blutdruck.“ Mit den sogenannten Wechseljahren und dem damit verbundenen Rückgang von Östrogen wendet sich das Blatt. Die Kurve für Bluthochdruck steigt bei den Frauen ab dieser Zeit steiler an, als bei Männern. Gleichzeitig kommen weitere Faktoren hinzu.
„Frauen schlafen in dieser Phase nicht mehr durch, sie nehmen zu und es können Ängste und Depressionen auftreten, das alles wirkt sich auf den Blutdruck aus“, sagt die Ärztin. Deswegen macht es Sinn, den Blutdruck regelmäßig zu messen, auch wenn es vorher keine Probleme gegeben hat. Denn erhöhter Blutdruck ist nicht schmerzhaft, man merkt ihn nicht. Gleichzeitig erhöht sich aber das Risiko eines Herzinfarktes.
Wechseljahre ernst nehmen: Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen stärken
„Zwölf Millionen Frauen in Deutschland sind zwischen 45 und 60 Jahre alt und befinden sich in den Wechseljahren. Die dürfen nicht mehr bagatellisiert werden“, sagte Moderatorin Martina Eßer. „Ich möchte alle Frauen, auch jüngere, ermutigen, rechtzeitig zum Arzt zu gehen, damit Frühwarnzeichen für spätere Erkrankungen erkannt werden können“, so ihr Appell. Und Ruiz-Mohné machte aufgrund dieser Aspekte klar, weswegen eine geschlechtersensible Betrachtung der Herz-Kreislauf-Gesundheit so wichtig ist.
Die Talkrunde von Martina Eßer und Dr. Ruiz-Mohné über Hormone, Wechseljahre und das Frauenherz war nur ein Programmpunkt des 16. Herz- und Gefäßtages im Gürzenich. Den hat die Kardiologie des Porzer Krankenhauses veranstaltet. Deren Chefarzt, Professor Marc Horlitz, zeigte sich nach der Veranstaltung sehr erfreut: „Das war so gigantisch, so groß.“ Über 1000 Besucherinnen und Besucher waren zu der kostenfreien Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung stand, gekommen. Die richtet sich nicht nur an Patientinnen und Patienten, sondern auch an die Menschen, die erst keine Patienten werden wollen.
Das Programm, durch das Horlitz und seine leitende Oberärztin, Dr. Petra Weßling, führten, bestand aus kurzen und verständlichen Vorträgen. Medizinerinnen und Mediziner berichteten unter anderem darüber, warum ein „krummer Rücken“ das Herz belasten kann, warum Übergewicht und Diabetes das Herz aus dem Takt bringen und wie Hightech-Medizin Herzen retten kann. Praktische Einblicke gab es bei einer Live-Demonstration einer Reanimation auf der Bühne, verbunden mit dem Hinweis, dass das Einzige, was eine helfende Person falsch machen kann, ist, nichts zu tun.
Stehende Ovationen gab es beim Auftritt von Ludwig Sebus. Der Grandseigneur des Kölner Karnevals war genauso Gesprächspartner von Professor Horlitz wie Eishockey-Legende und Mitbegründer der Kölner Haie, Detlef Langemann. Sie sprachen über Ernährung, Bewegung und gesundes Altern. Auf die Frage von Horlitz, ob 60Plus der Wendepunkt im Leben sei, sagte Sebus, der jüngst seinen 101. Geburtstag feierte: „Für mich ist jemand, der gerade über 60 ist, blutjung. Für ein langes Leben ist Lachen wichtig, Frohsinn unterstützt das Herz.“ Und Detlef Langemann plädierte dafür, auch im Alter sportlich aktiv zu sein. „Wir haben nur einen Körper, den dürfen wir nicht ruinieren.“
Im Anschluss an das Bühnenprogramm hatten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, im Foyer des Gürzenich den Expertinnen und Experten persönliche Fragen zu stellen. Was rege genutzt wurde.
