Der Förderverein will Geld einsammeln, um die Heimstätte des Stadtmuseums wieder herzurichten. Am Wochenende wurden Nägel mit Köpfen gemacht.
Spenden-AktionNägel mit Köpfen für Sanierung des Zeughauses

OB Torsten Burmester (l.) schlug neben Stadtmuseums-Direktor Matthias Hamann den ersten Nagel ein.
Copyright: Costa Belibasakis
Die Spuren des Verfalls im Zeughaus sind weithin sichtbar: An den Wänden zeichnen sich Rückstände des Wasserschadens von 2017 ab, die Fenster sind marode, der Boden roh und lückenhaft. Dennoch tagten in diesem Ambiente erstmals seit 2018 wieder rund 100 Gäste des Fördervereins „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“. Und sie machten Nägel mit Köpfen: Symbolisch schlugen sie Nägel in einen Fensterladen des maroden Zeughauses ein. Die Botschaft: Die angestammte Heimat des Stadtmuseums soll wieder flottgemacht werden. In der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende des Fördervereins, Konrad Adenauer, in der Kölnischen Rundschau angekündigt, dass der Verein mit einem Finanzierungskonzept auf den Oberbürgermeister zugehen will.
Das „Zeughaus-Dinner“, das mit neuem Namen auf das traditionelle „Herren-Essen“ folgt, gab am Wochenende den Rahmen für den gewünschten Neustart vor. „Hier zu sein, ist schön und schmerzhaft zugleich“, sagte Museumsdirektor Matthias Hamann. Schmerzhaft mit Blick auf den baulichen Zustand des Hauses, schön, weil es eine Rückkehr sei. Und weil das Haus durchaus provisorisch zu nutzen ist. Zu sehen waren Modelle und Konzepte von Studenten der Technischen Hochschule zu einer Neukonzeption mit baulicher Erweiterung. Sie sollen in dieser Woche im Detail vorgestellt werden.

An langen Tafeln speisten die rund 100 Gäste beim Zeughaus-Dinner
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Hamann kündigte weitere Ausstellungen an. So soll 2028 eine Jubiläumsschau zu 100 Jahren „Pressa“ zu sehen sein, um den Medienstandort Köln zu beleuchten. Im nächsten Jahr soll die Internationale Fotoszene die Räume nutzen, auch die fotografische Sammlung des Stadtmuseums soll dabei zur Geltung kommen. Das Stadtmuseum kann im Interim, dem ehemaligen Modehaus Sauer an der Minoritenstraße, auf 700 Quadratmetern nur einen Bruchteil seiner Objekte zeigen. Die Planungen für eine Historische Mitte am Dom waren aus Kostengründen nicht zu realisieren. Hamann will die Schau daher im seit acht Jahren geschlossenen Zeughaus fortschreiben: „Wir arbeiten an einem Konzept, das dieses Haus wieder zu einem Stadtmuseum, zu einem Ort der Diskussion, der Selbstvergewisserung macht.“ Vor einigen Jahren ist eine Sanierung mit rund 90 Millionen Euro veranschlagt worden.

Elf Nägel im Stein fürs Stadtmuseum wurden vergeben.
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Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) redete nicht lange um die dramatische Haushaltslage herum. Die erlaube keine Zusagen, zumal auch andere Häuser auf der Sanierungsliste stehen. Die Stadt wolle aber Perspektiven eröffnen. „Der Gedanke, das Stadtmuseum an seinen historischen Ursprungsort zurückzuführen, hat eine starke symbolische Kraft“, sagte Burmester. Es wäre ein Schritt zu einem vernetzten Kulturquartier, an dem 2000 Jahre Stadtgeschichte erlebbar werden. Der Kraftakt werde nur mit bürgerschaftlichem Engagement möglich werden, das habe Köln immer ausgezeichnet. Symbolisch schlug der OB den ersten Nagel in einen aufbereiteten Fensterladen des Zeughauses. Diese hatte Hamann im vergangenen Jahr abnehmen lassen – ebenfalls aufgrund des schlechten baulichen Zustandes. Rund 120 Nägel – jeder mit einer Spende verbunden – wurden bis zum späten Abend eingeschlagen. Es war laut im Zeughaus, die Herren hatten sichtlich Freude an der Aufgabe.
Und der Förderverein freute sich am Ende über mehr als 6000 Euro, die für die alte und vielleicht neue Heimat des Stadtmuseums eingesammelt wurden. Darüber hinaus bestehe die Aussicht auf die ein oder andere Großspende, hieß es. Nägel mit Köpfen zu machen, nimmt Kölner Stadtgeschichte auf: Vor dem Isabellensaal im Gürzenich stehen Holzfiguren von Tünnes und Schäl. In diese konnten Kölner Bürger in den 1950er Jahren gegen eine Spende Nägel einschlagen. Es kamen 800.000 Mark für den Wiederaufbau des Gürzenich zusammen.
