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Probleme mit ObdachlosenKVB wollen Haltestelle Appellhofplatz nachts schließen

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Menschen gehen durch einen unterirdischen Gang in der KVB-Haltestelle Appellhofplatz.

Die KVB-Haltestelle Appellhofplatz mit ihren langen unterirdischen Gängen könnte künftig nachts verschlossen werden.

Mit neuen „Fahrgastmanagern“ wollen die KVB die Sicherheit in Bussen, Bahnen und Haltestellen in Köln verbessern. Die Station Appellhofplatz soll nachts zugesperrt werden.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) starten mit einer Offensive für mehr Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung in das neue Jahr. Künftig werden 188 speziell geschulte „Fahrgastmanager“ im gesamten Stadtgebiet unterwegs sein und die Situation in Bussen, Bahnen und Haltestellen kontrollieren. Sie sollen Fahrgästen bei Bedarf weiterhelfen, Verschmutzungen und Beschädigungen per Tablet dokumentieren und der Zentrale melden sowie bei Problemen einschreiten.

Das neue Konzept nennt sich „Fahrausweisprüfung der Zukunft“ – denn auch die Suche nach Schwarzfahrern gehört dazu. Die bisherigen Aufgabenbereiche „Fahrausweisprüfung“, „Service“ und „Sicherheit“ werden aufgelöst. Stattdessen sollen sich Teams von „Fahrgastmanagern“ künftig in ihrem Bereich um alle Belange kümmern. Dazu teilen die KVB das Stadtgebiet in sechs Bezirke ein.

„Innerhalb dieser Bezirke bekommen die Teams Linien- und Haltestellen-Pakete zugewiesen und kontrollieren verstärkt die Bahnen, Busse und Haltestellen in ihren Bereichen“, erläutert KVB-Sprecher Matthias Pesch. Durch die neuen Verantwortlichkeiten könnten sich die Fahrgäste verstärkt mit den Bezirksteams identifizieren und die Servicequalität könne verbessert werden. „Auch die Zusammenarbeit mit den Bezirksteams der Polizei, des Ordnungsamtes und den Streetworkern wird dadurch optimiert.“

KVB organisieren Fahrgastservice und Sicherheit in Bus und Bahn neu

Die neue Struktur werde jetzt schrittweise umgesetzt, so Pesch. „Mit der Neuorganisation sollen die Aufgaben im Bereich Fahrgastsicherheit und Fahrgastservice zielgerichteter und effektiver erledigt werden.“ Eine Bestreifung rund um die Uhr könnten die KVB mit diesem Konzept jedoch nur in den Innenstadtbezirken umsetzen, nicht im gesamten Stadtgebiet.

Problematisch bleibt die Finanzierung. Bereits im April 2024 hatte der Hauptausschuss beschlossen, das von den KVB ausgearbeitete neue Konzept „Service, Ordnung und Sicherheit“ (KVB SOS) zu unterstützen. Hintergrund waren unhaltbare Zustände in der U-Bahn-Haltestelle Appellhofplatz und anderen Stationen, wo sich zunehmend Drogenkranke und Obdachlose aufhalten. Wie berichtet, übernachten diese Menschen teils in den Tunneln, bringen sich dabei in Lebensgefahr und hinterlassen Unrat, der frühmorgens vor Betriebsbeginn beseitigt werden muss.

Für das Jahr 2024 hatte die Politik 1,5 Millionen Euro für zusätzliches KVB-Sicherheitspersonal zur Verfügung gestellt, die Finanzierung in den Folgejahren blieb jedoch ungeklärt.

38 zusätzliche Sicherheitskräfte kosten 2,5 Millionen Euro pro Jahr

Laut KVB-Konzept wären rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr nötig, um 38 weitere Sicherheitskräfte einzustellen. Dann könnten auch in den Außenbezirken „die Fahrzeuge und Haltestellen schon vor den Hauptverkehrszeiten verstärkt bestreift werden. Um in allen Bezirken 24/7 präsent zu sein, wären insgesamt 80 Mitarbeiter mehr nötig“, betont Pesch.

Das würde Kosten von rund 5,3 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Tatsächlich erhielten die KVB 2025 jedoch gar kein Geld von der Stadt. Dem Vernehmen nach soll die Kämmerei die fehlende Deckung der Mehrkosten bemängelt haben. Die hochdefizitären KVB bezahlten das zusätzliche Sicherheitspersonal schließlich aus eigener Tasche. Nach einem Beschluss des KVB-Aufsichtsrats vom Dezember 2025 sollen sie das auch im laufenden Jahr 2026 tun, was das Defizit der KVB weiter vergrößern wird.

Die KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks appelliert an die Politik, den Betrieb mehr zu unterstützen. Der Rundschau sagte sie: „Wir gehen davon aus, dass das Thema Sicherheit und Sauberkeit auch für die Politik ein wichtiges Thema ist und dass der neue Rat der Stadt Köln in 2026 Lösungen finden und beschließen wird. Das schließt sowohl unsere Haltestellen als auch deren Umfeld mit ein. Selbstverständlich leisten auch wir unseren Beitrag dazu im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten.“

An der Haltestelle Appellhofplatz werden Gitter eingebaut

Im Rahmen eines Pilotprojekts wollen die KVB die Problem-Haltestelle Appellhofplatz während der nächtlichen Betriebspause schließen, damit dort niemand mehr übernachtet. Die Vorarbeiten laufen bereits. „Die notwendigen umfangreichen Untersuchungen hinsichtlich der baulichen Gegebenheiten und der brandschutztechnischen Anforderungen sind abgeschlossen. Wir werden die Genehmigung der Technischen Aufsichtsbehörde einholen und wären voraussichtlich im April so weit, dass wir die Sperrung umsetzen könnten“, so der KVB-Sprecher.

Insgesamt müssten sieben Zugänge mit Rolltoren oder Scherengittern verschlossen werden. Die Gitter werden laut Pesch jeweils am Fuß der Treppe in der Zwischenebene installiert. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich demnach auf rund 100.000 Euro und werden von den KVB bezahlt.

Ab wann die Haltestelle geschlossen wird, ist derzeit unklar. Pesch unterstreicht: „Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu vertreiben oder das Problem auf andere Haltestellen zu verlagern. Daher werden wir die versuchsweise Schließung der Haltestelle erst dann umsetzen, wenn begleitende Maßnahmen verabredet sind, mit denen sichergestellt ist, dass Menschen, die sonst nachts in der Haltestelle lagern, eine Anlaufstelle haben.“

Abhilfe schaffen könnten unter anderem mehr Notschlafplätze und das geplante Drogensuchthilfezentrum in der Wilhelm-Hoßdorf-Straße. Ob es tatsächlich dieses Jahr eröffnet wird, steht nicht fest.